Nachts im Polizeiwagen : Mit Bauchgefühl auf Streifenfahrt

Bitte halten, Fahrzeugkontrolle: Polizeimeisterin Kim Petersen (li.) und Polizeikommissar Marc Bury lassen sich Verbandskasten und Warndreieck zeigen.  Foto: staudt
Bitte halten, Fahrzeugkontrolle: Polizeimeisterin Kim Petersen (li.) und Polizeikommissar Marc Bury lassen sich Verbandskasten und Warndreieck zeigen. Foto: staudt

Unterwegs im nächtlichen Flensburg mit Beamten des 1. Polizeireviers, die sich rund um die Uhr um die Sicherheit der Bürger kümmern.

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27. Juli 2012, 09:23 Uhr

Flensburg | In der Sommerserie "24 Stunden Flensburg" begeben wir uns an die unterschiedlichsten Orte der Stadt - jeweils für eine Stunde. Heute der letzte Teil: Nachtschicht bei der Polizei.
"Wenn wir am Anfang Scheiße bauen, kann das ganze Verfahren gefährdet werden." Streifenpolizist Marc Bury sagt diesen Satz aus Erfahrung, weil er in seiner langjährigen Polizeikarriere schon bei verschiedensten Szenarien der erste am Tatort war - und da gilt es, keine Spuren zu zerstören und die Lage richtig einzuschätzen.
Status 1 - einsatzbereit, signalisiert die Leuchte am Armaturenbrett des blau-silbernen Dienstfahrzeuges. So weiß die Einsatzleitstelle in Harrislee Bescheid, dass die Kollegen der Streife 1-14 abrufbar im Wagen unterwegs sind. Mindestens ein Fahrzeug des 1. Polizeireviers an den Norderhofenden ist in der Nacht immer auf Streife. Zwischen 1 und 7 Uhr betreuen die Beamten auch das Kreisgebiet mit. "Man weiß nie, was auf einen zukommt", sagt Bury, während er den Wagen in die Friesische Straße lenkt. "Es gibt Bauernregeln, die besagen, dass freitags und samstags immer viel los ist, wenn es regnet wenig - aber das stimmt nicht immer." Nur am Wochenende würden sich die "Hauereien" häufen. Festgelegte Fahrtrouten gibt es nicht. Vielmehr entscheide oft das Bauchgefühl, aber auch die Erfahrung, zu welchen Zeiten man sich an welche Plätze begeben sollte - zum Beispiel zur Exe. "Hier werden öfter mal Autos aufgebrochen, eine Runde zu drehen ist allein schon gut, um Präsenz zu zeigen." Die Scheinwerfer des Polizeiwagens tasten die große Fläche langsam ab, doch heute Nacht ist kein Mensch zu sehen.
Der Polizeikommissar steuert die B 199 Richtung Weiche an. Seine Kollegin Kim Petersen und er lassen den "Polizeiblick" über Fahrzeuge, Gebäude und die wenigen Menschen wandern, die nicht in ihren Betten schlummern. Kann man diesen Polizeiblick privat abstellen? "Nein, meine Frau macht sich auch immer darüber lustig", schmunzelt Marc Bury. Jetzt hat sein Polizeiblick einen dunklen Audi erfasst, der schon eine Weile vor dem Streifenwagen fährt. "Den schauen wir uns mal genauer an." Kurz nachdem das Stop-Signal auf dem Dach aktiviert ist, fährt der Audi rechts ran. Ein junger Mann steigt aus, die Polizisten gehen forschen Schrittes auf ihn zu, dabei immer eine Hand an der Waffe: "Fahrzeugkontrolle - ihre Papiere bitte". Der Fahrer ist sichtbar verunsichert von der Kontrolle. "Wann haben sie zuletzt Alkohol getrunken? Wohin sind sie unterwegs?", so die Routinefragen der Beamten. Schließlich lassen sie sich Warndreieck und Verbandskasten zeigen - damit kontrollieren sie, ob der Verkehrsteilnehmer einfache Aufträge ausführen kann. "Alles in Ordnung, gute Fahrt!" Der Gesamteindruck zähle, "der war unauffällig", sagt Bury.
Um 1.42 Uhr krächzt das Funkgerät. "1-14 hört", antwortet seine Beifahrerin. An der Marienallee sollen Jugendliche eine nächtliche Party feiern, Anwohner haben wegen Ruhestörung die 110 gerufen. Doch schon eine Straßenecke weiter kommt die Entwarnung. Sie sind weitergezogen. Wie man sich wachhält, in einer einsatzarmen Nacht? "Einfach mal anhalten, aussteigen und frische Luft schnappen hilft oft schon und ist gesünder als der viele Kaffee", verrät der Polizist. Gegen 3 Uhr steht meist ein Abstecher zum Bäcker an, frische Croissants machen müde Schutzmänner wach.
1.54 Uhr: "Alkoholisierte polizeibekannte Person randaliert an der Diako-Notaufnahme". 1-14 macht sich auf den Weg. Schon an der Einfahrt winkt ein Mann das Fahrzeug heran und teilt mit "der Herr ist abgedampft". Einsatz erledigt. Eine eher ruhige Nacht. Doch die Polizisten wissen nur zu gut, dass sich das binnen Sekunden ändern kann. "Das ist das Schöne an unserem Job, wenn der Puls hochgeht und man gleich funktionieren muss." Denn man weiß nie, was auf einen zukommt.

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