Murmelnder Bach im Bahntunnel

Freut sich über die gelungene Sanierung: Grünplaner Hans-Herbert Toelke im Portal der einstigen Eisenbahnlinie Flensburg-Kiel. Foto: Dewanger
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Freut sich über die gelungene Sanierung: Grünplaner Hans-Herbert Toelke im Portal der einstigen Eisenbahnlinie Flensburg-Kiel. Foto: Dewanger

Sanierung machte das Lautrupsbachtal zur grünen Oase mitten in der Stadt / Portal der Bismarckbrücke erinnert an ehemalige Bahnstrecken

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17. Juli 2013, 03:59 Uhr

Flensburg | Als Stadt mit Hafen, Brunnen und Bächen ist das Element Wasser in Flensburg seit jeher präsent. In der Sommerserie nähert sich die Stadtredaktion dem Wasser aus unterschiedlichen Perspektiven zu unterschiedlichen Zeiten - einmal rund um die Uhr. Heute: Spaziergang am Lautrupbach.

Eigentlich gehört zu der Idylle noch eine Bank für Spaziergänger. Unterhalb der Straße Mühlenholz, erste Einfahrt nach der Einmündung Bismarckbrücke, den steilen Wirtschaftsweg hinunter ins Tal, direkt am Bach, bei dem kleinen Wehr. Hier rauscht der Bach über die Stufe, hier murmelt und gluckst er. Links fällt der Blick auf die sonst überflutete, jetzt trocken gefallene Aufstaufläche. Wenn da mal nicht Horden von Mücken auf ihre Opfer lauern! Rechts dagegen türmt sich das Blätter-Gebirge ungestört wachsender Büsche und Bäume. Ein paar Schritte weiter bachabwärts ragt graues Beton aus dem Grün.

Das war in den 1980-er Jahren der Dreh- und Angelpunkt des Sanierungsprojektes Lautrupbachtal. Dieser kurze Beton-Tunnel ist auch ein Stück Eisenbahn-Archäologie, denn in dieser Ecke rollte einst der Verkehr in alle Richtungen. Der von Adelby kommende Bach, ohne störende Hügel, bot einst die benötigte, flache Trasse für die 1881 eröffnete Bahn Kiel-Eckernförde-Flensburg. Und weil der Platz noch reichte, wurde daneben (auf der Trasse der heutigen Nordstraße) 1885 die Kleinbahn Flensburg-Kappeln angelegt. Zwischen den Jahren 1925 und 1934 bog die Flensburger Straßenbahn von der Bismarckbrücke in die Straße Mühlenholz ein, um hinter dem Sportplatz der heutigen Schule Fruerlund in die Kleinbahn eingefädelt zu werden und bis Glücksburg modernen Nahverkehr zu bieten. Das stille Bachtal war also eine dicht befahrene Verkehrsader, der Spazierweg am Bach durch das Portal ist schlicht und einfach die Trasse der Kieler Eisenbahn. Überall im Gelände sind noch eigenartige Steinkonstruktionen zu finden, gesetzt scheinbar ohne Sinn - Widerlager und Pfeilerfundamente für die Verkehrstrassen. Der größte Bau ist im Sommer so überwuchert, dass er kaum zu erkennen ist: das aus gelbem Klinker, in Bögen gemauerte Viadukt der alten Bachstraße, die die Verbindung von Jürgensby nach Fruerlund und Mürwik herstellte. 1912, als die Kaiser-Wilhelm-Straße (heute Mürwiker Straße) mit Brücke freigegeben wurde, war die Bachstraße überflüssig geworden.

Zum Spaziergang kurz vor 22 Uhr gebeten ist Hans-Herbert Toelke. Der Flensburger Grünplaner hat Mitte der 80er Jahre die Freilegung des Bachtales erdacht und umgesetzt. Noch heute gerät er ins Schwärmen, wenn er die Ergebnisse im Gelände sieht, freut sich über eine gelungene Arbeit, strahlt über das ganze Gesicht.

"Das Portal hält ewig", ist sich Toelke sicher. Mit Fachleuten hat er damals das Betonbauwerk untersucht, Ausbesserungen vorgenommen und mit Stützmauern die Erde drumherum stabilisiert. Der Grünplaner lobt die Weitsicht der damals Verantwortlichen im Rathaus, die dieses Projekt unterstützt haben und auf die Widerstände - "Was soll das denn?!"- nicht weiter eingegangen sind. Der Lohn dafür ist ein perfekter Spazierweg vom Stadtrand bis an den Hafen, eine ursprüngliche Zone mitten im Stadtgebiet, wie man sie sonst mit der Lupe suchen müsste.

Zügig wird es dunkel unten am Bach, der Rückweg führt wieder über Mühlenholz. Das Murmeln des Baches bleibt im Ohr. Wie sagte Toelke noch: "Hier kann der Stadtmensch gut runter kommen."

Nächste Folge: 23 Uhr, "Abendlicher Segeltörn"

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