Flensburger Köpfe : Mondän und kunstsinnig: Melchior Lorck

Melchior Lorck: Selbstbildnis
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Melchior Lorck: Selbstbildnis

Sein Frühwerk wird auf eine Stufe mit den Arbeiten des großen Albrecht Dürer gestellt: Melchior Lorck wirkte von Kopenhagen bis Konstantinopel.

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13. August 2009, 11:19 Uhr

Flensburg | Der bedeutende Kupferstecher, Maler und Schriftsteller Melchior Lorck (um 1527 bis nach 1583) entstammte einer alteingesessenen Flensburger Familie, aus der vor allem Unternehmer hervorgingen. Er aber folgte schon früh seinen künstlerischen Neigungen und wurde dabei aus Kreisen des europäischen Hochadels unterstützt.

Melchiors Vater Thomas Lorck wird als einer der fähigsten Kaufleute beschrieben, die seinerzeit in Flensburg agierten. Seine Geschäftsunternehmen erstrecken sich unter anderem auf den Pferde-, Ochsen- und Getreidehandel; er wurde Stadtvogt und Ratsherr und unterhielt enge Kontakte zu Herzog Friedrich II. von Gottorf.

Melchior Lorck brach aus diesem Milieu aus und entschied sich für die Kunst. In Lübeck erlernte er zunächst das Handwerk des Goldschmieds. Sein Lehrherr - ein kunstsinniger Mann - empfahl dem jungen Mann, sich an anderen Orten weiter zum Künstler ausbilden zu lassen. In König Christian III. fand er einen prominenten Fürsprecher und Förderer. Lorck unternahm Bildungs- und Kunstreisen nach Süddeutschland, in die Niederlande und besuchte in Italien Städte wie Venedig, Bologna, Florenz und Rom, wo er nach antiken Skulpturen und Werken Michelangelos zeichnete. Von Wien aus begleitete er eine wissenschaftliche Gesandtschaft nach Konstantinopel.
Prägend für die europäische Sicht der Türkei
Dort verbrachte er als "antiquitatis studiosissimus" viereinhalb Jahre und kehrte später mit einem großen Schatz an Zeichnungen vom Bosporus nach Wien zurück. Mit seinen Arbeiten mit Motiven aus Moscheen, aus der Residenz des Sultans und aus dem Alltagsleben prägte er maßgeblich das frühe Bild der Türkei aus der Sicht eines Europäers. Außerdem schuf er während seines Aufenthalts eine neun Meter lange, gezeichnete Stadtansicht von Konstantinopel.

Diese Ausmaße sollte er noch übertreffen mit seiner im Auftrage des Hamburger Rats gezeichneten Elbkarte, die auf eine Länge von zwölf Metern kam. In Antwerpen pflegte der weltoffene und vielseitig interessierte Künstler einen intensiven Kontakt mit den dortigen Humanisten. 1574 reiste er über Hamburg in seine Heimstadt zurück und ersuchte den dänischen Hof um finanzielle Unterstützung bei seinen Editionsprojekten. Er avancierte zum dänischen Hofmaler in Kopenhagen. Eine letzte Erwähnung Melchior Lorcks stammt aus dem Jahr 1583. Die Forschung nimmt an, dass der unstete Lorck auf einer erneuten Reise gestorben ist.

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