Fahrensodde : Mit dem Kajak zur Selbstständigkeit

Ein Mann und seine Kayaks: Trenk Müller ist dabei, seine Leidenschaft zu seinem Beruf zu machen.
Ein Mann und seine Kayaks: Trenk Müller ist dabei, seine Leidenschaft zu seinem Beruf zu machen.

Der Flensburger Trenk Müller hat in Fahrensodde die erste Seekajakschule Deutschlands eröffnet.

shz.de von
13. Juli 2014, 07:14 Uhr

Trenk Müller hat einen Traum: „Ich muss unbedingt einmal mit dem Kajak unter der Golden Gate Bridge hindurch fahren.“ Dieser Wunsch sollte kein Traum bleiben, denn in San Francisco gibt es ein Seekajak-Symposium, an dem der Flensburger hin und wieder teilnimmt – da sollte doch etwas Zeit für eine kleine Paddeltour vom Pazifik in die San Francisco Bay übrig sein.

Der 44-Jährige hat eine große Leidenschaft für alles, was mit Kajakfahren zu tun hat. Die Leidenschaft ist so ausgeprägt, dass er sein Hobby zum Beruf – bisher Sozialpädagoge – machen will. Trenk Müller hat am 1. Januar in Flensburg die erste Seekajakschule Deutschlands gegründet (http://seakayakinggermany.com). Die ersten Kurse sind bereits erfolgreich gelaufen, Teilnehmer kamen aus Frankfurt, Erlangen und der Schweiz.

Die Schule hat kein eigenes Gebäude; seine Boote, erstklassige Seekajaks von Nigel Dennis aus Wales, lagert er beim 1. Flensburger Kanu-Klub in Fahrensodde; auch das Gelände des Klubs kann er für seine Kurse verwenden. Hier können Kursteilnehmer zelten, wenn sie möchten.

Doch warum überhaupt zur Seekajakschule gehen? Kann ich nicht einfach ein Kajak kaufen oder mieten und lospaddeln? Trenk Müller lächelt nachsichtig. „Das kann man auf der Treene oder der Schwentine machen. Aber nicht auf der Flensburger Förde.“ Die Förde ist Teil der Ostsee, hier gibt es fast immer Wind und damit auch Wellen, hier können Strömungen auftreten, und – ganz wichtig und häufig unterschätzt – das Wasser ist meist viel kälter als die Luft und als man denkt.

Und damit ist Müller bei einem wesentlichen Kursinhalt: der Sicherheit. Und das fängt bei der Kleidung und der Ausrüstung an und endet noch nicht beim Verhalten beim Kentern. Denn so viel ist klar: Wer zum Beispiel im April allein auf der Förde unterwegs ist und kentert, hat nur dann eine Überlebenschance, wenn er weiß, wie er allein wieder ins Boot kommt. „Die Leute sollen Respekt vor dem Wasser haben“, sagt er, „aber nicht Angst.“

Doch natürlich lernt man in der Schule auch Paddeltechniken, Navigation, Wetterkunde, wie man mit einem 5,40 Meter langen Boot ohne Steueranlage um die Kurve kommt, wie man ein- und aussteigt und tausend weitere Sachen. Es beginnt an Land, doch sehr bald geht es schon ins Wasser – beim viertägigen Grundkurs Ostsee in die Förde, beim dreitägigen Nordseekurs ins Wattenmeer bei Amrum, Hooge, Langeneß. Zudem gibt es Kurse, die mit einer zweitägigen Tour enden, zu der eine Übernachtung im Zelt gehört. Zur Orientierung: Ein Grundkurs mit vier bis acht Teilnehmern kostet 250 Euro plus Kajakmiete von 20 Euro pro Tag. „Ich bin aber kein Kajak-Vermieter!“, stellt Trenk Müller klar. Auch bestimmte Zertifikate nach europäischem Standard kann man erlangen, und zu den echten Spezialangeboten gehören Winterfahrten und ein Workshop für mit dem Grönland-Paddel, einem besonderen, von den Inuit entwickelten Paddel aus sehr leichtem Holz. „Im Original besteht es aus Seehund-Knochen.“ Da lernt man dann einige der insgesamt 65 Rolltechniken der Inuit.

Kajak fahren auf Vereinsebene und als Leistungssport ist seit Jahrzehnten in Deutschland etabliert. Doch daneben hat sich das „Seakayaking“ als Outdoor-Trendsportart entwickelt mit einer internationalen Szene aus Aktiven, Trainern und Händlern, die vor allem in Großbritannien boomt, aber auch in Dänemark. In diesem Spektrum hinkt Deutschland noch etwas hinterher. Neben Trenk Müller gibt es in Deutschland nur einen weiteren professionellen Coach, der sich als selbstständiger Unternehmer versucht. Ob es am Ende reicht, um davon zu leben – das weiß Trenk Müller in ein paar Jahren. Bis dahin und wohl auch danach will er das bei Mark Twain ausgeliehene Firmenmotto nicht zu kurz kommen lassen: „Explore, dream, discover“.

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