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Flensburger Tageblatt

23. August 2017 | 22:14 Uhr

Zäsur : Musikschule stellt sich neu auf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mehr Festanstellungen, mehr niederschwellige Angebote für alle Altersgruppen – aber auch höhere Gebühren

Vor 20 Jahren entließ die Stadt ihre Musikschule in die freie Trägerschaft eines Vereins – eine heftige Zäsur. „Das sorgte damals bundesweit für Aufsehen, wir hatten viele Besucher hier“, erinnert sich Hans Clausen, Vorsitzender des Trägervereins und seit Jahrzehnten Begleiter und Unterstützer. Für Clausen und Gabriel Koeppen, Leiter der Musikschule, stehen der Einrichtung jetzt vergleichbare Veränderungen ins Haus. „Wir haben ein neues pädagogisches Konzept, das wiederum 20 Jahre gelten soll“, so Koeppen.

Alles sind betroffen: die Schüler, die Eltern, die Dozenten. Die Musikschule will nach den Sommerferien 16 Musiklehrer fest einstellen, die meisten von ihnen in Vollzeit. Nach der Privatisierung vor 20 Jahren seien die meisten der festen Stellen ausgelaufen; derzeit gebe es nur noch elf fest Angestellte. Dazu kämen 60 bis 70 Honorarkräfte mit unterschiedlich vielen Stunden.

Doch mit diesem Personaltableau seien die neuen Aufgaben nicht zu bewältigen, so Koeppen. Die meisten der 16 neuen Stellen habe man mit eigenen Honorarkräften besetzen können; im Gegenzug werde man sich von einer Reihe bisheriger Dozenten trennen müssen. In Zukunft werde es mehr Teamarbeit, mehr Besprechungen und Konferenzen geben; außerdem müsse man für die künftigen Aufgaben verlässliche Lehrerstunden haben und notfalls auch Kollegen mal anweisen, einen bestimmte Aufgabe zu übernehmen. Das gehe nur mit Festangestellten.

Was die Musikschule plant, ist ein Paradigmenwechsel. Natürlich werde es nach wie vor die Ausbildung hoch talentierter junger Musiker geben, hin zu wichtigen Wettbewerben oder zur Aufnahmeprüfung an Hochschulen. Doch insgesamt, so Gabriel Koeppen, werde man sich breiter aufstellen und Angebote für Menschen machen, die bisher noch nicht in der Musikschule waren: mehr Gruppenunterricht, Orientierungskurse für Einsteiger, mehr Ensemblespiel als bisher, und zwar als Angebot grundsätzlich für alle Schüler spätestens nach einem Jahr Ausbildung am Instrument, Unterrichtspakete für die Grundschulen mit Gruppenangeboten für diverse Instrumente zu günstigen Konditionen. „Das funktioniert in der Grundschule Engelsby schon sehr gut“, berichtet Koeppen.

Doch es soll auch Trommelkurse, gemeinsamen Singen, Musiktheater, Tanz, Bewegung nach Musik und weitere niederschwellige Angebote geben. „Wir richten uns an alle Altersgruppen und Personen aller Leistungsstufen. Jeder kann zu uns kommen.“ Ganz wichtig: Es muss und wird Kurse zu geringen Kosten geben. „Die Musikschule für alle war schon immer unser Bestreben“, betont Hans Clausen.

Vor allem der geplante Ausbau des Gruppenunterrichts werde für einige Dozenten eine Umstellung bedeuten; man bereits Fortbildungen hierzu veranstaltet. Er wisse, dass sich einige Dozenten schwer tun mit dem Gruppenunterricht.

Das neue Konzept bedeutet mehr Personalaufwand, höhere Kosten – und damit eine Gebührenerhöhung in einigen Bereichen. Wer Gruppenunterricht macht, zahlt künftig 45 Euro pro Monat. Für zehn Euro im Monat kann man im Chor singen: „Hierfür kann auch der Bildungsgutschein verwendet werden“, so Koeppen. Auf der anderen Seite erhöht sich die Stunde Einzeluntericht am Klavier von 79 auf 95 Euro. „Wir haben stundenlang hin und her gerechnet und sind am Ende auf dieses Modell gekommen. Wir haben auf Nachbarschulen geschaut, da stehen wir noch gut da.“ Man habe Eltern und natürlich auch alle Dozenten informiert.

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erstellt am 26.Mai.2014 | 07:50 Uhr

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