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Verwaltung in Glücksburg : Mit Flensburg oder doch besser allein?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Glücksburgs Politik stimmte gegen ein Ende der Verwaltungsgemeinschaft mit dem großen Nachbarn – doch beendet ist die Debatte nicht. Eine externe Beratungsgesellschaft soll prüfen, welche Alternativen bestehen.

Konsterniert verließ die kleine Gruppe von Glücksburger Bürgern, die die letzte Sitzung der Stadtvertreter verfolgt hatte, den Saal. Neben der Steuererhöhung musste sie eine Kampfabstimmung für oder gegen die Vertragskündigung mit Flensburg hinnehmen. Es geht um die seit acht Jahren bestehende Verwaltungsgemeinschaft beider Förde-Städte. Eine grundsätzliche Sache – so fanden die Zuschauer. Es herrschte Klärungsbedarf.

Ein Gespräch mit Dagmar Jonas, seit vielen Jahren in Glücksburg politisch tätig und derzeit Bürgervorsteherin, bringt Erkenntnis. Sie schildert die Situation wie folgt: Zufrieden mit der Verwaltungsgemeinschaft sind von den Glücksburger Politikern die wenigsten. Viele glauben, dass zu viel gezahlt werde für Dinge, die letztlich nur Flensburg betreffen – Anteile an der Finanzierung der Gleichstellungsbeauftragten zum Beispiel. Die Zahlungen seien „schwer zu überblicken“ und veränderten sich durch neue Tarifstrukturen fortwährend.

Den Wunsch, mehr Klarheit zu gewinnen, teilt das gesamte Glücksburger Rathaus. So einigte man sich bereits darauf, eine externe Beratungsgesellschaft prüfen zu lassen, welche günstigeren Möglichkeiten Glücksburg habe. Denn eine Partnerschaft muss es sein. Laut Gesetz dürfen erst Städte ab 8000 Einwohner ihre Verwaltung selbst übernehmen.

Uneinig ist man sich in Glücksburg, ob neue Verhandlungen besser mit oder ohne bestehenden Vertrag zu führen seien. Eine Vertragskündigung mit Flensburg ist immer nur zum Jahresende möglich. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Jahre. Acht von 18 anwesenden Stadtvertretern drängten daher jetzt zur Kündigung. Sie sind der Meinung, dass man besser verhandeln könne, wenn man als demnächst frei werdender Partner auftrete. So argumentierten zum Beispiel Dagmar Jonas (CDU), Sylvia Ullmer (SPD), Burkhard Repenning (LWL) und Hanne Bewernick (SSW). Zehn waren der Meinung, dass man den bisherigen Partner während der Beratungsphase besser halten sollte. Nach dem Motto: Es könnte noch schlimmer kommen. So Gerd Pirschel (CDU) mit weiteren sieben Parteimitgliedern und Harald Danzer (SPD). Letztlich eine psychologische Ansichtssache: Erst trennen und dann neu orientieren oder aus der sicheren Partnerschaft heraus Neuorientierung suchen?

In Flensburg zeigt man Verständnis für die Glücksburger. Es sein ein normales Verfahren, dass Vertragsanpassungen vorgenommen würden, sagt Asta Simon vom Büro für Grundsatzangelegenheiten. Doch zahlt Glücksburg wirklich zu viel? Selbst das Kieler Innenministerium weiß hierauf keine Antwort.

Sylvia Ullmer machte sich die Mühe, Zahlen zusammen zu stellen. Laut Landesrechnungshof vom Februar 2014, so ergab ihre Recherche, zahlen vergleichbare Gemeinden im Jahr rund eine Million Euro weniger. In dieser Summe seien aber lediglich Personalkosten, keine Sachkosten enthalten, ergänzt Ullmer in einem Schreiben an das Tageblatt.

Ihrem Parteikollegen Harald Danzer sind diese Zahlen zu allgemein: „Man muss die Zahlen gerade für Glücksburg speziell klären“, sagt er und nennt eine Reihe von Gründen: das kleine Rathaus, geringe Sachkosten, doppelt so viele Einwohner im Sommer, ähnlich hohe Kosten, als Glücksburg noch eine eigene Verwaltung hatte.

Vor dem Hintergrund solch unterschiedlicher Ansichten sogar innerhalb einer Partei erscheint die Beauftragung einer externen Beratungsgesellschaft richtig. Über die Ausgaben dafür müsse im Nachtragshaushalt 2017 entschieden werden, so Gerd Pirschel, Leiter des Finanzausschusses.

Bleibt die bisweilen auflodernde Sorge der Glücksburger Politik um ihr Alleinstellungsmerkmal. Er habe den Eindruck, dass Glücksburg von Flensburg allmählich eingemeindet werde, bemängelte etwa Marcus Dechange (SSW) unlängst. Bürgermeisterin Kristina Franke äußerte ähnliche Bedenken in Zusammenhang mit der Tourismusgemeinschaft Taff: „Mag sein, dass ich Kirchturmpolitik betreibe, aber ich sehe da Glücksburg nicht eigenständig repräsentiert“, kommentierte sie die neue Broschüre der Taff für die Förde-Region.

 

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