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Stromausfall Flensburg, Harrislee und Glücksburg : Möwe sorgt für Kurzschluss

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Vogel verursacht den Zusammenbruch des Stromnetzes, der zur Folge hatte, dass 100000 Menschen keinen Strom hatten. Die Bevölkerung bleibt weitgehend gelassen. Gravierende Schäden sind bisher nicht bekannt.

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | Weder menschliches Versagen noch ein technischer Fehler sind die Ursache für den Stromausfall, der die gesamte Stromversorgung der Stadtwerke Flensburg am Sonntagmorgen unterbrach und damit das Leben in Flensburg, Harrislee und Glücksburg für zwei Stunden durcheinander brachte. Eine schnöde Möwe war es, die mit ihrer Flügelspannweite zwei 60  000-Volt-Leitungen im Abstand von einem Meter überbrückte. So erklärt Geschäftsführer Maik Render das Malheur.

„Es war für uns ein richtig schwarzer Tag“, ordnet er den Kurzschluss und die langwierige Fehlersuche ein. 23 Mitarbeiter forschten nach der Ursache. Zwischenzeitlich war die Ursache im dänischen Netz gesucht worden, dann war die Rede von einem defekten Kabel, später von einem Fehler in einer Hauptleitung. Dort waren 4000 Ampere statt der üblichen 800 bis 1000 Ampere Stromstärke gemessen worden. Die Techniker entschieden sich für das Ausschlussprinzip und holten nach und nach die Stadtteile ans Netz. Am Ende machte die Verbindung vom nördlichen Umspannwerk zum eigenen Kraftwerk Zicken – Grund noch unbekannt.

Um 10.25 Uhr gestern fand dann ein Mitarbeiter auf der alten E-Werkstatt am Kraftwerk den Übeltäter, gefiedert und deutlich verschmort. „So viel Pech gleichzeitig, für die Möwe und für uns, passiert selten“, sagte Render. Vögel verursachten zwar Probleme, doch keine solch gravierenden. Auf dem Dach der alten E-Werkstatt treffen die Hauptleitungen von Kraftwerken in Dänemark (drei Leitungen), Deutschland (zwei) und dem eigenen (sechs) aufeinander. „An die Stelle haben wir Sonntag nicht gedacht“, sagt Render.

Die kräftigen Leitungen und riesigen Sammelleisten sind nicht umbaut. Render: „Würden wir das tun und die Freileitungen durch Erdkabel ersetzen, müssten wir mindestens 20 Millionen Euro veranschlagen.“ So viel könnten sie nicht investieren. Das stehe in keinem Verhältnis zu einem Ereignis, das vielleicht alle 60 Jahre vorkomme.

Einigen Menschen wird dieser Tag in Erinnerung bleiben – zumindest denen, die auf ihren heiß geliebten Frühstückskaffee verzichten mussten. Alles in allem hat der Stromausfall in Flensburg und Umgebung für keine großen Probleme gesorgt. Im Campusbad und in der Fördelandtherme in Glücksburg ging der Schwimmbadbetrieb etwas später los, denn es dauerte, „bis alle Anlagen wieder hochgefahren waren“, erklärt Jens Popke, Fachangestellter für Bäderbetriebe. Verluste habe es nicht gegeben. Das bestätigt Therme-Geschäftsführerin Kristina Franke. Auch in den Hotels gab es keine großen Unannehmlichkeiten. Eine Mitarbeiterin des Glücksburger Strandhotels erzählt, dass die Gäste den Stromausfall mit Humor genommen haben. Als ab 10.30 Uhr wieder alles funktionierte, nutzte ein Hotelgast sofort die Gelegenheit, um heiß zu duschen. Auch am Flensburger Bahnhof blieb die Lage entspannt. Ein Bahn-Sprecher berichtet von ausgeschalteten Anzeigetafeln, Beleuchtung und Ticketautomaten. „Züge fielen nicht aus, denn der Strom für die Oberleitungen wird anders eingespeist“, sagt er.

Wer mit dem Auto unterwegs war und tanken wollte, der musste warten, bis der Strom wieder floss. Aus den Tanksäulen war kein Tropfen Benzin herauszubekommen. Probleme bereiteten die Ampeln. Auf der Osttangente und in der Stadt blieben an einigen Stellen die Anlagen aus, andere waren erst am Nachmittag wieder eingeschaltet. TBZ-Sprecher Ralf Leese erklärt, dass die Ampeln so konfiguriert seien, dass sie nach einem Stromausfall selbstständig wieder hochfahren. An zwei Anlagen am Adelbyer Kirchenweg und der Merkurstraße gab es Fehlermeldungen. Die seien jedoch seit gestern 8 Uhr behoben. Die Empfänger von Kabel Deutschland-TV hatten von 8.25 bis 10.20 Uhr das Nachsehen. Nicht nur Fernseh- und Hörfunkempfang fielen aus, auch von der Störung der Internet- und Telefonverbindungen waren rund 84  000 Haushalte in Flensburg, Eckernförde, Kappeln, Schleswig bis nach Niebüll und Sylt betroffen.

Welche Kosten auf die Stadtwerke zukommen, weiß Maik Render noch nicht. Gestern hätten die Kunden Verständnis gehabt. Nachteile in der Netzstruktur gebe es nicht. Im Gegenteil: „Wir haben mit den Anschlüssen an das deutsche und das dänische Netz zwei Quellen. Abgesehen davon können wir Flensburg als Insel fahren. Unser Kraftwerk kann die Nutzlast komplett tragen und trägt sie auch.“

Wäre die Möwe sofort gefunden worden, hätte das System innerhalb einer halben Stunde wieder hochgefahren werden können. „Es war eben die 17. Steckdose und nicht die erste von den geprüften.“ Dem dänischen Netzbetreiber Energinet war bereits Sonntag klar, dass das Problem im deutschen Netz liegen musste, wie Ingenieur Henning Rasmussen sagt.

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