Eggebek : Mit wem paart sich der Nachwuchs?

Jörg Heyna (links) vom Nabu und August-Wilhelm Petersen beringen die beiden Jungstörche.
Jörg Heyna (links) vom Nabu und August-Wilhelm Petersen beringen die beiden Jungstörche.

Jörg Heyna vom Nabu und August-Wilhelm Petersen haben in Eggebek zwei junge Störche beringt.

shz.de von
13. Juni 2018, 14:00 Uhr

Misstrauisch beäugt der Storch aus seinem Nest in luftiger Höhe, wie sich der Korb des Teleporters vor dem Lärchenstamm langsam nach oben bewegt. Bis zum letzten Moment harrt er aus, um seinen Nachwuchs nicht unbeschützt zu lassen. Als der Korb kurz unterhalb des Nestes angelangt ist, breitet er seine weiten Flügel aus, erhebt sich in den wolkenlosen blauen Himmel und beobachtet kreisend das weitere Geschehen.

Jörg Heyna, Gebietsbetreuer des Nabu für den Weißstorch, hat das Nest erreicht und entnimmt drei am Rande liegende, nicht ausgebrütete Eier sowie die beiden ganz still liegenden Jungstörche. Vorsichtig packt er Eier und Nachwuchs in seine große schwarze Tasche und befördert sie nach unten.

Storchenvater August-Wilhelm Petersen aus Langstedt nimmt die kleinen Störche in Empfang und legt sie auf dem Treeneplatz in den Schatten eines Ahorns. Heyna untersucht die beiden sechs Wochen alten Jungen, die reglos am Boden liegen bleiben. „Es ist ihr Überlebensreflex, sich bei Gefahr nicht zu bewegen, zu stellen, so dass sie von Greifvögeln im Nest nicht als Beute erkannt werden“, erklärt er.

Die Untersuchung ergibt: Das Gefieder der Jungvögel ist gut ausgebildet und sie sehen kräftig aus, was sich beim anschließenden Wiegen mit 2820 und 2720 Gramm bestätigt. „Ich füttere jeden Tag 30 Fische auf der Treenewiese unterhalb des Nestes zu, die die beiden Altstörche zu den Jungen ins Nest bringen“, erzählt Storchenvater Petersen.

Nachdem die Schnäbel und Nasenlöcher des Storchen-Nachwuchses gereinigt sind, darf Petersen die Tiere beringen. Ein Kunststoffring wird oberhalb des Beingelenks mit einer Spezialzange befestigt. Mit Sendern ausgestattet, sind die Ringe aus Kostengründen (2200 Euro pro Stück) nicht. Sie tragen die Nummern DEW 8 T 000 und DEW 8 T 001 sowie Anschrift und E-Mail-Adresse der Storchenwarte Wilhelmshaven. Diese Kennzeichnung ist mit einer guten Kamera auf 150 Meter Entfernung lesbar. Mit dieser Beringung können die Flugrouten und das Leben der Störche nachweisbar dokumentiert werden.

„In der Storchenwarte Wilhelmshaven wird eine Datei für die beiden Jungstörche angelegt, in die jede gemeldete Beobachtung eingetragen wird. So können wir zum Beispiel feststellen, wo und mit wem sich die Jungstörche nach der Geschlechtsreife in zwei Jahren paaren und leerstehende Nester besetzen. In der Regel kehren sie in ihre Geburtsregion zurück, suchen sich Nester im Umkreis von 50 bis 100 Kilometern. Da in diesem Jahr 80 Jungstörche im Kreisgebiet aufwachsen, doppelt so viele wie im letzten Jahr, werden in zwei Jahren voraussichtlich erheblich mehr Störche in der Region brüten. Das freut Heyna: „Ein besetztes Storchennest im Dorf ist wie ein Lottogewinn für die Seele”, sagt er.

Anschließend bringt der Fachmann die Jungstörche, die immer noch reglos am Boden liegen, mit dem Teleporter zurück Nest. Kurze Zeit später kommt der auch der Vater zurück nun kümmert sich um seinen Nachwuchs.



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