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Stapellauf bei der FSG : „Mit freiem Wasser vor dem Bug“

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Das neue RoRo-Schiff sowie ein Schwesterschiff möchte Eigner Siem Industries an die dänische Reederei DFDS verchartern.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2017 | 12:42 Uhr

Flensburg | „Grau ist alle Theorie“, wusste schon Goethe – und  die Schüler der Goethe-Schule haben diesen Aphorismus ganz besonders verinnerlicht. Und so stapfte das naturwissenschaftliche Profil des 12. Jahrgangs gestern Vormittag zur Flensburger Werft, um praktischen Anschauungsunterricht zu genießen. Geboten wurde Schwergewichtiges: Eine mächtige, 210 Meter lange Lkw-Fähre lief vom Stapel und tauchte mit großem Getöse ins Wasser ein.

 „Als Flensburgerin sollte man so etwas schon mal erlebt haben“, befand die 16-jährige Merryt. Für sie, ihre Mitschüler sowie Lehrerin Ulla Doose war es eine Premiere.   500  Schaulustige wollten  dem Spektakel beiwohnen, in dessen Rahmen  der  Koloss auf den Namen „Gardenia Seaways“ getauft  wurde.

 Ein Stapellauf in schwierigen Zeiten, ein Stapellauf mit Blick nach vorn. Zumindest Geschäftsführer Rüdiger Fuchs strahlte Optimismus aus. „Wir haben alle Anstrengungen unternommen, damit dieser Tag auch Ihr Tag ist“, sagte er an die Adresse der dänischen Reederei DFDS, an die das Schiff von der Siem Gruppe langfristig verchartert wird. Das norwegische Unternehmen hatte  die FSG 2014 übernommen.  „Mit der Muttergesellschaft gehen wir verstärkt in die Zukunft“, betonte  Vertriebschef Thomas Ritte. Die Chartermodelle stießen im Markt auf großes Interesse.   Außerdem seien die baulichen Gegebenheiten der Werft noch nicht ausgereizt. „Wir können in Länge wie Breite  zulegen.“

Fuchs lobte die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. Er bedankte sich bei seinen Mitarbeitern für den Einsatz und das Know-how, nicht nur bei diesem Projekt, sondern auch bei der Weiterentwicklung der „neuen FSG“. „Wir haben das Tal der Tränen hinter uns und ein gutes Stück freies Wasser vor dem Bug.“

Ob das die nach der Restrukturierung verbleibenden 600 Beschäftigten genauso sehen, muss bezweifelt werden. „Eine Vollbeschäftigung haben wir höchstens bis Ende des Jahres“, sagte ein Mitarbeiter, der wie alle anderen derzeit einen Lohnverzicht von fünf Prozent hinnehmen muss. Der Personalabbau hat ein Einsparpotenzial von  3,6 Millionen Euro.  „Nun  gibt es billige Arbeitskräfte aus Osteuropa“, sagt einer, der seit 17 Jahren dabei ist. „Und die eigenen Leute, die hier gute Arbeit gemacht haben, gehen dafür nach Hause.“

Thomas Ritte  spricht von  einem „stabilen Auftragsbuch“, einer Auslastung bis  zum Frühjahr 2018: Vier RoRo-Fähren sollen  an die türkische Reederei  Alternative Transport geliefert werden, darüber hinaus eine Passagierfähre an Irish Ferries. Für eine weitere Passagierfähre wurde mit der französischen Reederei Brittany Ferries eine Absichtserklärung unterschrieben. „Wir hoffen, den Auftrag bis Ende März unter Dach und Fach zu haben“, sagte  Ritte. Mit dem  Bau der „Gardenia Seaways“, die in der Nordsee eingesetzt werden soll, war im Juli  2016  begonnen worden. Die Roll-on-Roll-of-Fähre bietet Platz für 262 Lastwagen-Trailer. Heute wird  das Deckshaus mittels eines Schwimmkrans aus Polen aufgesetzt. Der Auslieferungstermin  ist für den Mai avisiert.

Trotz positiver Signale bleibt die Stimmung in der Belegschaft gedrückt. „Was ist, wenn die Einsparungen nicht greifen?“, fragt einer. Und gibt sich selbst die Antwort: „Dann geht es an unser Weihnachts- und Urlaubsgeld.  Und irgendwann  bluten wir aus.“

 

 

 

 

 

 

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