Museumsberg wieder komplett

Prachtvoll gewandet und mit viel Eleganz gaben diese Herrschaften sehenswerte Kostproben von Gesellschaftstänzen in der Rokoko-Zeit. Foto: Marcus Dewanger
Prachtvoll gewandet und mit viel Eleganz gaben diese Herrschaften sehenswerte Kostproben von Gesellschaftstänzen in der Rokoko-Zeit. Foto: Marcus Dewanger

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26. März 2012, 03:59 Uhr

Flensburg | Als es aus den Steckdosen qualmte, reichte es der Bauaufsicht. "Die Stromleitungen von 1903 waren den Ansprüchen des 21. Jahrhunderts nicht mehr gewachsen", sagte Museumsdirektor Michael Fuhr. Ende 2009 wurde das Sauermann-Haus geschlossen, jetzt feierte es die strahlende Neueröffnung. Damit ist die Flensburger Museumslandschaft wieder komplett.

Es war ein Kommen und Gehen im Heinrich-Sauermann-Haus auf dem Museumsberg am Wochenende. Wer die Gelegenheit zum kostenfreien Eintritt nutzte, sah nicht nur die vollkommen neu aufgebaute Dauer-Ausstellung, sondern erlebte ein äußerst unterhaltsames Rahmenprogramm. Im Halbstundentakt gab es Führungen durch das in neuer Farbenpracht auferstandene Haus. Museumsdirektor Michael Fuhr machte eine gute Figur in Frack und Zylinder; alles laufe nach Plan, gab er zu Protokoll. Am Sonnabend habe man knapp 1000 Gäste gezählt, gestern seien es jedoch deutlich mehr gewesen. Dabei dürfte das tolle Frühlingswetter einige potenzielle Besucher von einem Gang auf den Museumsberg abgehalten haben.

Verschwunden ist alles aus der Ur- und Frühgeschichte, neu dazu gekommen hingegen eine kleine, aber feine stadtgeschichtliche Abteilung, beeindruckend das Vorhängeschloss des Nordertors, das blank polierte Richtschwert. Eine Zeitleiste, die einmal um den ganzen Raum führt, beginnt mit den ersten Siedlungen und endet mit dem ersten Titel der SG Flensburg-Handewitt. "So etwas fehlte in Flensburg", kommentierte ein Besucher.

Im neuen Museum darf alles angefasst werden, was nicht hinter Glas ist. Besonders lichtempfindliche Schriftstücke und Kunstwerke liegen in Schubladen, die der Besucher öffnen und nach dem Betrachten wieder schließen kann. Kinder können in ihrer eigenen Abteilung erleben, wie eine Dorfschule vor über 100 Jahren aussah und auf alten Bänken Platz nehmen. Sie können mit Griffel schreiben und Sütterlin lernen, während ihre Väter gebannt die alte Flensburg-Karte von 1912, die an dem antiken Kartenständer hängt, studieren.

Die Bauernstuben haben jetzt alle Tageslicht, zum Teil echtes, zum Teil imitiertes. Aus der früheren Bibliothek haben Fuhr und sein Team eine blau leuchtende Schatzkammer gemacht. In edlen und gesicherten Vitrinen werden hier quasi die "Kronjuwelen" des Museumsbergs präsentiert, zum Beispiel eine Marienkrone eines Augsburger Goldschmieds aus dem 18. Jahrhundert. Der Balkon ist Porzellan und Fayencen vorbehalten. "Alles ist fertig geworden", freut sich Museumsleiter Michael Fuhr, auch die neuen Computerterminals in jedem Raum. Was fehlt, sind die Beschriftungen der Vitrinen.

3,2 Millionen haben die energetische Sanierung, die sicherheitstechnische Erneuerung und der Neuaufbau der Ausstellung gekostet. "Gut angelegtes Geld", versicherte Bürgermeister und Kämmerer Henning Brüggemann, der ganz privat und mit Familie das Museumsfest besuchte. Heute nun kann das Museumsteam am Museumsmontag etwas verschnaufen; ab morgen ist es wieder an sechs Tagen pro Woche von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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