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„Wagenwesen“ am Friedensweg in Flensburg : Mit Video: Die Luftschlossfabrik besetzt Privatgelände

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Stadt Flensburg hat kein geeignetes Gelände für ein alternatives Wohnprojekt gefunden. Nun wurde eins besetzt. shz.de war vor Ort.

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erstellt am 03.Jun.2016 | 14:54 Uhr

Flensburg | Leer ist es auf der kleinen unbefestigten Fläche neben der Europawiese am Harniskai. Wo seit der Räumung der Luftschlossfabrik an der Harniskaispitze die ehemaligen Bewohner mit ihren Wohn- und Bauwagen einen temporären Stellplatz gefunden hatten, herrscht wieder braune Einöde. Nur noch ein Bretterhaufen zeugt vom provisorischen Bauwagenplatz. Wurde hier wieder geräumt? Wie shz.de aus Kreisen der Luftschlossfabrik erfuhr, hat sich die Gruppe nicht aufgelöst. Sie sind nur umgezogen.

Anfang Februar hatte die Räumung der Luftschlossfabrik bundesweit für Aufsehen gesorgt. Polizisten stürmten das Kulturzentrum. Die Bewohner sowie autonome Sympathisanten leisteten Widerstand.

Ein Transparent flattert in der Sommersonne. Darauf zu lesen: „Wir werden uns nicht in Luft auflösen.“ Und tatsächlich scheinen die ehemaligen Luftschloss-Bewohner einen neuen Bauwagenplatz gefunden zu haben. Der neue Platz im Friedensweg im Südwesten der Stadt (nahe Citti/Nordschrott) bringt aber wohl keine Ruhe in die monatelange Luftschloss-Diskussion. Denn: Das Gelände gehört laut Stadtverwaltung einem Privatbesitzer, Luftschloss-Ehemalige haben das Grundstück besetzt. Der neue Name: Wagenplatz „Wagenwesen“. Gegenüber shz.de hieß es seitens der Besetzer zunächst, das Gelände gehöre der Stadt.

Dazu Clemens Teschendorf, Pressesprecher der Stadt Flensburg: „Der Eigentümer der Privatfläche muss nun entscheiden, wie er mit der Besetzung umgeht.“ In einem weiteren Schritt müsse dann trotzdem geprüft werden, ob der Flächennutzungsplan auf dem Gelände überhaupt eine Nutzung als Wohnraum zulässt. Die Stadt selbst prüfe noch immer mögliche Standorte für alternative Wohnprojekte. Oberbürgermeister Simon Faber reagierte überrascht auf die neue Besetzung: „Ich wundere mich über das dreiste Siedlungsverhalten und Anspruchsdenken des ,Wagenwesens‘.“

shz.de hat sich vor Ort umgesehen:

In einer Pressemitteilung vom Freitagmorgen heißt es: „Hier soll ein Ort für alternative Lebensformen sowie weitere kulturelle Angebote entstehen.“ Seit der Räumung sei seitens der Stadt viel geredet worden, passiert sei jedoch nichts. Auf Vorschläge sei seitens der Stadt nicht eingegangen worden. „Von einer dauerhaften Duldung [...] an der Europawiese konnten wir nicht ausgehen“, heißt es weiter. Stattdessen habe man jederzeit mit einer erneuten, gewaltsamen Räumung rechnen müssen. Jetzt habe man die Sache selbst in die Hand genommen. „Wir sind weiterhin bereit, einen dauerhaften Vertrag mit der Stadt einzugehen. Hierzu wurde die juristische Grundlage in Form eines Vereins geschaffen und die Stadt informiert.“

Der Planungsausschuss stoppte noch Mitte April einen Versuch der Bauverwaltung, sich aus der Standortsuche für alternative Wohnformen auszuklinken. In einer Beschlussvorlage hatte die Verwaltung das Ergebnis ihrer zehnwöchigen Untersuchung von 27 Alternativstandorten für die Bauwagen-Gemeinde der ehemaligen Luftschlossfabrik auf zwei mickrige Optionen eingekocht. Option 1 war die Umsiedlung auf ein Grundstück am Alten Kupfermühlenweg, die aber wegen schon laufender Verhandlungen mit anderen Interessenten wenig aussichtsreich war; Option 2 die Räumung der vorübergehend zur Verfügung gestellten Ausweichfläche an der Europawiese. Das Ergebnis kam nicht gut an.

Und auch in der Pressemitteilung der Luftschlossfabrikanten heißt es: „Es besteht dringender Bedarf an Flächen zum Wagenwohnen, für selbstbestimmtes Leben und unkommerzielle Kulturangebote.“ So sollen künftig brachliegende Gärten am neuen Standort, die ehemals von der AFDU (Arbeiten für die Umwelt) bewirtschaftet wurden, gemeinschaftlich genutzt und gepflegt werden. Von der Stadt Flensburg war am Freitagmorgen zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Auf der Freifläche am Harniskai wird nun überlegt, wie das Gelände für eine künftige Zwischennutzung aussehen könnte. Fest steht: Erstmal wird dort zur Europameisterschaft Public Viewing angeboten. Was danach kommt, ist noch offen. Im Gespräch ist derzeit, drei verschiedene Zonen einzurichten, in denen Gastronomie und Freizeit kombiniert werden können.

Zur Vorgeschichte: Die Firma Highship Ltd. wollte an der Harniskaispitze Luftboote bauen, sie hatte das Gelände von der Stadt gepachtet. Die Pläne entpuppten sich jedoch als Schwindel, das Gelände blieb brach liegen. Eine Gruppe von Alternativen schuf mit dem Kulturzentrum Luftschlossfabrik einen Freiraum zur Selbstentfaltung. Seit der Zwangsräumung existiert dieser Freiraum nicht mehr - die ehemaligen Bewohner wichen auf einen provisorischen Standort aus. Eine Standortsuche durch die Stadt kam zunächst zu keinem Ergebnis.

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