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Verbrechen vor 34 Jahren : Mordfall Erna Ganz: 52-Jähriger wegen Mordes angeklagt

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Der Familienvater soll für den gewaltsamen Tod der Schleswigerin vor 34 Jahren verantwortlich sein.

Flensburg | Gut 34 Jahre nach dem gewaltsamen Tod der Schleswigerin Erna Ganz hat die Staatsanwaltschaft Flensburg einen 52 Jahre alten Mann wegen Mordes angeklagt. Die Behörde wirft dem Familienvater aus Ostholstein vor, im Juni 1982 in der Wohnung der damals 73 Jahre alte Frau Diebesgut gesucht zu haben. Dabei sei er von ihr überrascht worden und habe sie erstickt. „Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Mordmerkmale der Habgier und der Verdeckung einer anderen Straftat gegeben sind“, teilte eine Sprecherin am Mittwoch mit.

Ermittler waren dem Mann im Sommer durch eine DNA-Spur auf die Schliche gekommen. Bei einer Pressekonferenz hatten sie ihre Ermittlungsergebnisse vorgestellt. Der Prozess gegen ihn soll im Januar beginnen. Da der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat erst 17 Jahre alt war, wird er nach dem Jugendstrafrecht angeklagt. Die Verhandlung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Wer ist der mutmaßliche Täter?

Der 52-Jährige ist ein berufstätiger Familienvater. Zum Tatzeitpunkt war er 17. Das ist der Grund, warum der Fall jetzt vor das Jugendgericht geht und sich die Strafe an dem Jugendstrafrecht orientieren wird. „Auch aus Sicht der Staatsanwaltschaft ist das ein ungewöhnlicher Fall“, sagte Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt im Juli, nachdem die Polizei den Mann mithilfe einer DNA-Spur gefunden hatte.

Der Mann hatte die Tat eingeräumt. Eskaliert sei die Situation, weil Erna Ganz gesehen habe, wie er die Schränke durchsuchte. Der Mann gab zu, die Frau damals ausgeraubt und erstickt zu haben.

Obwohl der Mann mit einer Sperma-Spur überführt werden konnte, stritt er ein Sexualdelikt ab.

Warum hat man den Mann nicht schon früher gefasst?

Seit 2012 hatten die Ermittler wieder intensiver an dem Raubmord gearbeitet. Kriminaltechniker des Landeskriminalamts wiesen ein DNA-Profil nach, später wurde ein Täterprofil erstellt. 700 der infragekommenden Männer kamen zum Termin für die Speichelprobe - insgesamt waren es mehr als 1000. Auf die fehlenden Männer konzentrierten sich die Ermittler im Anschluss. Das Problem: Wer zwischenzeitlich umgezogen war, war nicht so leicht zu ermitteln.

Öffentlich hatten die Ermittler zuletzt 2014 in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY . ungelöst“ nach Hinweisen gefahndet, 1500 Euro Belohnung wurden ausgelobt. „Wir waren uns sicher, dass wir mit der DNA den Fall irgendwann aufklären können“, sagte Ulf Petersen, Leiter der Mordkommission Flensburg. Doch es kamen aktuellere Fälle, die Spurensuche war aufwendig.

Auch der Festgenommene hatte damals zunächst keine Einladung für die Speichelprobe bekommen, erklärte Kriminalhauptkommissarin Susanne Jager, die wie ihre Kollegen den Fall nie zu den Akten legte, sondern hartnäckig blieb. „Sein aktueller Wohnort war nicht so leicht zu ermitteln.“ Später jedoch bekam der Mann nachträglich eine telefonische Anfrage der Polizei. Der Grund: Er passte ins ausgewählte Raster hinsichtlich Alter, Wohnortumkreis, Zeitraum und Geschlecht. Der Mann stimmte zu.

Doch zu dem Termin kam es - zunächst - nicht. Denn kurz vorher meldete sich jemand aus seinem Umfeld mit der Nachricht, dass der Mann wahrscheinlich verantwortlich für das Verbrechen ist und deswegen „suizidale Absichten“ habe. Hinweise darauf habe der Verdächtige in einer Handy-Nachricht formuliert. Die Polizei nahm die Fahndung auf und fand ihn in Saarbrücken. Dort nahm sie ihn auch fest.

Die Polizei entnahm eine Speichelprobe. Sie passte zu den DNA-Spuren des Mordfalls. Spur 1218 erwies sich als Treffer.

Die Polizei untersuchte auch, ob der Angeklagte noch für weitere Verbrechen - in Schleswig-Holstein, Deutschland und im Ausland - verantwortlich gemacht werden kann.

Was war das für ein Fall?

Die damals 73-jährige Erna Ganz war in den Abendstunden des 30. Juni 1982 in ihrer Erdgeschosswohnung überfallen, vergewaltigt und erstickt worden. Der Täter erbeutete mehrere Silbermünzen und drei Armbanduhren.

Die Polizei ging davon aus, dass der Täter sich in der Nachbarschaft auskannte. Er verließ die Wohnung der alten Dame über ein Fenster auf der Rückseite des Hauses.

Das Mordopfer befand sich offenbar allein in dem Mehrfamilienhaus, weil alle Nachbarn auf einer Feier waren. Der einzige Sohn der Witwe hatte seinen Wohnsitz zwar auch im gleichen Gebäude, war aber oft beruflich bedingt mehrere Tage nicht zu Hause. So auch an dem fraglichen Abend. Er entdeckte die Leiche seiner Mutter am nächsten Morgen.

Die ermittelnde Kriminalhauptkommissarin Susanne Jager beschrieb das Mordopfer 2013 als „unauffälliges Mütterchen, nur 1,50 Meter groß und korpulent.“ Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass Erna Ganz unglücklich gestürzt sein könnte, wie es in Zeitungsberichten von 1982 hieß.

Der Prozess soll im Januar beginnen. Die Verhandlung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

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erstellt am 14.Dez.2016 | 13:58 Uhr

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