Hafen Flensburg : Mit Kapitänsmütze und Videokamera

Skipper durch und durch: Käpt’n Hansen braucht die Schifffahrt zum Leben wie kein anderer an der Schiffbrücke. Fotos: Bartels
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Skipper durch und durch: Käpt’n Hansen braucht die Schifffahrt zum Leben wie kein anderer an der Schiffbrücke. Fotos: Bartels

Christian Matthias Jansen ist nicht nur Nautiker, sondern auch leidenschaftlicher Dokumentarfilmer zum Thema Flensburg und Förde

shz.de von
14. August 2017, 07:07 Uhr

Möwen kreischen, Schiffsmotoren brummen und die Seeluft weht ihm um die Nase – Kapitän Hansen ist in seinem Element. Jeden Tag legt er morgens mit seiner „Flora II“ vom Nachtanleger am Ostufer des Flensburger Hafens ab und kehrt erst spät am Abend zurück.

Täglich pendelt er mit dem umgebauten Militärschiff zwischen dem Gastseglerhafen und Sonwik. Viele Touristen nutzen die „Flora II“ nicht nur als Fähre; ihr Interesse gilt der informativen Hafenrundfahrt des erfahrenen Nautikers Christian Matthias Hansen. Der Fokus liegt hier auf der Geschichte des Hafens und seiner Entwicklung. Nachdem die Motoren sich warm gelaufen haben, bezieht Hansen seine Position hinter dem Steuerrad. Mit der Kapitänsmütze auf dem Kopf schippert er quer über den Hafen zur Fördebrücke, um dort die ersten Gäste an Bord zu begrüßen. Diese können sich auf 45 lehrreiche und unterhaltsame Minuten freuen.

„Ich erzähle hier kein Seemannsgarn“, gelobt der leidenschaftliche Kapitän. Jede Information sei selbst recherchiert und wissenschaftlich belegbar. In den 16 Jahren Fährbetrieb hat Hansen das Steuerrad nie aus der Hand gegeben. Unterstützt wird er während der Fahrten nur von seiner Matrosin und Lebensgefährtin Güde Korbmann. Sie kümmert sich um die Wünsche und Fragen der Gäste . „Der einzige, der bei uns in all den Jahren seekrank geworden ist, war ein Hund“, sagt sie und lacht.

In seinem Fährbetrieb verbindet Hansen viele seiner Leidenschaften. „Ich bin nicht nur Nautiker, sondern auch Historiker und Filmemacher“, sagt der erfahrene Seefahrer. Neben den Rundfahrten betreibt Hansen die 1999 gegründete Sportbootschule Flensburg und seit 2007 das Filmlabel „Förde Video“. Hier veröffentlicht er nicht nur Lehrfilme der Sportbootschule, sondern auch Dokumentationen – noch so eine große Ledenschaft von ihm. Darin beschäftigt er sich mit der Entstehungsgeschichte des Flensburger Raums seit der Eiszeit. Inhaltliche Inspiration erhält er dabei von der Zusammenarbeit mit verschiedenen Professoren. „Ansonsten mache ich alles allein. Ich habe dafür nichts studiert, sondern mir innerhalb von zehn Jahren alles selbst angeeignet“

Schon als kleiner Junge filmte der Kapitän mit seiner Super 8-Kamera alles was ihm vor die Linse kam. Was damals nur im Wohnzimmer der Familie auf der Leinwand präsentiert wurde, erreicht heute dank Digitalisierung ein breiteres Publikum. Die Filme sind sowohl auf DVD als auch online auf der Videoplattform Vimeo erhältlich. „Wir versuchen, mit der Zeit zu gehen“, sagt der stolze Filmemacher.

Durch seine unterschiedlichen Standbeine ist Christian Matthias Hansen immer beschäftigt. Trotz des schlechten Wetters zieht er auch für diesen Sommer eine positive Bilanz: „Wir können sogar eine kleine Steigerung der Gästezahlen verzeichnen.“

Wenn die Tage wieder kürzer werden, ist für den Flensburger Fähr-Betrieb noch lange nicht Schluss. Dann werden auf der „FloraII“ am ersten und dritten Sonnabend im Monat Leuchfeuerfahrten im Dunkeln angeboten – ein Anblick, den auch Einheimische selten erleben.

Viel Zeit für Urlaub bleibt bei den zahlreichen Angeboten nicht: „Immer wenn wir aus einer Saison rausgehen, fängt die nächste an.“ Nur wenn das Wetter oder die Sicht ganz schlecht sind, bleibt die „Flora II“ im Hafen. Wenig spricht dafür, dass Käpt’n Hansen demnächst die Segel streicht: Langfristig könne er gar nicht ohne das Auf und Ab der Wellen, sagen die, die ihn besser kennen. Denn nur mit seiner Seemannsmütze auf dem Kopf fühle er sich wohl.

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