Mittelstandsforscher schreiben Erfolgsgeschichte

Vor einem Jahr bündelten Universität und Fachhochschule ihre Kompetenzen im Jackstädt-Zentrum

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29. September 2012, 03:59 Uhr

Flensburg | Es ist eine Erfolgsgeschichte auf 23 Seiten. So lesen Rainer Kreuzhof und Thomas Behrends den ersten Tätigkeitsbericht des Dr.-Werner-Jackstädt-Kompetenzzentrums für Unternehmertum und Mittelstand. Eigentlich standen im ersten Arbeitsjahr alle Zeichen darauf, Strukturen zu schaffen. Doch auch inhaltlich ist bereits viel passiert, sagen die beiden Initiatoren. Die Idee zur Bündelung der vorhandenen Kompetenzen in Lehre und Forschung an den beiden Flensburger Hochschulen mündete vor einem Jahr in der Eröffnung des Zentrums.

Wer den Bericht durchblättert, stößt auf eine Reihe von Forschungs- und Praxisaktivitäten, die die sieben Professoren von Uni und FH in Gang gesetzt haben. So wurde das "Entrepreneurship Center" gegründet. Es bietet Qualifizierungsangebote für Studenten oder unterstützt bei der konkreten Durchführung von Gründungen - dafür wurde der Gründerraum eingerichtet. Im Projekt "Beratungszentrum WAL Nord" wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor dem Hintergrund des demografischen Wandels im Norden praxisnah erforscht. "Wir wollen Ansprechpartner für die Wirtschaft sein, indem wir die Kompetenzen bündeln." Neben BWL decken die Hochschulexperten auch Gebiete wie Wirtschaftsethik, -Recht und -Pädagogik ab.

Neben der Dr.-Werner-Jackstädt-Stiftung (1,5 Millionen Euro bis 2016) wird das Kompetenzzentrum von regionalen Wirtschaftspartnern (500 000 Euro) gefördert. Und die Rückmeldung aus der Wirtschaft ist groß, sagen Kreuzhof und Behrends. Eine Einflussnahme der Wirtschaft auf ihre Arbeit verbitten sich die beiden Professoren jedoch ausdrücklich. Behrends: "Dadurch würde die Wissenschaft an Wert verlieren." Zwar gebe es über die Finanzierung durch private Drittmittel eine gewisse Fremdsteuerung, aber auch genügend Freiraum, um sich mit Problemen wie beispielsweise der Leiharbeit kritisch auseinanderzusetzen. Zudem veröffentlichen die Jackstädt-Mitarbeiter ihre Ergebnisse in unabhängigen Fachpublikationen.

Nur mit Neutralität sei auch den Studenten geholfen, um eigene Entscheidungen treffen zu können. Sie profitieren von der Rückkoppelung der praxisnahen Forschung in die Lehre. So soll im Masterprogramm der Uni der Schwerpunkt Mittelstand integriert werden, in dem sich die Studenten gezielt mit dem Management in mittelständischen Unternehmen oder der Existenzgründung beschäftigen können.

Doch über das Akademische hinaus hat man auch auf persönlicher Ebene Fortschritte gemacht. Beim ersten Treffen von Uni- und FH-Kollegen hätten die institutionelle Zugehörigkeit und Vorurteile noch eine Rolle gespielt, erzählt Behrends. "Doch das ist jetzt verschwunden." Man habe Vertrauen gefasst. Die neue gemeinsame Schlagkraft zeigt sich auch daran, dass das einzige Kompetenzzentrum dieser Art in Schleswig-Holstein in der ganzen Republik wahrgenommen wird.

Und wie soll es weitergehen? Laufende Projekte wollen fortgesetzt werden, gerade angeschobene in die Praxisphase geführt werden. Langfristig wünschen sich Behrends und Kreuzhof, dass sich das Jackstädt-Zentrum auf dem hohen Niveau stabilisiert, dass sie sich um die Finanzierung keine Gedanken mehr machen müssen.

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