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Krankenhaus-Planung in Flensburg : Mit Euphorie zum Zentralklinikum

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Aufbruchstimmung im Planungsausschuss / Grüne haben Zweifel am vorgeschlagenen Standort Peelwatt

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2017 | 10:01 Uhr

„Am Ende ist der Drops noch nicht gelutscht.“ Ein bisschen musste der städtische Chefplaner Peter Schroeders auf die Euphorie-Bremse treten. Zuvor hatte SSW-Ratsherr Glenn Dierking den Krankenhaus-Beschluss mit der Entscheidung für die Fernwärme in den 70er Jahren verglichen. Und CDU-Mann Arne Rüstemeier sprach von einem „wahnsinnig ehrgeizigen Projekt“ und einem „Ziel, dem sich alle anderen unterordnen müssen.“

Auch wenn die Grünen bei der ersten Gremien-Diskussion des Mega-Themas Zentralkrankenhaus Zweifel am präferierten Standort Peelwatt anmeldeten, läuft bisher alles nach Plan. Beschlossen wurde aber noch nichts. Am Mittwoch, 4. Oktober, diskutieren der Planungsausschuss und der Gesundheitsausschuss noch einmal gemeinsam den Vorschlag und entscheiden dann, bevor die Ratsversammlung am 12. Oktober den endgültigen Beschluss fasst.

Und noch etwas stellte Rüstemeier klar: „Es soll ein Gebäude werden und nicht zwei nebeneinander. Wir wollen nicht die alten Probleme nur dichter aneinander rücken.“ Auch das Land habe deutlich gemacht, dass ein gemeinsames Krankenhaus gebaut werden soll. Offenbar hat in den bisherigen Verhandlungen einer der beiden Träger versucht, am neuen Standort auf der grünen Wiese die Eigenständigkeit beider Träger und beider Krankenhäuser zu erhalten. Nach Tageblatt-Information war das nicht die Diako.

In der Diskussion im Umwelt- und Planungsausschuss am Dienstag wurde der Standort Peelwatt noch einmal dem „unterlegenen“ Standort Westerallee/Wittenberger Weg gegenüber gestellt. Vor allem die Grünen stellten kritische Fragen und machten deutlich, dass sie die Argumentation des externen Beraters Plankontor, der das ausgesprochen ehrgeizige Auswahlverfahren geleitet hat, nicht nachvollziehen konnten. Man habe „erhebliche ökologische Bedenken“ bei Peelwatt, sagte Ratsherr Pelle Hansen. Er erwähnte Verkehrsprobleme, die es zu lösen gebe. In der Tat wird der Verkehr laut Planung über den Marie-Curie-Ring im neuen Gewerbegebiet geführt werden; Schroeders stellte aber klar, dass man eine nördliche Anbindung über die Peelwatt-Brücke benötige, die dafür aber „ertüchtigt“ werden müsse. Bis vor gut zehn Jahren fuhren noch täglich Autos über diese Brücke. Eine direkte Anbindung des Krankenhaus-Areals an die Osttangente würde eine sehr langes, aufwendiges Planverfahren erfordern, weil es sich bei der Tangente um eine Bundesstraße handelt.

Das wesentliche Argument gegen den Standort Westerallee sei die Hochspannungsleitung (60 Kilovolt), die man dort in die Erde verlegen müsse. Das würde vermutlich elf Millionen Euro kosten, so Schroeders. Auch müssten an der B200 Lärmschutzwände gebaut werden, so Jörg Lewin (Plankontor).

Natürlich ging es am Dienstag auch um Kleingärten. Egal für welchen Standort man sich entschieden hätte – sie wären immer betroffen. Die Emotionen kochten hoch: Ein Besucher der Sitzung wollte gleich am Anfang das Wort ergreifen, was ihm nicht gelang; kurz darauf verließ er erbost den Raum. Später jedoch kam Walter Möller zu Wort, der seit 1973 im Bereich Peelwatt einen Garten hat. In den Gärten stecke sehr viel Herzblut, sagte er, und dass man sich allein gelassen fühle. Im Bereich der Kolonien gebe es Rehe, Hasen, Fasane, Eidechsen, Rebhühner, Schlangen und den Eisvogel – eine Naturidylle.

Der Ausschussvorsitzende Axel Kohrt (SPD) wies darauf hin, dass es im Zuge des Verfahrens zum Bebauungsplan für das Zentralkrankenhaus eine Öffentlichkeitsbeteiligung geben werde, bei der jeder seine Bedenken vortragen könne. Doch eines wurde ebenfalls deutlich in der Sitzung – auch wenn der Drops noch nicht gelutscht ist: Es gibt eine breite Mehrheit für den Bau eines Krankenhauses am Stadtrand, und es deutet alles darauf hin, dass es an der Peelwatt gebaut wird. Ebenfalls deutlich wurde, dass man versuchen will, möglichst genauso viele neue Kleingärten – womöglich in anderer Form – im Bereich Peelwatt zu erhalten wie heute dort aktuell verpachtet sind.

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