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Straßenverkehr in Flensburg : Mit Schwung bei Rot über die Ampel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sonderregelung Grünpfeil: Viele Flensburger Autofahrer kennen die alte DDR-Regel nicht im Detail oder missachten sie bewusst

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2017 | 06:39 Uhr

Kreuzung Fördestraße, Twedter Mark: Drei Fahrradfahrer wollen ihre Räder über die Fußgängerampel der Seitenstraße schieben und dann dort weiterfahren. Sie haben Grün und zögern. Denn ein Autofahrer naht von links heran, will rechts auf die Hauptstraße abbiegen, beschleunigt, macht keine Anstalten, an seiner roten Ampel zu halten. Erst im letzten Moment stoppt er. Die Radfahrer weisen den jungen Offizier aus Eckernförde auf die rote Ampel und seine Pflicht zu halten hin. Aus dem geöffneten Beifahrerfenster brüllt er: „Ist doch ein grüner Pfeil!“ Ja, aber.

Dass Autofahrer eine rote Ampel mit Grünpfeil passieren, ohne zuvor zu halten, passiert sehr häufig. Aktuelle Zahlen zu Verstößen liegen zwar nicht vor. Eine Sonderauswertung wäre nötig, sagt Diana Thomsen, Sprecherin des Kraftfahrt-Bundesamtes. Auf der Internetseite der Behörde findet sich allerdings eine bemerkenswerte Untersuchung von 2010. Aus der Analyse des Zusammenhangs von Wohnort und Tatort registerpflichtiger Verkehrsverstöße geht hervor, dass „Flensburger die Vorfahrtregelung mehr als doppelt so häufig“ missachten als der bundesweite Durchschnitt. Das entspreche einem Anteil von 20,3 Prozent statt 8,2 Prozent. „Zu den typischen Vorfahrtsdelikten gehören das Überfahren von roten Ampeln und Stoppschildern, das Missachten von Rechts-vor-Links-Regelungen, aber auch das Abbiegen beim ’Grünen Pfeil’ ohne Stopp an der Haltelinie“, heißt es in dem Jahresbericht.

Die Straßenverkehrsordnung, kurz StVO, ist eindeutig: „Rot ordnet an: ’Halt vor der Kreuzung’.“ Und weiter: „Nach dem Anhalten ist das Abbiegen nach rechts auch bei Rot erlaubt, wenn rechts neben dem Lichtzeichen Rot ein Schild mit grünem Pfeil auf schwarzem Grund (Grünpfeil) angebracht ist.“ So heißt es im Paragraphen 37 der StVO. Die Straßenverkehrsordnung mahnt zudem rücksichtsvolles Verhalten an, „so dass eine Behinderung oder Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.“

Während die DDR-Bürger bereits seit 1978 mit dem grünen Pfeil vertraut sind, wurde das Verkehrszeichen in Flensburg erst 1995 eingeführt. Vor dem Startschuss seien viele Verkehrsknotenpunkte auf ihre Eignung geprüft worden, sagt Ralf Leese, Pressesprecher des Technischen Betriebszentrums. Unter den ersten grünen Blechpfeilen, die installiert wurden, sei derjenige an der Zufahrt zum Kraftfahrt-Bundesamt gewesen, ergänzt Leese. Der jüngste der derzeit 45 Grünpfeile in der Stadt ist ein Provisorium: Für die Dauer der Baustelle in der Mürwiker Straße ist ein Blechpfeil an der unteren Osterallee installiert. Wer hier auf die Fördestraße rechts abbiegt, hat von links wegen der Sperrung keine Autos zu erwarten und einen guten Überblick über querende Fußgänger und Fahrradfahrer.

An anderen Stellen in der Stadt ist die Lage nicht so übersichtlich. Ein Radfahrer beklagt die risikoreiche Kreuzung Schottweg, Osterallee. Auch wenn er bei Grün vom Schottweg geradeaus in die Straße Friedheim fahre, sei er besonders auf der Hut. Denn Autofahrer, die rechts aus der Osterallee mit Grünpfeil kämen, könnten gar nicht in die Kreuzung einsehen.

Ob es im Zusammenhang mit dem Grünen Pfeil vermehrt zu Unfällen kommt, ist schwierig zu ermitteln. Ein Sprecher des Rathauses sagt, dass in den regelmäßigen Verkehrsschauen mit der Polizei keine nennenswerten Probleme thematisiert worden seien. Die Nachfrage bei der Polizei ergibt, dass es keine gesonderte Erfassung zum Grünen Pfeil gebe: Die Polizei habe keine Kenntnis „von besonderen Erfahrungen in Bezug auf den Grünen Pfeil“, erklärt Polizeisprecherin Sandra Otte.

Eine Pflicht, vom Grünpfeil Gebrauch zu machen, besteht nicht. Wer unsicher ist, darf warten, ohne eine Verkehrsbehinderung zu begehen. Wer hingegen bei Rotampel und Grünpfeil nicht erst anhält, riskiert laut Bußgeldkatalog einen Punkt im Verkehrssündenregister und eine Geldstrafe von 70 Euro. Wer zudem jemanden behindert oder gar gefährdet, bekommt den Punkt und zahlt mindestens 100 Euro.

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