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Mit Buntstift, Lupe und Lunchbox durchs Museum

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beide Häuser auf dem Museumsberg haben jetzt einen Museumskoffer zum Ausleihen für Große mit Kleinen

Wer hätte gedacht, dass Cocktails und eine Lesung mit Musik und Prominenten mal Kindern zugute kommen würden. Michael Fuhr vermutlich, denn der Direktor des Museumsbergs sagt, der Erlös (rund 1000 Euro) der Veranstaltung „Bubikopf und Charleston“ im Vorjahr sei schon damals der Museumspädagogik versprochen gewesen. Und die hat jetzt zwei Koffer gepackt, einen gelben für das Hans-Christiansen-Haus und einen roten für das Naturwissenschaftliche Museum im Heinrich-Sauermann-Haus samt der Kinderabteilung, die es seit zwei Jahren gibt und noch nicht jeder kennen dürfte. Hier sei das Anliegen verfolgt worden, Kunst- und Kulturgeschichte zum Anfassen und Ausprobieren darzubieten.

Die Koffer ermöglichen genau das. Damit „Familien oder Gruppen mit kleinen Kindern auf ihre Kosten kommen und Spaß haben“, begründet Fuhr, stehen die Museumskoffer nun an der Kasse zum Ausleihen für die Ausstellungen, vorausgesetzt jemand anderes war nicht schneller und benutzt sie gerade. Michael Fuhrs Lieblingsobjekt im gelben Museumskoffer ist der Nolde-Würfel, der Schubladen beinhaltet, auch Utensilien zum Thema Jugendstil gibt es oder zur Künstlerkolonie Ekensund und vieles mehr. Im roten robusten Reisekoffer mit gestärkten Ecken und kleinen Abteilungen drinnen finden Kinder und Erwachsene ebenfalls zwei Kopfhörer und einen MP3-Player, um sich Hintergründe zu Vordergründen anzuhören.

Ähnlich wie beim Nolde-Würfel gibt es fürs Sauermann-Haus ein Schatzkästchen, dessen Teile sich in viele Richtungen bewegen lassen und den Blick auf Minibilder vieler Exponate frei geben, die man in der Ausstellung entdecken kann.

Künstlerin Antje Fuchs, die mit Museumspädagogin Meike Roos die Inhalte entwickelt und die Koffer bestückt hat, empfiehlt, sich mittels des Lageplans und des „Spielplans“ zu orientieren. Ein Kästchen voller Schleifen führt beispielsweise in die Barock-Abteilung im Sauermann-Gebäude und dort zu einem Gemälde von Graf Hinrich Blome von 1656. Seine Schmuckschleifen an den Schuhen und am Gewand seien Zeichen für besonderen Reichtum, weiß Michael Fuhr. Bis 500 Ellen Seide (250 Meter) habe man damals an sich getragen, wenn man es sich leisten konnte. Fuhr lenkt den Blick in den Raum zu gewaltigen Schränken. Deren Größe wundere nun niemanden mehr, folgert Fuhr, denn die üppigen Kleider müssen irgendwo aufbewahrt werden. „Kinder haben damit spielerisch eine Menge gelernt.“

Wer aus dem Koffer die Lupe nimmt, kann noch mehr entdecken, etwa den dänischen Elefanten-Orden des Grafen Blome oder das kleine Wappen im Bild der Dorothea Rantzau in einem anderen Raum. Ihr ist ein Täschchen im Koffer zugeordnet mit Anschauungsmaterial von feiner Spitze, erklärt Antje Fuchs und auch die Technik, wie Kinder mit Buntstift die Spitzen-Struktur auf Papier bringen können. Dann holt sie eine rote Lunchbox für die Lounge hervor und überrascht mit einem Burger. Der ist natürlich aus Kunststoff. Und auf seinen falschen Salatblättern werden die Kult-Stühle von 1952 des dänischen Designers Verner Panton, erklärt, die in der Lounge stehen.

Und auch kritische Kinder werden ihre Freude haben: Sie können Kritik ins Koffer-Tagebuch kritzeln. Oder auch, was sie dem nächsten Besucher besonders empfehlen würden, ergänzt Michael Fuhr.

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erstellt am 13.Nov.2014 | 10:30 Uhr

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