Mit persönlichem Coach zu besseren Leistungen

Im Gespräch: Der Coach Christian Knaut (55) mit dem Schüler Jeremy Weidlich (18).
Im Gespräch: Der Coach Christian Knaut (55) mit dem Schüler Jeremy Weidlich (18).

Neues pädagogisches Konzept der Wirtschaftsschule greift: Noten werden besser, Fehlzeiten sinken

shz.de von
16. Mai 2015, 10:18 Uhr

Lehrer haben mit Abbrecherquoten zu kämpfen, Schüler stehen vor einer ungewissen Zukunft, private Probleme müssen bewältigt werden – während der Schulzeit gilt es einige Herausforderungen zu meistern. Als Hilfestellung soll die „Zukunftswerkstatt“ dienen: das neue Coaching-Projekt der Flensburger Wirtschaftsschule HLA (Handelslehranstalt). Seit dem Schuljahr 2014/15 nehmen nun auch zwei Schulklassen aus Schleswig-Holstein an dem pädagogischen Projekt teil, das bislang von der Schule eigenfinanziert werden muss.

Innerhalb des Coachings entwickelt der Schüler mit seinem Coach seine persönlichen Ziele und mögliche Ideen zur Umsetzung. In den Gesprächen, die vier bis fünf Mal pro Jahr jeweils 45 Minuten in Anspruch nehmen, erarbeitet der Schüler selbstständig erreichbare Etappenziele. Die Lehrkraft schlüpft in die Rolle des Zuhörers, gibt Denkanstöße oder stellt Nachfragen. „In der Stunde bekommt man ein Feedback zum eigenen Leistungsstand, erfährt, woran man arbeiten muss und erhält Tipps für die Zukunft“, erklärt Jeremy Weidlich, Teilnehmer des Coaching-Projekts. „Jetzt sind wir auf einmal die, die sich nach den Schülern richten müssen“, fügt Christian Knaut, Lehrer der HLA und gelernter Coach hinzu. „Die Lehrkraft befindet sich weder in der wissenden noch in der lehrenden Position. Wir handeln nach dem Leitsatz: Was vor dir liegt und was hinter dir liegt, ist nichts in dem Vergleich zu dem, was in dir liegt“, so Knaut weiter.

Darüber hinaus haben die Coaches auch ein offenes Ohr für die außerschulischen Probleme der Schüler. „Mich hat es am Anfang schon Überwindung gekostet, über Privates zu sprechen. Aber die Coaches sorgen für eine angenehme Atmosphäre im Besprechungsraum. Manchmal stellen wir hier sogar Kerzen auf oder trinken Tee“, erzählt Jennifer Jessen, ebenfalls Schülerin der Coaching-Klassen. Coaching sei jedoch nicht mit Therapie- oder Nachhilfestunden zu vergleichen. Wichtig für die Schüler sei die Wahrung der Anonymität, das Gefühl ernst genommen zu werden und die Klärung der Fragen: Wo stehe ich im Moment? Wo möchte ich hin? Wie erreiche ich meine Ziele?

Dass das neue Konzept die Haltung der Schülerschaft enorm verbessert hat, zeigen die deutlich schwindenden Fehlzeiten, die seltener auftretenden Verspätungen und die besseren Noten. „Mein Ziel war es, anstatt der Fünf, eine Vier in Mathe im Zeugnis zu haben. Es ist schön, solche Erfolgserlebnisse mit dem Coach teilen zu können“, so Jessen stolz.

Da an der HLA weiterhin Bedarf – Tendenz steigend – am Coaching besteht, wolle man weitere Lehrer zu Coaches ausbilden, um im kommenden Schuljahr die nächsten Coaching-Klassen eröffnen zu können.

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