150 Jahre Hugo Eckener : Mit dem Wind nach Nordosten

Kurz vor dem Start: Der Ballon strebt stark gen Nordost, der Fallschirm kommt erst viel später zum Einsatz.
Kurz vor dem Start: Der Ballon strebt stark gen Nordost, der Fallschirm kommt erst viel später zum Einsatz.

Das Ballonprojekt von Phänomenta und Funkamateuren hatte mit den Elementen zu kämpfen

shz.de von
11. August 2018, 08:36 Uhr

„Er sinkt!“ Ein Hauch Verzweiflung klingt in dem Ruf über das Rollfeld von Schäferhaus mit. Sekunden vorher hatte die Crew von „Mission Commander“ Martin Panusch das Gespann aus Ballon, Fallschirm und Nutzlast den Elementen übergeben. Eigentlich sollte die pralle Füllung mit Helium für eine vertikale Bewegung sorgen, doch der steife Südwest treibt den Ballon vor allem horizontal Richtung Innenstadt. Er scheint tatsächlich kurz zu sinken, um dann aber doch stetig an Höhe zu gewinnen. Und dann ist er schon entschwunden.

Was für ein verrücktes Projekt! Ein sehr gemischtes Team, vom Schüler bis zum Rentner, hat es sich zur Aufgabe gemacht, in die Stratosphäre vorzudringen. Nach den Berechnungen der Ballon-Crew soll der Ballon bis in 34 Kilometer steigen und dann platzen; jetzt kommt der Fallschirm ins Spiel, der die Nutzlast sanft zum Erdboden gleiten lassen soll.

Oder in die Ostsee. Martin Panusch hat ein Fachprogramm mit den Daten gefüttert; demnach soll die Box drei Stunden nach dem Start nördlich von Ebeltoft landen. Wenn der Wind nur etwas auf West dreht, landet sie jedoch im Kattegat.

Das Projekt ist Teil der Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag des Flensburger Luftschiff-Pioniers Hugo Eckener; gestern Abend gab es dazu eine Reihe spannender Vorträge in der Phänomenta. Dorthin sollten auch die Live-Bilder vom Stratosphärenballon gesendet werden; die Übertragung der Bilder von der Styropor-Box zur Erde funktionierte aber leider nicht.

Dafür klappte die laufende Übertragung der Position über das Internet. Die Flensburger Fracht meldete sich unter dem Rufzeichen DLOFAF-11 alle paar Sekunden. Nach einer guten Stunde Fahrt befand sich das Gespann ziemlich genau über der Fähre von Alsen nach Fünen. Das entsprach tatsächlich der vorausberechneten Route. Allein – es haperte an Höhe. Gerade einmal 3,2 Kilometer hatte der Kautschuk-Ballon erreicht – vielleicht war zu viel Hightech in der mit reichlich Klebeband zusammengehaltenen Styroporbox untergebracht.

Vor dem Abheben herrscht auf dem Flugplatz Schäferhaus eine Stimmung wie vor einem Jungfernflug. Noch unmittelbar vor dem Start wird fieberhaft an der Kamerabox herumgebastelt. Sie ist vollgestopft mit selbst gebastelter Elektronik, eine Batterie gehört dazu und sogar eine Art Frostschutz aus Wasserkissen. An zwei Stäben rechts und links der Box sind zwei Symbolfiguren befestigt: Phänominchen und der Teddy der Funker. Die Seile des Fallschirms sind ineinander verknotet und müssen vor dem Start sortiert werden. Währenddessen steht Martin Panusch wie ein Baum und bändigt den mittlerweile gefüllten Ballon, der wild im Wind wogt.

Schnell steht fest, dass der Ballon wegen der niedrigen Steigrate viel weiter fliegen wird – nämlich bis Mittelschweden. Bei Redaktionsschluss segelte er mitten über der westlichen Ostsee in knapp zehn Kilometer Höhe.

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