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Flensburger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 17:14 Uhr

Mit 140 Sachen über die Schiffbrücke

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kein Führerschein, keine Versicherung, keine Zulassung: Spritdiebe lieferten der Polizei halsbrecherische Verfolgungsfahrt

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2015 | 18:39 Uhr

Einmal volltanken und nicht zahlen – für die Kassenkraft der Tankstelle an der Flensburger Straße in Glücksburg ging das nicht in Ordnung. Um 19.50 Uhr am Mittwoch schaltete sie die Polizei ein. Für die Beamten mehrerer Polizeiwachen war das der Start in einen turbulenten Abend. Zunächst einmal entkamen die beiden jungen Leute in dem Audi 80 mit dänischen Kennzeichen. Die Fahndung nach dem flüchtigen Fahrzeug und seiner Besatzung lieferte in Flensburg den ersten Erfolg. Beamte vom 1. Revier in Flensburg entdeckten den gesuchten Audi an der Hafenspitze auf den Norderhofenden und starteten das in solchen Fällen übliche Programm: Anhalten, die Papiere bitte und so weiter.

Weil der Audi-Pilot darauf aber überhaupt keine Lust hatte, folgte eine Verfolgungsfahrt mit halsbrecherischen Sequenzen und Gefahr für Leib und Leben von Fußgängern und Radfahrern: Über die Norderhofenden, Schiffbrücke, Werftstraße, Apenrader Straße bis in die Neustadt versuchten die Sprit-Diebe zu fliehen, aber die Polizei ließ sich nicht abschütteln. Das fliehende Fahrzeug erreichte Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h – und zwar entgegengesetzt zur Fahrtrichtung auf der Busspur an der Schiffbrücke, teilweise im Gegenverkehr und bei riskanten Überholmanövern. Die Flüchtenden rasten über rote Ampeln und drängelten andere Fahrzeuge von der Fahrbahn. In der Straße Im Tal war die Fahrt zu Ende, die Insassen versuchten in der Dunkelheit über die Gärten der Einfamilienhäuser zu flüchten. Das wäre ihnen vielleicht sogar geglückt, aber die Polizei verfügte über eine Spezial-Ermittlerin, die die Verfolger schnell auf die richtige Fährte führte: Diensthündin Tara. Als ausgebildete Personen-Suchhündin war die Fahndung für sie ein Klacks. Tara nahm im Innenraum eine Geruchsprobe und führte die zweibeinigen Kollegen über mehrere Zäune in einen der Einfamilienhausgärten. Dort hatten sich die zwei Bruchpiloten im Buschwerk versteckt, Widerstand war angesichts des Diensthundes und der Überzahl an Beamten zwecklos.

Das Ergebnis der weiteren Ermittlungen lieferte Erkenntnisse, die diesen nicht alltäglichen Fall perfekt abrundeten. Der 20-jährige Fahrer präsentierte den Beamten zwar einen Führerschein, aber den hätte er eigentlich gar nicht mehr haben dürfen, so Matthias Glamann, der Polizeisprecher. Diesen Führerschein nämlich hatte der junge Mann vor kurzem als verloren gemeldet – ein beliebter Trick bei Leuten, die den „Lappen“ abgeben müssen. Sie behalten das „verlorene“ Dokument und geben dann den Ersatzführerschein ab, so Glamann. Bei dem 20-Jährigen war es wohl so gelaufen. Kurz nachdem er sich den gebrauchten Audi 80 angeschafft hatte, wurde er den Lappen los. Offenbar war das Verlangen, den abgemeldeten Wagen wieder zu fahren, einfach übermächtig gewesen.

Die dänischen Kennzeichen waren im Übrigen gestohlen gemeldet, teilt die Polizei noch mit. Im Fahrzeuginneren fand sich ein zweiter Satz. Der Audi wurde sichergestellt. Die beiden polizeibekannten 20- und 22-jährigen Flensburger wurden zur Wache gebracht und der Kriminalpolizei übergeben. Dass es bei der Fluchtfahrt trotz permanenter Warnsignale (Signalhorn) der Streife nicht zu schwerwiegenden Unfällen kam oder Personen verletzt wurden, hing nur vom Zufall ab, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. Die Flensburger werden sich in einem Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Betruges, Diebstahls, Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz, Urkundenfälschung, Kennzeichenmissbrauch, Verstoßes gegen Zulassungsverordnung, die Missachtung von Zeichen und Weisungen, diverser Geschwindigkeitsverstöße und Rotlichtmissachtung zu verantworten haben.

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