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Wünsche : Morsezeichen aus dem nächtlichen Rathaus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Christiane Limper startet interaktives Kunst-Projekt und bezieht im 11. Stock das Büro für Freiraum

shz.de von
erstellt am 29.Jan.2014 | 08:48 Uhr

„Wir wurden von einem Bürger angerufen“, sagte der Polizist zum Pförtner, „angeblich funkt das Rathaus SOS.“ Der besorgte und aufmerksame Bürger hatte beobachtet, das in den Fenstern des Rathauses das Licht in bestimmten Rhythmen an und aus ging – Morsezeichen! Vielleicht ein Kidnapping? Eine Geiselnahme? Der Pförtner gab Entwarnung: Es war nur ein Testlauf für ein Kunstprojekt, das Freitag beginnt.

Szenenwechsel. 11. Obergeschoss, Raum 1116. Christiane Limper klemmt das neue Türschild in die Halterung: Büro für Freiraum, Fachbereich Wünsche steht da, es folgen die fachbereichsleitung (Limper) und die Öffnungszeiten. Nanu? Noch ein Idee des kulturaffinen Oberbürgermeisters? Nach dem Fachbereich Entwicklung und Innovation jetzt ein eigener Fachbereich für die Wünsche der Bevölkerung?

Ja – aber nur für zwei Wochen. So lange dauert Christiane Limpers Kunstprojekt, das sich an die Mitarbeiter des Rathauses, aber darüber hinaus an alle Flensburger richtet. Die dürfen sich in dieser Zeit Wünsche überlegen und sie im Büro für Freiraum abgeben. Im Gegenzug erhalten sie ein offizielles Formular der Stadt Flensburg, Büro für Freiraum, Fachbereich Wünsche, quasi als Quittung.

Aber welcher Freiraum ist gemeint? „Nach der Hofkultur im vergangenen Sommer hatte ich etwas Freiraum“, berichtet Mareike Hölker vom Kulturbüro. „Da kam mir die Idee eines Kunstprojektes im Rathaus.“ Damit stieß sie bei Kulturchef Torge Korff auf offene Ohren, und Christiane Limper, die am Hafermarkt wohnt und von ihrem Balkon das Rathaus sehen kann, war gleich begeistert. „Wir wollen den Mitarbeitern gedankliche Freiräume bieten in einer Zeit, in der normalerweise sehr viel Druck herrscht.“

Die 37-jährige Künstlerin hat sich auf die Entwicklung interaktiver oder partizipatorischer Kunstprojekte spezialisiert. Das Publikum schaut nicht nur zu, sondern macht mit und wird Teil der Kunst. Sie hat an der Kunstakademie Düsseldorf studiert, war Meisterschülerin in der freien Grafik und schaut auf mehrere Ausstellungen im In- und Ausland zurück.

Am 7. Februar wird Oberbürgermeister Simon Faber die Ausstellungsphase des Projekts eröffnen. Die eingegangenen Wünsche werden dann auf einer Folie in den Regenbogenfarben im südlichen Treppenhaus des Rathauses gezeigt und abends als Morsebotschaft über die Lichtanlage des Rathauses in die Stadt hinaus gesendet. Dieses Schauspiel wiederholt sich vom 10. bis 14. Februar jeden Abend um 21 Uhr.

Gefreut hat sich nicht zuletzt Michael Schulz, der Hausmeister. Seit dem Rathaus-Umbau 1997 gibt es die zentral steuerbare Lichttechnik – und jetzt darf sie endlich zeigen, was sie kann!


> Büro für Freiraum: Rathaus,

R 1116, mo, mi, fr 10 - 13 Uhr,

di,do 15 - 18 Uhr

 

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