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Hasselberg : Mitschüler haben Colin immer im Blick

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

In der Grundschule Kieholm lernen die Klassenkameraden des sechsjährigen Diabetikers den Umgang mit seiner Krankheit. In Deutschland leben rund 30 000 Kinder im Alter bis zu 19 Jahren mit der Krankheit.

Der sechsjährige Colin aus Rabel ist ein fröhlicher Junge – genauso wie die übrigen 18 Erstklässler der Grundschule Kieholm. Doch Colin unterschiedet sich von den anderen: Als er zwei Jahre alt war, wurde bei ihm Diabetes mellitus Typ 1 festgestellt. Seitdem lebt er mit dieser Krankheit, die zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen gehört. Allein in Deutschland leben 30 000 Kinder im Alter bis zu 19 Jahren mit der Krankheit. Diabetes-Beraterin Nicole Lindemann vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein betreut 160 kranke Jungen und Mädchen, darunter auch Colin.

Zu Beginn des Schuljahres war Lindemann in die Grundschule Kieholm gekommen, um die Lehrer darüber zu informieren, was es mit der Krankheit auf sich hat und was sie tun müssen, wenn sich bei Colin eine Unterzuckerung einstellt – wenn er zu zittern beginnt, übermäßig schwitzt, wenn er wackelig auf den Beinen ist, kurzum: Wenn er „komisch“ wird.

Nun kam Nicole Lindemann erneut nach Kieholm, diesmal um Colins Mitschüler auf den Fall des Falles vorzubereiten: Diabetes-Schulung im Klassenzimmer. Emmelie, Devin, Jonas, Madeleine und Lasse haben sich um Colin geschart. Der hält den Stoff-Löwen „Lenny“ in Händen und demonstriert, wie die an seinem Körper angebrachte Insulin-Pumpe funktioniert. Die Mitschüler sind beeindruckt und wissen, dass Colin ein solches Gerät ständig trägt.

Schulleiter Jörg Koschnitzke zeigt einen Film, in dem erklärt wird, wie an Diabetes erkrankte Kinder ihren Alltag bewältigen. Dazu gehört das Messen des Blutzuckers – morgens, mittags, abends und zwischendurch: Insgesamt sechs Mal pro Tag und das an 365 Tagen im Jahr. Die Messwerte zeigen, wie es um Colins Blutzucker bestellt ist. Ist er abgesackt, muss schleunigst etwas dagegen getan werden, damit der Junge nicht umkippt.

Die Botschaft von Lindemann an die Mitschüler: Immer einen Blick auf Colin haben. Zwar weiß er im Prinzip, was zu tun ist, der tagtägliche Umgang mit seiner Krankheit hat ihn dies gelehrt, doch sei es wichtig, dass auch die Mitschüler wissen, wie es ihm gehe. Sacke der Blutzucker beispielsweise durch sportliche Betätigung rasant ab, müssten sie als gute Freunde ihn dazu anhalten, zu essen – Traubenzucker – und Saft zu trinken, damit er neue Energie erhält. Wenn es schlimmer werde, sollten sie Erwachsene um Hilfe bitten. Wichtig ist der Diabetes-Beraterin auch, den Kindern zu vermitteln, dass Diabetes nicht ansteckend ist.

Klassenlehrerin Maren Lorenzen, die in der Vergangenheit bereits zwei Diabetes-Kinder begleitete, weiß um ihre und die Verantwortung ihrer Kollegen. Schließlich verbringt Colin viel Zeit in der Schule. Um im Notfall helfen zu können, gibt es im Klassenzimmer eine Notfall-Box, deren Inhalt Colins Mutter zusammengestellt hat. Dazu gehören ein Taschenrechner, um die gemessenen Werte schneller multiplizieren zu können, ein Tagebuch, in dem Besonderheiten eingetragen werden, ein Katheter, eine Mess-Tasche, flüssiger und fester Traubenzucker und eine Flasche Saft. Nachgefragt von Nicole Lindemann, ob eine Klassenfahrt anstehe, erzählt die Lehrerin, dass eine solche vielleicht nach Amrum geplant sei. Seinerzeit, als sie zwei Diabetes-Kinder in ihrer Klasse hatte, sei eine Mutter mit auf Klassenfahrt gefahren und habe sich speziell um die beiden Kinder gekümmert.

Diabetes, erklärt die Diabetes-Beraterin Lindemann den Kindern, sei eine chronische Krankheit, die noch nicht heilbar ist. Aber wenn man wisse, was wann zu tun sei, lasse es sich mit ihr leben. Ihre Aufgabe sei es, Erzieher, Lehrer und auch Mitschüler zu schulen, damit gemeinsam geholfen werden kann, dem Betroffenen ein weitestgehend normales Leben zu ermöglichen – mit Insulin-Spritzen oder -Pumpe sowie Messgerät als ständige Begleiter im Gepäck.


> Für Informationen steht Nicole Lindemann von der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG) unter Telefon 0431 / 597 30 50 zur Verfügung.


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erstellt am 01.Feb.2014 | 07:45 Uhr

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