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Flensburger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 20:32 Uhr

Mit dem Polo in die Rolex-Vitrine

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Einbrecher-Duo rammt Fensterfront von Juwelier Jürgensen / 150 Luxusuhren erbeutet / 30-jähriger mutmaßlicher Mittäter festgenommen

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2013 | 07:59 Uhr

Als ihn gestern nachts um drei das Endlosklingeln des Telefons der Notrufzentrale aus dem Schlaf zerrte, dachte Kurt Ohlsen noch an einen Fehlalarm. 30 Minuten später wusste er es besser. In der zertrümmerten Eingangstür des Juweliergeschäfts Peter Jürgensen in der Großen Straße stand ein verbeulter alter VW Polo, der als Rammsporn hatte herhalten müssen. Dahinter, im Laden, ein Meer aus Scherben, die einmal das Panzerglas von fünf Vitrinen mit kostbaren Uhren gewesen waren. Ein wuchtiger Vorschlaghammer hatte hier und in der Schaufensterauslage ganze Arbeit geleistet. Und die Uhren waren weg. Natürlich.

Aus dem Chaos des verwüsteten Ladenlokals konnte der Inhaber des anspruchsvollen Flensburger Juweliergeschäfts den Plan des Einbruchs genau ablesen: „Es fehlten nur die wertvollen Uhren. Daneben lag kostbarer Schmuck, den haben die links liegen gelassen“, sagt der 48-Jährige. „Das war eine Auftragsarbeit.“ Eine sorgfältig geplante dazu. „Die wussten genau, wie sie sich bewegen mussten. Die hatten ja kaum Zeit!“ Noch Stunden später sind Ohlsen und seine Frau Angela unter Schock. Die massive Gewalt, die jemand auszuüben bereit ist, um an Luxusgüter hinter Panzerglas zu gelangen – das wirkt. „Dagegen kann man sich nicht wappnen“, sagt Angela Ohlsen. „Packt man nachts alles in den Tresor, kommen sie am Tag. Und dann wird’s womöglich noch schlimmer.“

Die wertvollsten Uhren waren ohnehin weggeschlossen. Edelmarken wie Rolex, Tag Heuer, Breitling oder Glashütte sind eben keine Bückware. Für die billigste Rolex Oyster werden immerhin 3790 Euro aufgerufen, oben thront auf der aktuellen Preisliste eine Day-Date mit 114  300 Euro – und zwischen beiden Markierungen gibt es jede Menge Zwischentöne im fünfstelligen Bereich. Einen genauen Überblick über das Ausmaß des Schadens hat Ohlsen noch nicht – aber wer seine Überschlagsschätzung von rund 150 gestohlenen Uhren zu Grunde legt, ahnt, was in dieser Nacht an Werten verschwunden ist.

Ein Teil der Beute befindet sich mittlerweile bei der Polizei. Die hatte nämlich nach der Alarmierung ein Team oberhalb des Heiliggeistgangs postiert – eben in diese Richtung aber versuchten die Einbrecher mit einem – wie schon der VW gestohlenen – Motorroller zu fliehen. Als sie mit dem Roller stürzten, konnten sich die Beamten des 1. Reviers einen der Flüchtenden schnappen. Der andere entkam unerkannt mit dem anderen Teil der Beute in Richtung Nordermarkt. Ohlsen hatte inzwischen Kontakt zu einem Zeugen, der den Flüchtenden gesehen haben will. Die Fahndung dauert an, die Kripo hofft auf weitere Zeugen.

Der Komplize im Polizeigewahrsam ist mittlerweile identifiziert. „Es handelt sich um einen 30 Jahre alten Schweden aus Södertälje südwestlich von Stockholm, der dort bereits wegen Eigentumsdelikten aufgefallen ist.“ Der flüchtige Komplize muss übrigens nicht zwingend aus Schweden stammen, denn andere Zeugen wollen gehört haben, wie die beiden Männer vernehmlich und auf Deutsch auf der Großen Straße darüber berieten, in welchem Winkel der Polo am wirkungsvollsten in die gepanzerte Eingangstür zu rammen ist. Hinweisgeber und Zeugen erreichen die Polizei unter Telefon 0461-4840.

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