Therme oder Campus-Bad : Muss Glücksburgs Fördelandtherme schließen?

Tropenoptik für eine entspannte Atmosphäre in der Fördelandtherme Glücksburg: Nach Jahren des Anstiegs brachen die Besucherzahlen 2013 weg.
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Tropenoptik für eine entspannte Atmosphäre in der Fördelandtherme Glücksburg: Nach Jahren des Anstiegs brachen die Besucherzahlen 2013 weg.

Die Stadt prüft derzeit Einsparmöglichkeiten. Das Ende der Fördelandtherme ist nur einer von mehreren Ansätzen.

shz.de von
16. Januar 2015, 10:32 Uhr

Schließen oder nicht schließen? Das ist in Glücksburg die Frage, wenn es um die Fördelandtherme geht. Die zwingt die Stadt inzwischen derart in die Knie, dass der Kreis 2014 den Haushalt nicht genehmigte. Lag der Fehlbetrag 2011 noch bei 700.000 Euro, wird er 2014 gute 1,9 Millionen Euro betragen haben. Erste Sparversuche greifen kaum. Die Stadt musste nachbessern und kam zumindest mit ihrem Nachtragshaushalt durch.

Der Kommunalaufsicht des Kreises Schleswig-Flensburg ist die Entwicklung in der kleinen Fördestadt anscheinend zu unberechenbar. Sie bat das Kommunale Prüfungsamt Nord um Beistand. Das kontrollierte daraufhin im Herbst den Glücksburger Haushalt. Das Ergebnis der Sonderprüfung liegt offiziell bisher nicht vor. Doch müssen die Hinweise von den Prüfern, der Kreisaufsicht und auch von Landrat Wolfgang Buschmann persönlich – er sicherte den Glücksburgern bei einem Besuch kurz vor Weihnachten seine Unterstützung zu – den Stadtpolitikern dermaßen zugesetzt haben, dass sie seit dem alle Möglichkeiten der Haushaltsrettung prüfen.

Der mit Abstand schwerste Brocken ist die Fördelandtherme, die mit Fehlbeträgen von 500.000 Euro (2010), 600.000 Euro (2011) und gar rund einer Million Euro (2013) zu Buche schlug. 2014 sind es vorläufige 600.000 Euro, die von den nicht einmal 6000 Einwohnern Glücksburgs ausglichen werden müssen, zuzüglich Zins- und Darlehenstilgung.

Es war nicht immer so. Zwar gilt die Fördelandtherme seit Jahren als ein Fass ohne Boden, doch früher musste der Kreis bis zu 75 Prozent des Defizits ausgleichen. Als Glücksburg nach Aussage Timo Petersens, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Fördelandtherme-Gesellschaft, die Beteiligung das erste Mal einforderte, bereitete Schleswig-Flensburg 2010 seinen Rückzug als Mitfinanzierer vor. 2012 kaufte sich der Kreis mit der einmaligen Zahlung von 2,3 Millionen Euro an Glücksburg von allen künftigen Verpflichtungen frei.

Zum Hintergrund: Im Juni 2009 hatte Betreiber Uwe Deyle nach juristischem Streit mit Glücksburg das Handtuch geworfen. Der Stuttgarter sah mit dem Bau des Campusbades in Flensburg die wirtschaftliche Grundlage nicht mehr gegeben. Das Ende ist bekannt. Glücksburg trägt seitdem allein das Bad. Flensburg gibt in jedem Jahr 20.000 Euro hinzu. Glücksburgs Nachbarstadt eröffnete sein Campusbad im März 2010 – ohne Fördermittel und Zuspruch des Landes. Den 14-Millionen-Euro-Bau der Therme hatte das Land mit 7,1 Millionen Euro gefördert.

Die zunehmende finanzielle Last können auch steigende Besucherzahlen nicht auffangen. Das Bemerkenswerte: Nach der Eröffnung des Campusbades verzeichneten beide Bäder wachsenden Zulauf: Die Glücksburger Therme zählt knapp 166.000 Besucher im Jahr 2010, gut 180.000 Besucher (2011) und rund 187.000 Gäste (2012). Dann brachen die Zahlen ein und lagen 2014 bei 155.000 Gästen. „Hätten wir die Rutsche schneller reparieren können und nicht erst nach einem halben Jahr, sähen die Zahlen anders aus“, bedauert Geschäftsführerin Kristina Franke.

Das Campusbad nutzten in seinem ersten Dreivierteljahr (2010) 166.000 Besucher. 2011 waren es etwas mehr als 222.000. Der Trend setzte sich fort, 2014 zählte Geschäftsführer Andreas Ostmann 274.000 Gäste. „Das Schwimmen ist in der Region anscheinend attraktiver geworden“, sagt Ostmann.

Damit die von Glücksburg versuchte Haushaltskonsolidierung eines Tages gelingen kann, ist die Verringerung des Defizits der Therme zwingend. Die Stadt prüft derzeit drei Möglichkeiten, die Situation zu verbessern: Zum einen den Weiterbetrieb der Therme nach Empfehlungen eines Gutachtens von GLC. Was das Unternehmen empfiehlt, will Aufsichtsratsvorsitzender Petersen auch nach einem Jahr noch nicht sagen. Das wüssten nicht einmal alle Stadtvertreter. Zweite Möglichkeit ist die Suche nach Mitfinanzierern oder gar neuen Eigentümern. Ob zu dem Zweck bereits Gespräche geführt werden, lässt Petersen offen. Dass der Kreis wieder einsteigt, hält Landrat Buschmann für sehr unwahrscheinlich. Auch Ostmann will die Therme nicht unter die Fittiche der Stadtwerke-Gesellschaft nehmen. Strukturelle Unterschiede sprechen bei allem Wohlwollen dagegen.

Bliebe drittens die Schließung, die aus den Reihen der Prüfer in Betracht gezogen wird, die sie nach eigener Aussage aber noch nicht berechnet haben wollen. Das hält Geschäftsführerin Kristina Franke für völlig abwegig. Der Imageschaden wäre nicht zu benennen, den eine fehlende Therme für das Kurbad hätte. „Das Betreiben wäre in den nächsten Jahren jährlich 200.000 Euro günstiger als die Schließung.“

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