Advent in Flensburg : Mit Fackeln rückwärts durch den Hafen

Rote Mützen, rote Nasen: Die vorweihnachtlichen Taucher sorgten für maritime Adventsstimmung im inneren Hafen.
Rote Mützen, rote Nasen: Die vorweihnachtlichen Taucher sorgten für maritime Adventsstimmung im inneren Hafen.

Kleines kaltes Lichterspektakel beim 47. Adventsschwimmen des Unterwasserclubs Baltic zwischen Schiffbrücke und Hafenspitze

shz.de von
11. Dezember 2017, 07:34 Uhr

„Warum machen die das?“, fragte ein junger Besucher aus Hamburg, als rund 20 Aktive des Unterwassersportclubs (UC) Baltic am Sonnabend kurz vor Sonnenuntergang bei sechs Grad Celsius Wassertemperatur in den Hafen stiegen. „Tja“, lächelt Anne Rösen, die das Clubheim des UC betreut, „warum“. Es war das Adventsschwimmen Nummer 47, und die Schwimmer, die entgegen ihrer Gewohnheit diesmal mit dem Kopf über dem Wasser blieben, hatten Glück mit dem Wetter: kein Hagel, kein Regen, keine Graupel bis 17 Uhr, als sie mit ihren Fackeln wieder an Land kamen.

Mit Advent und Weihnachten hat die populäre Aktion außer der zeitlichen Nähe nicht viel zu tun. Die Schwimmer zogen ein leuchtendes Weihnachtsbäumchen auf einem Schwimmring hinter sich her, einige trugen neckische rote Käppis. Einmal stimmte jemand ein Weihnachtslied an. Nachzügler Jan Rösler musste ein paar Frotzeleien über sich ergehen lassen. „Kein Problem“, sagte Anne Rösen, „der ist schnell, der holt die anderen wieder ein.“

Die in wärmendes Neopren eingepackten Wassersportler hatten offenkundig ihren Spaß, lachten, scherzten und alberten, während sie von der Hafenspitze bis zum Museumshafen schwammen, meist in Rückenlage, dort wendeten, auf dem Rückweg am Anlieger der „Gesine“ stoppten, dort ihre Fackeln in Empfang nahmen, und dann, im ersten Dämmerlicht, zurück zur Hafenspitze schwammen – ein sehr stimmungsvoller und dann doch irgendwie vorweihnachtlicher Anblick, zumal die Prozession die illuminierte Tanne mitten im Hafen passierte.

Viele Passanten blieben stehen, lächelten erfreut, zückten ihre Handys für ein Foto. Hin und wieder rief jemand den Wasserratten etwas zu, einige applaudierten. Nur die Angler am Schiffbrückenkai nörgelten. 62 Heringe hatten drei Jungs in kürzester Zeit aus dem Hafen geholt, doch jetzt bissen sie nicht mehr. Die lustigen Adventsschwimmer hatten sie offenbar vorerst vertrieben.

„Warum gehen die rückwärts“, fragte ein junger Zuschauer. „Wegen der Schwimmflossen“, erklärte ein fachkundiger Zuschauer. Und warum nun das Ganze? Aus Tradition – und die 50 wird der UC Baltic in drei Jahren sicher voll machen. „Und es ist auch ein bisschen Öffentlichkeitsarbeit“, fügt Anna Rösner nach kurzem Überlegen hinzu.

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