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Flensburger Tageblatt

19. August 2017 | 15:50 Uhr

Lindewitt : Mit dem Smartphone auf Pflegetour

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wenn Altenpflegerin Kirsten Thordsen ihre Patienten besucht, gilt ein enger Zeitplan.

Lindewitt | Sie gehören längst zum gewohnten Straßenbild, die Kleinwagen der ambulanten Pflegedienste. Eine Vielzahl von Pflegekräften kümmert sich um pflegebedürftige Menschen, die medizinische, pflegerische und auch hauswirtschaftliche Versorgung im häuslichen Umfeld erhalten. Im Bereich des Amtes Schafflund sieht man zumeist die kleinen silbernen Fahrzeuge der Sozialstation Schafflund. Eine ihrer 31 Pflegekräfte ist Kirsten Thordsen aus Lindewitt. Sie ist täglich für ihre Patienten im Bereich Großenwiehe/Lindewitt unterwegs. Die 53-jährige examinierte Altenpflegerin arbeitet seit 1991 in diesem Beruf und ist seit der ersten Stunde der Sozialstation Schafflund 1995 dabei.

Morgens um sieben Uhr ist Thordsen bei der ersten Patientin. Der frühe Vormittag muss genutzt werden, um die Tätigkeiten auszuführen, die für den Tagesablauf der Patienten aus pflegerischer Sicht notwendig sind. Zu den vielfältigen Routinen gehören: Blutzucker messen, Kompressionsstrümpfe anziehen, Spritzen setzen, waschen oder duschen, Augentropfen verabreichen, Wundverbände erneuern und vieles mehr. Auch das Zubereiten von Speisen für Diabetiker oder Beratungsgespräche zur Pflege gehören zu den Aufgaben.

Sehr häufig müssen die Pflegekräfte die sogenannten Dispenser mit den Medikamenten des Patienten füllen. Hier gilt es, die Tabletten in die Schachteln mit den Aufschriften „morgens, mittags, abends“ zu sortieren, damit diese auch wie vom Arzt verordnet eingenommen werden.

Die von Kirsten Thordsen am häufigsten genutzten Gegenstände sind: das Auto, die Flasche mit Desinfektionsmittel und das Smartphone. Das Auto versteht sich von selbst, das Desinfektionsmittel auch, aber das Smartphone? Wenn die Pflegekraft den Patienten erreicht und das Auto verlässt, gibt sie dies in ein Programm auf ihrem Smartphone ein. Nach der Behandlung, auf dem Weg von der Haustür zum Auto zückt sie das Gerät erneut, um die ausgeführten Tätigkeiten einzugeben und die Zeit zu registrieren. „Alles, was wir nicht dokumentieren, haben wir auch nicht geleistet“, sagt Thordsen. So einfach sei das. Der Pflegedienst erhält seine Honorare von den Kranken- und Pflegekassen nach festgelegten Pauschalen für die verschiedenen Aufgaben. Deshalb ist Zeit wirklich Geld.

Bei Kirsten Thordsen sitzt in der Behandlung jeder Handgriff, es läuft zügig ab. Aber nie wirkt sie gehetzt. Sie bleibt immer ruhig und hat dennoch Zeit für ein freundliches Wort. „Wenn ich hektisch werde, überträgt es sich auf den Patienten und es dauert dann erst recht länger“, sagt sie. Sie könne den Zustand des Patienten nur dann richtig einschätzen, wenn sie unabhängig von der Behandlung nachfragt und auch die Wünsche nach Ratschlägen rund um die Gesundheit erfüllt, soweit es in ihrem Kompetenzbereich liegt. Die Patienten freuen sich sichtlich, wenn sie kommt. „Das ist das, was ich mir rausziehe“, sagt sie. Sie liebt die selbstständige Arbeit. „Wenn bei einem Patienten alles drunter und drüber geht und ich habe Ordnung ins Chaos gebracht, macht mich das zufrieden.“

Sie hat eine Zusatzausbildung zur spezialisierten ambulanten Palliativversorgung absolviert. Diese wurde über Spendengelder finanziert, die oftmals anlässlich von Beerdigungen an die Sozialstation gehen. Sie ist damit im Bereich des Amtes Schafflund eine der ganz wenigen, die schwerstkranke und sterbende Menschen und deren Angehörige psychosozial betreuen kann.

Ob sie ihre Berufswahl jemals bereut habe? „Zu keinem Zeitpunkt“, sagt Thordsen. „Es ist das, was ich schon als Kind machen wollte.“ Dazu gehöre aber auch, dass man abschalten kann. Das müsse man auch, um sich gesund zu erhalten. „Ich schaffe mir im Privatleben meine Inseln. Und das funktioniert. Sonst schafft man seine Arbeit nicht, sondern wird von ihr geschafft.“ Nur eines verkraftet sie schwer: Wenn junge Frauen mit kleinen Kindern von schwerster Krankheit betroffen sind.

Der Stressfaktor in ihrem Beruf sei für sie nicht die eigentliche Arbeit mit den Patienten, sondern der Umstand, dass immer mehr Dinge hinzukämen, sagt Thordsen. Die Mitarbeiter der Sozialstation Schafflund hätten hohe Standards gesetzt, die es einzuhalten gelte, berichtet sie. Immer mehr neue oder veränderte Heil- und Pflegemethoden erforderten es, immer mit neuesten Entwicklungen Schritt zu halten. Hinzu komme der zunehmende bürokratische Aufwand, unter anderem für die Dokumentation der ausgeführten Pflegetätigkeiten, von Behandlungsverläufen, der Verordnungsblätter und Überwachungsbögen und vielem mehr.

Doch bei aller Belastung erfüllt Kirsten Thordsen die Tätigkeit voll und ganz. „Die Rückmeldungen der Patienten bestärken mich und meine Kolleginnen immer wieder“, sagt sie. Und Patient Reinhard Hossenfelder aus Lindewitt bringt es aus seinem Blickwinkel auf den Punkt: „Wir müssen uns auf die Pflegekräfte verlassen. Und das können wir getrost.“

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