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Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 21:44 Uhr

Mit der Chipkarte in die Bücherei

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Freunde und Förderer der Glücksburger Bibliothek liebäugeln mit einem Konzept aus Dänemark

shz.de von
erstellt am 24.Jan.2014 | 16:44 Uhr

Die Stadt Glücksburg möchte ihre Bücherei modernisieren, das hatte die Stadtvertretung bereits im vergangenen Jahr beschlossen. Doch wegen des völlig überschuldeten Haushalts, fehlt das Geld für Investitionen. Was also tun? Not macht erfinderisch, und so streckten die Mitarbeiter und Freunde der Bücherei ihre Fühler nach verlockenden, aber sparsamen Möglichkeiten der Verbesserung aus.

Sie brauchten nicht lange zu suchen. In der Deutschen Bücherei in Sonderburg und auch jener in Apenrade fanden sie die „Offene Bibliothek“. Ein System, das den Nutzern der Einrichtungen den Zugang unabhängig von Personalpräsenz und Öffnungszeiten erlaubt. Zwischen 8 und 22 Uhr kann sich ein Bibliotheksnutzer mit seiner Gesundheitskarte Zutritt zur Bibliothek verschaffen. Das elektronische System registriert die Person, im Eingangsbereich filmt eine Kamera jeden Neuankömmling, ein Scanner am Ausgang soll vor Diebstahl abschrecken. Ein Lesegerät mit Tastatur macht die selbstständige Ausleihe möglich. Zurückgegebene Medien können ebenso registriert werden.

Das Konzept kam bei der kleinen Besucherschar aus Glücksburg um Büchereileiterin Stefanie Ritter und den Fördervereins-Vorsitzenden Hans Hartmut Mahler gut an. Der Schriftführer des Vereins, Michael Puls, sprach gegenüber dem Sozial- und Kulturausschuss von einem überschaubaren Einsatz an Technik. Benötigt würden lediglich ein Scanner am Eingang, eine Steuerungseinheit, Code-Karten, einer Selbstverbuchungsanlage und sogenannte RFID-Tags. Mit Hilfe dieser Mini-Speicher können die nötigen Daten eines Buches oder einer DVD über bestimmte Funkfrequenzen an den Computer übermittelt werden. „Ich würde das gerne haben wollen. Es ist umsetzbar“, sagte Puls.

Das Konzept sei nicht zur Personalreduzierung gedacht, treten sowohl Büchereileiterin Ritter als auch Heinz-Jürgen Lorenzen, Direktor der Büchereizentrale Schleswig-Holstein, möglichen Befürchtungen vor Arbeitsplatzstreichungen entgegen. Die „Offene Bibliothek“ sei als zusätzliches Angebot zu verstehen, um auch die Menschen als Nutzer zu gewinnen, die sonst keine Möglichkeit zu einem Bibliotheksbesuch haben. „Wenn das Ganze als Sparmodell gesehen wird, lehnen wir es ab“, machte Lorenzen klar. Stefanie Ritter stellt den Zeitgewinn in den Vordergrund. Das Personal hätte mehr Zeit für die inhaltliche Arbeit. Die Mitarbeiter könnten die Nutzer beraten, statt Ausleihe und Annahme zu erledigen. Nach Aussage der Fachleute registrierten die Offenen Bibliotheken bereits mehr Nutzer und es kämen mehr Väter mit ihren Kindern.

Das System kommt nach Aussagen von Lorenzen und Ritter einem Aspekt besonders entgegen. Die Bücherei rückt als Treffpunkt in den Mittelpunkt. „Je öfter die Menschen vor den Bildschirmen sitzen, desto wichtiger werden Orte der Inspiration und des Gedankenaustauschs“, erklärt Direktor Lorenzen. Auch die Stadtvertreter Glücksburgs stimmen damit überein. Sie gaben ihrer Stadtbücherei im vorigen Jahr nicht nur einen Bildungsauftrag. Die Einrichtung könnte ihrer Meinung nach auch sehr gut zu einem „Familien- und Kulturzentrum“ im Alten Bahnhof werden.

In der Dänischen Zentralbibliothek für Südschleswig in Flensburg nachgefragt, sagte ein Mitarbeiter, dass auch dort die „ Offene Bibliothek“ geplant werde. Es werde derzeit noch geprüft, ob das System den rechtlichen Anforderungen in Deutschland entspreche. Die juristischen Fragen nach dem Datenschutz beispielsweise müssten noch geklärt werden. Wenn das Konzept den rechtlichen Vorgaben in Deutschland Stand hält, würden die dänischen Bibliotheken in Husum und Schleswig als erste zu „Offenen Bibliotheken“ werden. In Flensburg dränge es wegen der täglichen Öffnungszeiten nicht so sehr.

>www.bibliotek.dk

>www.dcbib.dk/de

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