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Flensburger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 21:30 Uhr

Geocaching : Mit GPS durch den dunklen Wald

vom

Unser Mitarbeiter Claus Kuhl begleitete eine Gruppe Jugendlicher beim "Geocaching" auf einer zehn Kilometer langen nächtlichen Schnitzeljagd.

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2013 | 05:34 Uhr

Süderbrarup/Steinfeld | Nachtwanderung? Davon habe ich seit 50 Jahren nichts mehr gehört. Erinnerungen aus Jungscharzeiten tauchen auf, als wir uns von den Gruppenleitern begeistert in den dunklen Wald haben führen lassen. Dort haben sie uns dann vereinzelt so lange stehen lassen, bis einer von uns anfing zu flennen. Aber heute? Jean-Claude Stutz, Jugendpfleger in Süderbrarup, klärt mich über die moderne Variante auf, die mit GPS-Geräten funktioniert und auf Neudeutsch "Geocaching" heißt. GPS-Geräte haben mich schon immer fasziniert. Spontan entschließe ich mich mitzumachen. Später überkommen mich leichte Zweifel. Denn ich bin (noch) 63 Jahre alt, betrachte die 100-Kilogramm-Grenze schon lange von einer höheren Warte und bin nicht unbedingt sportlich - aber auch keine Couch-Kartoffel, und ich kann mich nicht erinnern, in den vergangenen Jahrzehnten einmal zehn Kilometer am Stück gewandert zu sein. Solche Strecken fahre ich lieber mit dem Fahrrad.

Doch an diesem Wandertag sitze ich mit zehn Jugendlichen im Jugendzentrum von Süderbrarup und höre der Einführung von Jean-Claude zu, der die Technik erklärt und einen praktischen Testlauf mit den Kandidaten macht. In die Geräte sind 15 Schätze einprogrammiert, die auf der Wanderung zu finden sind - Zettel mit Buchstaben, die am Ende der Wanderung ein Lösungswort ergeben. Dabei zeigt der Pfeil auf dem Gerät immer in Luftlinie auf den Zielort. Diese Linie ist jedoch nicht immer identisch mit der Wegführung. Alle Teilnehmer werden ermahnt, keine Privatgrundstücke zu betreten.

Endlich geht es los. Niklas und Nils, beide zwölf Jahre alt, wollen eigentlich allein gehen, akzeptieren dann aber den 14-jährigen Marti und mich als Weggefährten. Der erste Wegteil führt noch über die hell erleuchtete Hauptstraße von Süderbrarup. Das Tempo ist hoch. Denn der Längste gibt - wie früher auch - die Geschwindigkeit an, bis jemand mit kürzeren Beinen protestiert. Später sinkt die Geschwindigkeit automatisch.

Die Suche nach dem ersten Schatz, den Jean-Claude und Silke Willer versteckt haben, ist schwierig. Denn die Positionsangaben der GPS-Geräte sind technisch bedingt nicht exakt, sondern können bis zu zehn Meter differieren. Ein Gruppenmitglied macht den Vorschlag, diesen Schatz nicht zu heben und einfach weiter zu laufen. Aber er wird überstimmt. Und dann finden wir das Papier doch an einer Regenrinne, als wir dort eine lose Sandschicht entfernen.

Das gibt Auftrieb. Und das Marschtempo auf der alten Kreisbahntrasse erhöht sich. Etwa zwei Kilometer weiter ist der nächste Punkt, bei dem der "Cache" - so die Insiderbezeichnung für Schatz - sofort an einem Hinweispfahl gefunden wird. Nur leider ist es nicht der richtige. Denn die Organisatoren haben insgesamt vier Routen ausgearbeitet. Und einige Schätze liegen relativ nah beieinander. Den für uns bestimmten finden wir erst viel später. Die Jungen wechseln sich mit dem GPS-Gerät ab und auch ich werde in den Zyklus mit einbezogen. Der Teamgeist wächst. Der Weg führt in Schlangenlinien überwiegend durch den Wald. Und trotz der immer brennenden Stirnlampen gestehen die Jungen später, dass ihnen ein auffliegender Vogel und knackende Äste ganz schön Angst gemacht haben. Diese Angst wird durch lautes Reden vertrieben. Und die gefährlichsten Tiere, denen wir unterwegs begegnen, sind Kühe.

Nach zweieinhalb Stunden schließlich haben wir alle Caches, die an Straßenpfählen, Hinweisschildern, Brückengeländern und in Ritzen von Elektroverteilungen versteckt sind, gefunden. Wir stehen vor der dunklen Turnhalle - ein zusätzlicher Gag von Jean-Claude und Silke, die uns aus dem Hinterhalt gehörig erschrecken. Sie haben schon Nudeln mit Soße für die müden Wanderer vorbereitet, deren Schlafsäcke mit dem Auto transportiert wurden. "Das Schatzsuchen war schön, aber dass man sich am Ende hinsetzen kann, ist noch schöner", spricht mir Nils aus der Seele.

Nachdem die andere Gruppe eingetroffen ist, teilen sich die Jungen in eine Mannschaft, die schlafen geht, und eine andere, die sich nach Mitternacht noch in der Sporthalle austoben will. Ich selbst habe das Ganze gut und ohne Muskelkater überstanden, verzichte aber auf eine weitere Teilnahme am Event, das nach einem gemeinsamen Frühstück erst gegen Mittag abgeschlossen wird - zugunsten meines Bettes.

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