Getötete Pattburgerin Kamilla Hantusch : Mordprozess vertagt, Dolmetscher versteht Angeklagten nicht

Ermittler in Schutzanzügen untersuchten den Fundort der Leiche und durchkämmten auch das anliegende Waldstück.
Ermittler in Schutzanzügen untersuchten den Fundort der Leiche und durchkämmten auch das anliegende Waldstück.

War es Mord oder Totschlag? Der Ex-Freund der nördlich von Flensburg getöteten Dänin Kamilla Hantusch steht seit Mittwoch vor Gericht. Der erste Prozesstag fand ein ungewöhnliches Ende.

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24. Juni 2015, 15:03 Uhr

Sonderburg/Pattburg | Am Mittwochmorgen begann am Sonderburger Gericht der Prozess gegen den 25-jährigen Mann, der im Juli letzten Jahres seine Ex-Freundin Kamilla Hantusch (22) aus Pattburg getötet haben soll. Der erste Verhandlungstag sollte ein unverhofftes Ende finden.

Die Zuschauerplätze im Schwurgerichtssaal in Sonderburg waren gefüllt – vor allem Familienangehörige und Pressevertreter wohnten dem ersten Verhandlungstag bei. Die Anklage lautet auf Mord.Der sichlich nervöse Angeklagte afghanischer Herkunft, der kaum Dänisch spricht, war angesichts der Atmosphäre anfangs zu keiner Aussage in der Lage. Deshalb durfte zunächst die Zwillingsschwester des Opfers sprechen. Sie beschrieb den Angeklagten und seine Beziehung zu ihrer Schwester als „seltsam“. Er habe sich stets von Familienfeiern ferngehalten und sei von dieser auch nie akzeptiert worden.

Im Mai hatte Kamilla dann endgültig die Beziehung beendet. Mit Geschenken und Versprechungen hätte er versucht, seine Ex-Freundin zurück zu gewinnen. Der Mutter versprach er ein Auto, falls sie ihre Tochter wieder zu ihn zurückbringen würde. Zeugin von Handgreiflichkeiten zwischen den beiden sei sie nie geworden, allerdings habe sich sein Verhalten in den Wochen vor der Tat verändert, sagte die Schwester. Er sei noch eifersüchtiger als ohnehin schon gewesen und hätte Kamilla extrem häufig angerufen. Zunehmend habe er sie auch verfolgt.

Nach der Aussage des Beschuldigten sollte der heutige Prozesstag eigentlich beendet werden. Während der Anhörung stellte sich jedoch heraus, dass der einberufene Dolmetscher nur Farsi korrekt übersetzen kann. Das ist ausgerecht die falsche der zwei afghanischen Dialektsprachen; die Muttersprache des Angeklagten ist Paschtu. Die Übersetzungsschwierigkeiten führten sogar dahin, dass der Angeklagte dem Dolmetscher das Mikrofon entriss, weil er sich in seinen Antworten missverstanden fühlte. Die Verhandlung wurde abgebrochen. Bis morgen soll ein neuer Dolmetscher verpflichtet werden, der die Sprache des Geständigen beherrscht.

Der Prozess läuft vor einem Geschworenengericht, das sich aus drei Richtern und sechs Geschworenen zusammensetzt. Der mutmaßliche Täter sitzt seit Juli 2014 in Untersuchungshaft. Er gibt zu, Kamilla Hantusch getötet zu haben. Nun soll im Rahmen des Schwurgerichtsverfahrens die Vorsatzfrage geklärt werden. Sollte das Gericht den 25-Jährigen des Mordes für schuldig sprechen, wird für Donnerstag nächster Woche mit einem Urteil gerechnet. Ihm drohen dann zwölf Jahre Gefängnis. Der Anwalt der Familie des Opfers hat darüberhinaus hohe Schadensersatzansprüche geltend gemacht.

Die junge Frau wurde im Sommer 2014 zwölf Tage lang vermisst, nachdem sie sich zu Fuß auf den Rückweg von einer Party bei Bekannten gemacht hatte. Hantuschs Leiche wurde nach einer intensiven Suchaktion am 31. Juli 2014 nördlich von Flensburg an der Autobahnausfahrt 23 bei Klipleff in einem Gebüsch gefunden. Medienberichten zufolge ist der Angeklagte der Vater der sechsjährigen Tochter der Getöteten.

Morgen werden die Mutter von Kamilla, ein Bekannter des Angeklagten und der Bruder des Angeklagten befragt. Darüber hinaus werden die Beweise gegen den Angeklagten vorgelegt.

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