Flensburger Schifffahrt : MS Jürgensby: Comeback für einen Butterdampfer

Bootsmann Rainer Lischewsy und Kapitän Hans-Peter Ketelsen (v.l.) bieten das Passagierschiff zunächst für Chartertouren an – Liniendienst nicht ausgeschlossen.
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Bootsmann Rainer Lischewsy und Kapitän Hans-Peter Ketelsen (v.l.) bieten das Passagierschiff „MS Jürgensby“ zunächst für Chartertouren an – Liniendienst nicht ausgeschlossen.

Nach kapitalem Maschinenschaden: Flensburgs Duty-Free-Klassiker „MS Jürgensby“ sticht wieder in See.

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30. Juni 2014, 07:28 Uhr

Flensburg | Er will es noch einmal wissen. Drei Jahre lang war die „Jürgensby“ an die Schiffbrückenpier gekettet. Maschinenschaden. Der fast 50 Jahre alte Mini-Liner aus der großen Flensburger Butterdampfer-Zeit drohte für Käpt’n Hans-Peter Ketelsen zum Fass ohne Boden zu werden. Jetzt kann Ketelsen wieder durchatmen. Die „Jürgensby“ ist repariert und klar zum Auslaufen. Ab 1. Juli ist sie wieder im Einsatz.

Als der betagte MAN-Diesel auf der Rückfahrt von den Ochseninseln seinen Geist aufgab, war das für den Eigner zunächst einmal ein wirtschaftlicher Schlag ins Kontor – und der Beginn einer Expedition in die Technik-Vergangenheit des Schiffs. „Vom Hersteller gab es keine Ersatzteile mehr“, sagt Ketelsen. „Das war eine echt mühselige Suche. Und wir mussten die Maschine von Grund auf neu aufbauen.“ Eine kostspielige Angelegenheit, die noch teurer wurde, weil Ketelsen alle Charterbuchungen des Jahres 2011 rückabwickeln musste. „Das hat uns mitten in der Saison schwer erwischt. Wenn du die Leute einmal enttäuscht hast, dann kommen die meistens nicht wieder.“ Während der harten Zeit der Reparatur – Ketelsen sucht zwischen Polen und Holland nach guten gebrauchten Ersatzteilen – musste die deutlich kleinere „Möwe“ den Familienbetrieb mit dem Riesenklotz am Bein über Wasser halten. „Die Fixkosten für das große Schiff liefen ja weiter. Von den Material- und Reparaturkosten gar nicht zu reden.“ Jetzt, hofft Ketelsen, kann die „Jürgensby“ etwas zurückgeben.

Eine Zeit lang versuchte er das 35 Meter lange Fährschiff (Baujahr 1966) zu verkaufen. „Wir hatten etliche Interessenten – aber die Banken sind knausrig mit Schiffsfinanzierungen.“ Und wenn schon keine Bewegung auf dem Schiffsmarkt zu erkennen ist, will er wenigstens das Schiff in Bewegung bringen. Die „Jürgensby“ soll wieder fahren.

Ab 1. Juli steht sie zunächst für Charter-Touren zur Verfügung. Sollte das Geschäft anlaufen, will Ketelsen die „Jürgensby“ auch wieder im regelmäßigen Fahrplan einsetzen. Der führte bis zum Maschinenausfall zuletzt im Rahmen einer anderthalbstündigen Tour rund um die Ochseninseln. „Das kommt jetzt auf die Flensburger an. Nehmen sie die Jürgensby wieder an, kann sie noch lange auf der Förde fahren. Und ich finde – sie gehört auch hierher“, sagt ihr Käpt’n.

Den Liniendienst sieht Ketelsen nach den enttäuschenden Erfahrungen der Anfangszeit in einem sehr begrenzten Bereich als wirtschaftlich machbar an. Als die „Jürgensby“ (sie fuhr für die Förde Reederei 30 Jahre lang im Duty-Free-Verkehr) vor vier Jahren aus Eckernförde zurück nach Flensburg kam, hatte Ketelsen noch große Rosinen im Kopf. Er wollte mit dem für internationale Fahrt zertifizierten Passagierschiff die Route Flensburg–Kollund-Gravenstein wiederaufleben lassen und auch Sondertouren nach Sonderburg anbieten – scheiterte jedoch wie so viele vor ihm an den unnachgiebigen Beamten des dänischen Seefahrtsamtes. „Da war nichts zu machen.“ Eine Zeitlang versuchte Ketelsen die Linie Flensburg-Langballigau zu bedienen, aber auch hier bezahlte er Lehrgeld, indem er überwiegend leer fuhr. „Das Publikum will keine langen Touren.“ Und so wird Ketelsen das teure Fördeschiff jetzt erst einmal sehr vorsichtig in den Markt bringen – zu familären Preisen, verspricht er.

Näheres auf der Internetseite der Fahrgastschiffe Flensburg.

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