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ZKE Flensburg : Mit Fahrrad, Flickzeug und Pflaster unterwegs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gemeinsam beweisen die Schüler auf ihrer Deutschland-Tour Ehrgeiz und Teamgeist

shz.de von
erstellt am 06.Jul.2017 | 06:13 Uhr

Eine Jugendherberge am See, ein paar Besuche in Museen und gemütliche Abende im Gemeinschaftsraum? Kann doch jeder. Die Schüler des Zentrums für kooperative Erziehungshilfen (ZKE) suchten eine spannendere Herausforderung. Warum also nicht mit dem Fahrrad 1000 Kilometer von der deutsch-französischen Grenze zurück nach Flensburg?

Man nehme sieben mutige Schüler, vier ambitionierte Lehrkräfte, elf funktionstüchtige Fahrräder, jede Menge Flickzeug, ein paar Pflaster und einen Sack voll Ehrgeiz. So geht Erlebnispädagogik.

Jedes Jahr veranstaltet das ZKE eine solche Tour durch Deutschland. Dieses Jahr ging die Reise mit dem Zug nach Bühl am Rhein, nahe der deutsch-französischen Grenze. Von dort aus wurde mit Zelten im Gepäck zwei Wochen lang in die Pedale getreten, Richtung Heimat.

„Uns ist wichtig, dass das Ziel ist, nach Hause zu fahren und nicht weg davon“, erklärt Florian Bleifuß, Lehrkraft des Zentrums. Hier wurden die elf bis 16-jährigen Radler gestern von ihren Mitschülern gefeiert und mit Medaillen geehrt.

Für Pascal, den Jüngsten der Gruppe, war es ein tolles Erlebnis. „Die Lehrer waren nett und es gab auch nicht viele Streits. Wir haben uns eigentlich alle gut verstanden“.

So eine Radtour schweißt zusammen – auch wenn die Reise wegen der heftigen Unwetter in Niedersachsen nach 727 Kilometern vorzeitig abgebrochen werden musste. Die fehlenden Kilometer wollen die Schüler aber unbedingt nachholen.

Eine kleine Ehrenrunde für Harald Luth, den sonderpädagogischen Leiter des Zentrums. Er wird nächstes Jahr zufrieden in den Ruhestand gehen. „Von all den Touren die ich bis jetzt mitgefahren bin, war diese Gruppe eine der angenehmsten und diszipliniertesten“, erzählt er stolz.

Ziel der Touren ist, gemeinsam mit den Jugendlichen ein unvergessliches Abenteuer zu erleben. Vor allem dürfte es ein Erfolgserlebnis sein, als Gruppe eine solche Strecke mit dem Rad zu meistern, sich selbst ein Ziel zu setzen und dieses mit Ehrgeiz und Spaß zu erreichen. Eine Erfahrung, die im Gegensatz zu dem Leistungsdruck und der hohen Erwartungshaltung steht, denen sich viele Schüler ausgesetzt sehen. Sie besuchen das Zentrum für kooperative Erziehung, weil sie in ihren Schulen dem Druck zu entfliehen versuchten, dem sie nicht standhalten konnten. Sie haben das Ziel aus den Augen verloren. Hier bekommen sie die Gelegenheit, sich gemeinsam mit anderen Schülern, Sonderpädagogen und Lehrkräften die Zeit zu nehmen, wieder Spaß am Lernen zu finden und an sich zu glauben.

Die Rad-Tour ist nur eine von vielen Gelegenheiten, in denen die Jugendlichen beweisen können, was in ihnen steckt.

 

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