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Flensburger Tageblatt

16. Dezember 2017 | 05:13 Uhr

Jagel : Mit HSV-Kicker auf Sendung

vom

Hamed Chaudhry gewann Medien- und Integrationspreise und arbeitet nun am Projekt "Mein Vorbild" - unter anderem mit Tolgay Arslan

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 06:56 Uhr

Jagel | Eigentlich ist Hamed Chaudhry zurzeit noch im Abi-Stress. Die schriftlichen Prüfungen hat der 20-Jährige aus Jagel, der das Berufsbildungszentrum (BBZ) Schleswig besucht, zwar hinter sich, aber die mündlichen stehen in der letzten Maiwoche noch an. Zeit für andere Dinge bleibt da im Grunde kaum - doch er nimmt sie sich einfach, denn er arbeitet an einem neuen ambitionierten Projekt, für das er unter anderem den HSV-Spieler Tolgay Arslan (22) gewinnen konnte.

Hamed, dessen Eltern vor über 30 Jahren von Indien nach Deutschland kamen und seitdem in Jagel leben, hat im Juni 2011 mit seinem Kurzfilm "Ankerwurf im Hafen Deutschland" den dritten Platz beim "Com.mit Award" von RTL gewonnen (wir berichteten). Darin schildert er, wie Integration gelingen kann: durch Teilnahme an der Gesellschaft, Ehrenämter, Sport und vor allem Bildung. Nur wenige Monate später, im Oktober, wurde er mit dem Integrationspreis des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet. Und das Sahnehäubchen war im Dezember 2011 der "KAUSA Medienpreis" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung - der eigentlich nur für Journalisten gedacht ist. Noch mehr Auszeichnungen folgten - und Hamed engagiert sich weiter. "Hätte ich nebenbei nicht so viel an meinen Projekten gearbeitet, wäre mein Abi jetzt bestimmt besser, aber das war es auf jeden Fall wert", sagt er. Immerhin erwartet er einen Abi-Schnitt von 2,7, Sorgen muss man sich also nicht machen.

Seine neuen Pläne sind ehrgeizig: Mit Freunden und Bekannten aus der Me dienbranche arbeitet er am Integrationsprojekt "Mein Vorbild". Hameds Idee: Er möchte - zunächst für das Internet - zehn Sendungen produzieren, in denen "prominente Musterbeispiele für Integration" vorgestellt werden: So wie HSV-Spieler Arslan, der mit türkischen Wurzeln in Paderborn geboren wurde. Hamed: "Diese Menschen berichten in jeweils einer Sendung über ihre aktuelle Situation, aber auch über ihre Vergangenheit, über mögliche Schwierigkeiten und Vorurteile, mit denen sie kämpfen mussten, und über ihr ,Ankommen’ in dieser Gesellschaft." Die Protagonisten sollen für die heranwachsende Generation ein "Leitfaden" sein, "ihr Orientierung in der täglichen Konfrontation mit der Integrationsthematik bieten", erklärt Hamed.

Es sollen jedoch nicht nur Promis und Menschen mit Migrationshintergrund auftauchen. "Ich möchte für spätere Sendungen auch Menschen mit Behinderung und sozial Schwache treffen und fragen, wie sie ihren Platz in der Gesellschaft gefunden haben." Damit wollen er und seine Mitstreiter verdeutlichen, "dass jeder, der diesen Platz sucht, ihn auch finden kann - aber nur, wenn er sich darum bemüht".

Hamed selbst war immer aktiv, spielte von Kindesbeinen an im Fußballverein, hatte in der Schule und in Jagel viele Freunde, seine Eltern, sagt er, sind seit jeher bestens integriert. "Ich war früher an der Hauptschule, jetzt mache ich Abitur. Ich habe schon in der Grundschule gesagt: Ich möchte mal Anwalt werden, aber dann hieß es meistens: ,Das wirst du nicht schaffen’", erinnert er sich. "Aber man kann es schaffen. Ich denke, ich bin ein gutes Beispiel dafür - und möchte damit andere ermutigen." Hamed findet allerdings, dass das Thema Integration in den Medien oft dramatisiert wird, viele "schlechte Beispiele" gezeigt werden. "Ich will mit ,Mein Vorbild’ aber Beispiele für gelungene Integration präsentieren."

Er wird die Sendungen moderieren, das Konzept für zwei Folgen steht. Neben HSV-Spieler Arslan wird auch RTL-Chefmoderator Peter Kloeppel, der sich seit Jahren für Integration engagiert, eine Sendung gewidmet. Da das Projekt einiges an Kosten mit sich bringt, freut sich Hamed, dass er als Sponsoren den HSV, den Kieler Modeausstatter "Gladius" und die VR-Bank Flensburg-Schleswig gewinnen konnte. Spätestens im Juli soll die erste Sendung gedreht werden.

Im Juni bekommt Hamed sein Abi-Zeugnis, danach will er aber nicht gleich in den Journalismus eintauchen. Erstmal will er Jura in Kiel studieren, "um etwas in der Hinterhand zu haben". Dazu habe ihm auch Peter Kloeppel geraten, mit dem er oft Kontakt hat. Dankbar ist Hamed seinen Mitschülern, Lehrern und BBZ-Schulleiter Hans Hermann Henken. "Alle haben auf meine Projekte viel Rücksicht genommen, das ist toll. Jetzt hoffe ich, dass mein neues Projekt gut ankommt - denn Integration geht jeden von uns etwas an."

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