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Flensburger Tageblatt

17. August 2017 | 21:35 Uhr

Mut zum Hut und zur Farbe

vom

Wetteraussichten und Personalausfall können die "Pink Spots" nicht schockieren - sie swingen mit Witz und Charme bei der Hofkultur

Flensburg | Licht aus, Swing an! Spätestens nach der Pause verrichtet auch das Rampenlicht wieder klaglos Dienst. Das sei ihm auch geraten, denn bei einem Konzert der "Pink Spots" leuchten nicht nur die Klangfarben. Das in Hildesheim gegründete Damentrio bietet bewusst etwas fürs Auge: Zunächst swingt und schwingt es seine Hüften - in pink und weiß gehüllt, später auch in gelb und türkis.

Die technischen Startschwierigkeiten waren auch dem Regen geschuldet, der bei jedem Konzert der Flensburger Hofkultur Bandmitglied ist - mal trüb gelauntes, mal sonnig aufgelegtes. Am Sonnabend jedenfalls fehlten dafür andere Musiker, und zwar die (schwangere) Mirle Köhler als "Beauty Spot" und Cord Radke vom Hutklub als Schlagzeuger. Denn wenngleich sich die drei Damen vordergründig selbst genügen, lassen sich doch zumindest im Hintergrund gnädig den Rücken stärken vom Hutklub. Der wiederum ist ein Quartett, verlieh aber seine Geigerin Kristina Müller an die "Pink Spots" am vorderen Bühnenrand. Und so kommt es, dass wie gewohnt drei farbenfrohe Frauen, aber nur zwei Herren mit und ohne Hut im Hof der Union-Bank einem "gut erzogenen Publikum" gegenübertreten.

Dieses erkennt "Hot Spot" Wiebke Eymess schnell daran, dass es an den richtigen Stellen Beifall spendet oder bedauert. Mittendrin erspäht die Sängerin einige Frauen, die sich modisch dem Abend angepasst haben, und begrüßt sie charmant. Tatsächlich sind das einige Damen des Flensburger Hutklubs, den es wirklich schon seit 15 Jahren gibt, und die das Konzert als erfrischend empfinden. Wiebke Eymess, die ab und an mit der Ukulele vorantreibt, kann eben auch keck. Das hat sie schon am Vortag beim Kabarett gezeigt. Nicht Flamenco klatschen, mahnt sie beim Mitmachspielchen: "Schön alle gleichzeitig". Ihre Moderationen im Zusammenspiel mit Ann-Kathrin Leistner (Lolly Spot) und Kristina Müller amüsieren. Die gewitzten Texte ebenso - aus dem "sentimental gentleman" wird etwa ein "Bademeister Basti aus Bad Bentheim".

Für dänische Gäste hat das Trio einen Song in einer vermeintlich ähnlichen Sprache gewählt - die verdächtig nach Portugiesisch klingt... Und als es einen Interpreten suchte, der "nah an uns ist", sei es auf Tom Waits gekommen. Weit weniger rauchig, mehr - Marilyn-like - hauchig singen die drei Schönen ihren "Icecream Man". Tempo erreichen sie dank Müllers fideler Geige sowie Jochen Hesch (Gitarre) und Thomas Renz (Kontrabass) als Rhythmusgruppenersatz. Noch mehr Schwung in den Swing bringen Leistners Akkordeon-Einsätze - und ihre Stimme ragt heraus. Am stärksten leuchten die Pink Spots jedoch gemeinsam, wenn sie hier und da ein bisschen "Doo Wop" und Mädchen-Späßchen einschieben. Für Klassiker wie "Bei mir bist Du schön (sheijn)", "Rum and Coca Cola" von den Andrews Sisters oder "That cat is high" (The Ink Spots) sind die Flensburger dankbar. Und für die Regentropfen, die es bis zur Zugabe im Himmel hielt.

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erstellt am 12.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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