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Flensburger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 17:18 Uhr

Gastronomie : Museum mit eingebautem Italiener

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am Industriehafen verfolgt Oliver Berking ehrgeizige Pläne: Neubau für europaweit einzigartiges Zentrum für Yachtgeschichte geplant

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2014 | 08:00 Uhr

In der Welt des Maritimen hat die Bordküche seit jeher eine Sonderstellung. Taugt der Schiffskoch nichts, kann jede Reise jeden Reiz verlieren. Am Industriehafen schickt sich das sehr maritime Unternehmen der Robbe & Berking-Yachtwerft an, das Spektrum des Handwerksbetriebs beträchtlich zu erweitern. Werft-Chef Oliver Berking plant in einem Neubau ein Zentrum für Yachtsportgeschichte einzurichten. Und die erste wichtige Entscheidung betrifft die Kombüse: Bis Ende dieses Monats werden Julia Gronau und Ehemann Daniele Ianniciello die feine Küche des Ristorante Italia von Solitüde ins Industriegebiet verpflanzen.

Am 16. Oktober 1986 hatte Ianniciellos Vater das beliebte Lokal in der Meeres-Villa eröffnet. Nach einer drastischen Pachterhöhung ging diese Episode allerdings gestern zu Ende. Das Gastronomenpaar wagt jetzt in zweiter Generation den Sprung ins kalte Wasser. In den nächsten Tagen zieht die Werft aus ihrem alten Verwaltungsgebäude in zwei Container um und das neue „Ristorante Italia“ ein. „Das Gebäude wird bis auf einen Tresen Gastraum mit etwa 80 Plätzen sein“, sagt Ianniciello. Die Küche kommt im Container unter und wird an das Gebäude angebaut. „Wir ziehen mit der gesamten Mannschaft um“, kündigt Julia Ianniciello an. „Das wird eine spannende Sache, hier im Industriegebiet.“

Die beiden Gastronomen würden die Geschäftsverlagerung sicher nicht so entspannt ankündigen, stünde auf dem Werftgrundstück nicht noch ein großer Plan im Hintergrund. Den verfolgt Oliver Berking bereits, seit er 2008 die Werft für klassische Yachten gründete. Und seit er 2012 in den Besitz der mit 8500 Büchern weltweit wohl größten und vielleicht auch bedeutendsten Sammlung von Yachtliteratur, der Wiesbadener Christmann-Sammlung, gelangte, drehen sich die Räder noch ein bisschen schneller. „Flensburg hat einen sehr, sehr guten Ruf als Heimat traditioneller Segelfahrzeuge. Und wir haben mit unserer Werft und den Veranstaltungen für klassische Yachten in den letzten 20 Jahren eine Menge dazu beigetragen“, sagt Berking.

Jetzt ist er bereit für den nächsten Schritt. „Wir wollen hier für Yachtsport-Enthusiasten einen Magneten schaffen, für den es in Europa kein Vorbild gibt, sondern nur noch an der amerikanischen Ostküste mit ihrer reichen Segeltradition.“ Basis dieses Museums wird ganz wesentlich die Christmann-Sammlung sein, die Werft kann mittlerweile aber auch eine ganze Menge eigener Exponate beisteuern, und der Museumsdirektor in spe hat hervorragende Kontakte in aller (Yacht-)Welt aufgebaut. Zum Beispiel zum Herreshoff-Museum (America’s Cup Hall of Fame) in Rhode Island, das schon eine Exklusivausstellung in Flensburg in Aussicht gestellt hat.

Auf einer Grundfläche von 1000 Quadratmetern will der Unternehmer wandernden und festen Exponaten ein Museum bauen. Und zwar eines, das sich selbst finanziert. Die für das erste Geschoss vorgesehene Gastronomie mit Sonnenterrasse (und Silberbestecken aus Flensburger Produktion) ist ein Gesichtspunkt. Berking führt aber noch weitere Gespräche, von deren Ergebnis die endgültige Ausgestaltung der neuen Halle abhängt. Im Erdgeschoss ist sie Museum, Schmöker-Ecke, Shop, Arbeitsplatz, – ergänzt durch Vitrinen und maritime Artefakte bis hin zur voll aufgeriggten Segelyacht im nach oben offenen Mittelteil des Gebäudes. Unterm Dach befinden sich das Museumsrestaurant und die Werftverwaltung. Es gibt sogar Überlegungen, das Yachtmuseum über die Hafenfähre mit dem gegenüber liegenden Schifffahrtsmuseum zu verbinden – aber das alles wird Oliver Berking erst bewerten können, wenn seine Kalkulationsgrundlage steht und die Politik zugestimmt hat. Geht alles glatt, soll das Haus der Yachtsportgeschichte 2016 fertig sein.

 

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