Mit Mitsubishi in die Champions League

Das Spezialpapier entsteht  in 2,40 Meter breiten Bahnen und läuft über 28 tonnenschwere Trockenzylinder Maschinenführer Michael Siebert  Foto: dewanger
1 von 2
Das Spezialpapier entsteht in 2,40 Meter breiten Bahnen und läuft über 28 tonnenschwere Trockenzylinder Maschinenführer Michael Siebert Foto: dewanger

Das energieintensivste Unternehmen im Klimapakt: Flensburger Spezialpapierhersteller braucht soviel Strom wie die gesamte Stadt Kappeln

shz.de von
31. Oktober 2012, 06:49 Uhr

Flensburg | Es ist nicht schwer, den Flensburger Spezialpapierhersteller Mitsubishi HiTec Paper schnell mit ein paar Superlativen zu versehen. Wo sonst weit und breit gibt es ein Industrieunternehmen, das auf eine mehr als 300-jährige Geschichte zurückblicken kann, das zwischen Husumer Straße und Exe auf mehr als 100 000 Quadratmetern Fläche im Herzen der Stadt produziert und dafür soviel Energie benötigt wie die gesamte Stadt Kappeln mit ihren nahezu 10 000 Einwohnern? Dabei gehört die frühere Feldmühle, die seit 1999 zum Spezialpapierkonzern Mitsubishi Paper Mills (Tokio) gehört, gar nicht zu jenen energieintensiven Betrieben, für die spezielle Ausnahmegenehmigungen gelten. Auf dem Werksgelände mitten im Mühlenstromtal erzeugt Mitsubishi seine Energie mit einem Sechs-Megawatt-Kraftwerk selbst: "Wir sind die Stadtwerke für Mitsubishi", sagt Werksdirektor Wolfgang Theis. Nicht nur zur Freude des Konzerns: "Wir zahlen teilweise drauf, wenn wir Strom nach draußen liefern", schimpft er. Der Grund: "Die Netzgebühren müssen wir zusätzlich zahlen." Das energieintensive Geschäft der Papiermacher wird in der Flensburger Produktion von bis zu 400 Motoren unterstützt.

Papiere aus dem Werk, dessen Ursprung bis ins Jahr 1696 zurückreicht und in dem 1848 die erste Maschinen aufgestellt wurden, hat jeder Bürger regelmäßig in Händen. Kassenbons, Tankquittungen, sogenannte Thermopapiere, die schnell dunkel werden, wenn sie auf Wärme treffen. Aber auch Kontoauszüge für die Drucker der Banken. Mit einer Kapazität von 35 000 Tonnen Papier pro Jahr kommt aus dem Flensburger Werk in 140 verschiedenen Papiersorten vieles, was Kunden und Endverbrauchern besonders lieb und teuer ist - Tickets für das Schleswig-Holstein-Musik-Festival zum Beispiel oder Fahrkarten für die Deutsche Bahn mit verschiedenen Mitsubishi-Sicherheitsmerkmalen sowie einem zugekauften Wasserzeichenpapier. "Wir versuchen mit unseren Rezepturen sicherzustellen, dass nichts gefälscht werden kann", erklärt Theis. Zum Beispiel durch Papiere verschiedener Farben, die erst beim Abriss deutlich zu erkennen sind.

Aus Flensburgs Husumer Straße kam auch das Basispapier für praktisch alle Tickets der vergangenen Fußball-Welt- und Europameisterschaften. "Champions-League-Karten machen wir auch", erzählt der Werksdirektor.

Das erlesene Papier entsteht in 2,40 Meter breiten Bahnen, läuft über 28 tonnenschwere Trockenzylinder, die bis zu 100 Grad aufheizen. 2200 Liter Wasser fließen dazu pro Minute - eiskaltes Wasser aus den eigenen Tiefbrunnen: Das sei für den Kühlungsprozess von Vorteil, sagt Theis. Und das Wasser sei ja bekanntlich von allerbester Qualität: "Unser Papier ist genauso gut wie das Flensburger Bier." Immerhin fünf Liter Wasser pro Kilo Papier habe das Unternehmen in den vergangenen Jahren bereits eingespart.

In der Streicherei wird die thermo sensitive Schicht aufgetragen. Bei den Thermopapieren, aus denen später Kassenbons und Tankquittungen werden, seien die Lagerbedingungen das A und O: "Es gibt Papiere mit Haltbarkeit bis zu 25 Jahren", berichtet Wolfgang Theis.

Im Zellstofflager liegt Ware für sechs Wochen. Dann spätestens wird Nachschub geliefert. Mitsubishi gehört zu den Betrieben, für die der Flensburger Hafen einen echten Standortvorteil darstellt: "90 Prozent unserer Zellstoffe werden über den Hafen angeliefert." Derzeit kommen sie meist aus Portugal und Norwegen. Ein Schiff für einen Monat Zellstoff. Der Hafen ist für uns schon ein gewisser Kostenvorteil."

Obwohl das Hochregallager Platz für 170 mächtige Rollen Papier bietet: Mit seiner Kapazität von 35 000 Tonnen pro Jahr gilt Mitsubishi Flensburg mit 230 Mitarbeitern und 18 Azubis im Konzern als kleines, feines und äußerst flexibles Werk . Es gibt kaum angelernte Leute, ganz überwiegend hochqualifiziertes Personal - Spezialisten der Papiertechnologie, die zum Teil hier in dritter Generation beschäftigt sind. Man sieht Wolfgang Theis an, dass er auf dieses Werk und seine Belegschaft stolz ist: "Flensburg war innerhalb von Feldmühle schon immer das Werk, das neue Produkte entwickelte."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen