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Dampf Rundum Flensburg 2017 : „MS Sandnes“ – Hurtige Fördefahrt mit purem Luxus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das norwegische Museumsschiff aus der legendären Hurtigrouten-Zeit kommt zum Dampf Rundum nach Flensburg.

Flensburg | Eines kann die Sandnes nicht bieten: Dampf. Keinen Dampfkessel, keine Mannschaft, die tonnenweise Kohle in die Feuerlöcher der Kessel schaufelt, keine Rußwolken, die sich über das Wasser der Förde wälzen. Alles Diesel. Und trotzdem kommt das norwegische Motorschiff zum Dampf Rundum vom 7. bis 9. Juli nach Flensburg – Symbol für noblen Reisens auf einsamen Kursen, das in Europa erst Jahrzehnte später mit den Edel-Kreuzfahrern aufkam.

Die MS Sandnes wurde 1950 in Dienst gestellt. In Modernität, Linienführung und Ausstattung war sie ihrer Zeit weit voraus und Vorbild für viele Neubauten der berühmten Hurtigrouten. 68m lang und 11m breit, erreicht die Sandnes dank der 1600 PS starken Maschine bis zu 16 Knoten Geschwindigkeit.

In Norwegen wurde die Sandnes einstauf der Nachtroute eingesetzt, seinerzeit die schnellste Verbindung, von Sandnes/Stavanger, nach Haugesund und Bergen. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es weder Hurtigboote, Bahnverkehr oder Fluglinien, die zu den Schiffen in Konkurrenz standen – nur den elend langen Weg „Rogaland“ entlang der Küste mit 38 Stunden Reisezeit oder eben die schnellere Nachtroute auf dem Seeweg.

Da die Verbindung für die Regionen Norwegens so wichtig war, lieferten sich die Reedereien Det Stavangerske Dampskibsselskab (DSD) und Sandnæs Dampskibs-Aktieselskab (SDA) im sogenannten „Nachtrouten-Kieg“ harte Auseinandersetzungen und regelrechte Rennen. Um diesen Wettbewerb um die Reisenden zu gewinnen, wurde der Bau modernster Linienschiffe in Auftrag gegeben. Die Schiffe beider Reedereien fuhren gleichzeitig aus demselben Hafen und fuhren die Route parallel. Um den Passagieren zu zeigen, wer der Schnellere war, verschwendeten die Mannschaften keinen Gedanken an sparsames Fahren: Tonnenweise fraßen die damaligen Dampfer die Kohle und jagten die Kosten mit den Abgasfahnen in den Himmel.

Nach Ende des Krieges waren die Schiffe abgewirtschaftet. Beide Redereien belauerten sich, bevor sie Neubauten in Auftrag gaben. Nicht nur die Technik – nun mit Dieselantrieb –, auch die Ausstattung sollte perfekt sein: Spiegel und Paneele, Lichtarmaturen, Kunst zur Ausstattung der Innenräume. Die für SDA-gebaute Sandnes, die nach Flensburg kommt, war damals die Schönste. Die Konkurrenz-Reederei erkannte, dass sie dieses Schiff nicht überbieten konnte, gab sich geschlagen, baute ein Kriegschiff zum Postschiff um und fusionierte.

1974 war Schluss. Schnellere Reisemöglichkeiten und modernere Lademöglichkeiten gaben der Sandnes auf ihrer alten Route den Todesstoß. Sie diente danach zeitweise als Wohnschiff beim Bau von Bohrplattformen, später als Schulschiff. Seit 2007 fährt sie wieder unter dem Namen MS Sandnes. Heimathafen ist Stavanger.
Die „Sandnes“ hat es allen vorgemacht – und ist als schwimmendes Weltkulturerbe ausgezeichnet worden. Mit ihren eleganten Linien und dem markanten grün-grauen Anstrich wird sie beim Technik-Event ein Hingucker sein – auch, weil sie das größte Schiff der musealen Flotte ist. Den von Teakholz geprägten Luxus in ihren Salons und das mit Teak-Planken ausgelegte Deck genießen Schiffs-Liebhaber am besten beim Dampferrennen, die Karten sind dafür erhältlich.
Ursprünglich für 550 Passagiere gebaut, können heute 180 Gäste an Bord dieses noblen historischen Kreuzfahrtschiffes den Flair einer vergangenen Epoche genießen.

Weitere Informationen: www.flensburger-dampfrundum.com


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erstellt am 16.Mai.2017 | 07:32 Uhr

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