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Analphabeten in Flensburg : Mit leichter Sprache zu besserem Lesen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nospa stellt Stadtbibliothek zwei Bücherkisten zur Alphabetisierung zur Verfügung

„Das Wunder von Bern“, „Romeo und Julia“, „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, „Anne Frank“, „Ziemlich beste Freunde“: All diese Bücher sind in einfacher Sprache geschrieben und damit für Leser geeignet, die nicht jeden Tag eine Zeitung oder ein Buch lesen. Die überhaupt wenig lesen – weil sie es nicht oder nur sehr mühsam können.

Die beiden Bücherkisten, die die Nospa jetzt der Stadtbücherei überreicht hat, werden kein Vermögen gekostet haben. Aber darum geht es auch gar nicht. Die Stadtbibliothek und die Volkshochschule nehmen sich mit Unterstützung der Nospa eines Problems an, das nicht häufig im Fokus der Öffentlichkeit steht: Bis zu 14 Prozent der Bevölkerung kann nicht richtig lesen und schreiben.

„Es geht um die funktionalen Analphabeten“, sagt Helmut Claas, Leiter der Volkshochschule. „Das sind Menschen, die komplexe Sätze nicht richtig lesen und verstehen können.“ Die VHS kümmert sich schon seit 1984 um dieses Thema, wie Klaus-Willi Petersen erinnert. Regelmäßig biete die VHS zwei bis vier, manchmal auch mehr Kurse pro Semester an. Er beschreibt einen fiktiven Kursteilnehmer: „Der hat vielleicht sogar einen Realschulabschluss, zwar in Deutsch eine Fünf, aber er ist auf dem Bau eine gefragte Kraft, kann super mit Kupferblech umgehen, und dann gibt ihm der Chef die Papiere und sagt, klär’ du das mal mit dem Kunden.“ Und da beginnt das Problem.

Es sei schwer, an diese Personen heranzukommen, räumt Claas ein. Es herrsche eine gewisse „Türschwellenangst“ und bei einigen sogar eine Phobie vor Schulgebäuden. „Bei einigen stellen sich die Nackenhaare auf, wenn die nur eine Tafel sehen.“ Ähnlich sei es bei Bibliotheken, ergänzt Leiterin Ute Kaminski, die sich freut, künftig eine größere Auswahl an Büchern in leichter Sprache anbieten zu können. Es gibt Romane (siehe oben), aber auch politische Bücher, zum Beispiel über Barack Obama, oder auch Kochbücher, die in einer Sprache geschrieben ist, die durch kurze Sätze und das Fehlen von Fremdwörtern leicht zu verstehen ist. „Wir sprechen gezielt Betriebe an“, sagt sie und weist darauf hin, dass eine der beiden Kisten stets komplett zur Ausleihe – zwei Monate kostenlos – zur Verfügung gestellt wird. Über die Betriebe versuche man, Kontakt zu den Betroffenen aufnehmen zu können.

Wichtig seien zudem Multiplikatoren wie Kollegen und Familienangehörige, die aus den Medien über die neuen Angebote informiert werden und die Menschen, die ein Problem mit der deutschen Sprache haben, gezielt ansprechen. Die Arbeit in den Kursen sei eine „echte Herausforderung“ für Pädagoginnen wie Ulrike Möller, so Klaus-Willi Petersen. Diese Arbeit erfordere ein großes Maß an Empathie und Fingerspitzengefühl.

 

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erstellt am 17.Mär.2015 | 12:15 Uhr

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