Teure Rechnung : Morscher Hafen- „Krahn“ braucht ganz viel Geld

Zahn der Zeit: Die Hauptstreben des Krans sind von Fäule zerfressen: Sabine Große-Aust und Martin Schulz müssen die teure Sanierung finanziell stemmen.
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Zahn der Zeit: Die Hauptstreben des Krans sind von Fäule zerfressen: Sabine Große-Aust und Martin Schulz müssen die teure Sanierung finanziell stemmen.

Museumshafen muss den Kran zum Herbst abbauen / 30 000 Euro werden für die Sanierung benötigt - eine Kunstaktion bis Sonntag soll helfen

shz.de von
08. Juli 2015, 09:45 Uhr

Er ist ein treuer und ein teurer Kostgänger: Seit 1991 ragt am nördlichen Ende des Bohlwerks der Nachbau des historischen Flensburger Hafenkrahns von 1726 in den Flensburger Himmel. Seither hat sich der Museumshafen Flensburg, der das Objekt dank einer großzügigen Danfoss-Spende bauen konnte, redlich an seinem Wahrzeichen abgearbeitet. Regelmäßig mussten vergammelte Konstruktionsbestandteile ausgetauscht werden – jetzt aber droht eine Grundsanierung. Kostenpunkt 30 000 Euro.

Sabine Große-Aust ist seit dem 19. Juni neue Vorsitzende des Museumshafen-Vereins – und Optimistin. „Ein bisschen was haben wir ja schon“, sagt sie. Auch wenn die fällige Kransanierung ein tiefes Loch in die Kasse zu reißen droht, gibt sich die Vorsitzende zuversichtlich. Zuversichtlich stimmt sie nämlich die Resonanz, die sie und Martin Schulz als Geschäftsführer des Museumshafen-Vereins mit ihrer Aktion „Kunst für Krahn“ erhielten. In dieser Woche sind Künstler für den Museumshafen aktiv, bei denen man einen maritimen Bezug nicht von vornherein vermuten würde: Klassisch geschulte Sänger zum Beispiel, das Top-40-Duo „Sim Special“, der Gitarrist Yalim Can oder der Buchhändler Ulf Hansen, der am Donnerstag (17 Uhr) aus „Wir Ertrunkenen“ liest. Das ist eine bunte und überkomplette Besatzung mit wohlmeinenden Flensburger Unternehmen im Hintergrund, die auf einer Bühne unter dem morschen Kran unentgeltlich für das markante Konstrukt tätig ist. Große-Aust und Schulz wissen: Diese einwöchige Aktion wird nicht reichen. Aber sie sind entschlossen, die Aktion als gelungenen Auftakt zu bewerten – und weiterzumachen. „Wir haben Flensburger Rum und Bier unentgeltlich für den Ausschank bekommen“, freut sie sich. „Da sind ganz neue Bezugsgruppen zum Museumshafen gestoßen.“ Beide überlegen gegenwärtig, ob ein „Krahnfest“ nicht zur festen Einrichtung des maritimen Programms im Museumshafen werden könnte.

Der Kran hätte es bitter nötig. Schon 2008 sollte das Objekt eigentlich grundsaniert werden. Doch es gelang nicht, die 30 000 Euro zusammen zu bekommen, räumt Martin Schulz ein. Damals half noch ausbessern. 2015 aber wird das nicht reichen. „Das Problem ist, das die Hauptstreben betroffen sind. Der ganz Kran muss abgebaut und erneuert werden. Das ist einiger Aufwand.“

Zum Herbst wird das markante Erkennungszeichen des Museumshafens also abgebaut und ein gelagert werden. Schulz und Große-Aust können nur hoffen, dass sie das Thema am Köcheln halten können. „Sicher“, sagt Schulz. „Es gibt eine gewisse Gefahr, dass der Kran, wenn er erst einmal nicht mehr sichtbar ist, in Vergessenheit gerät. Viel Zeit bleibt uns nicht.“ In dieser Situation ist es gut zu wissen, dass alle Akteure und Gesellschafter des Historischen Hafens – Sammlung Klassische Yachten, Salondampfer Alexandra, Schifffahrtsmuseum, Förderverein Gesine – den Museumshafen mit einem einstimmigen Votum unterstützen. „Der historische Krahn wird wieder aufgebaut werden“, kündigen beide an. Schulz hat eine gründliche Sanierung ins Auge gefasst. Angedacht sei, den Kran danach in die Obhut des Historischen Hafens zu geben.

Die Aktion „Kunst für Krahn“ läuft noch bis zum Sonntag. Heute von 15 bis 16 Uhr liest Hilke Rudolph Gerti Molzen (Petuhfahrt nach Glücksburg), ab 18 Uhr präsentiert der Schwedenchor nordisches Liedgut, zwischendrin gibt es Kaffee und Kuchen.

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