18-jähriger Asylbewerber in U-Haft : Mireille B. (17) in Flensburg erstochen: Indizien deuten auf Beziehungs-Drama hin

Von der Kripo versiegelt: Hinter dieser Haustür wohnte das Mädchen.
Von der Kripo versiegelt: Hinter dieser Haustür wohnte das Mädchen.

Der Tatverdacht gegen einen afghanischen Flüchtling hat sich erhärtet. Die Mordkommission ermittelt.

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15. März 2018, 05:25 Uhr

Das Schloss ist versiegelt, davor liegt eine Fußmatte mit dem Motiv fröhlicher Weihnachtswichtel – in harmonischer Zweisamkeit. Doch in der Wohnung ging es weniger harmonisch zu. Jetzt flackern Grablichter vor der Haustür. Konflikte zwischen Mireille B. und einem aus Afghanistan stammenden 18-jährigen Freund eskalierten in heftigen körperlichen Auseinandersetzungen, eine Gewaltspirale mit tödlichem Ende.

 

Am Mittwoch wurde bekannt, dass der zuständige Richter des Amtsgerichts auf Antrag der Staatsanwaltschaft am späten Dienstagnachmittag Haftbefehl wegen Totschlags gegen den jungen Mann erließ. Er befindet sich gegenwärtig in Untersuchungshaft. Viele Indizien deuten auf eine Beziehungstat hin.

Aus dem Umfeld der Flensburgerin wurde bekannt, dass sie im vergangenen Jahr ihren Hauptschulabschluss gemacht und sich zuletzt in Ausbildung befunden habe. Sie soll eine psychisch belastete Kindheit gehabt haben, mit zwischenzeitlicher Heimunterbringung. Die Wohnung an der Straße Zur Exe war offenbar von einer Jugendeinrichtung angemietet worden, deren Mitarbeiter sie ambulant betreuten.

Auch der mutmaßliche Täter ist, wie Mireille B., bis zuletzt vom Jugendamt betreut worden. Das bestätigte Clemens Teschendorf, Sprecher der Stadt, am Donnerstag. Schon am Mittwoch hatte eine Aktivistin von „Refugees Welcome Flensburg“ darauf hingewiesen. Teschendorf betonte, dass er sich zu Einzelheiten aus Datenschutzgründen nicht äußern könne. Der Afghane, der 2015 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland kam, werde auch in der Untersuchungshaft weiterhin betreut.

Als das Mädchen den jungen Afghanen kennenlernte, so berichten Anwohner, habe sie begonnen, ein Kopftuch zu tragen. „Es gab häufig Streit, den man durch die dünnen Wände deutlich vernehmen konnte“, sagt eine Nachbarin. Die Jugendliche sei seitdem immer zurückhaltender geworden.

Ulrike Stahlmann-Liebelt: „Sein Asylantrag ist abgelehnt worden – das Verfahren aber läuft noch.“
Marcus Dewanger
Ulrike Stahlmann-Liebelt.

Am Montagabend war das Opfer in der eigenen Wohnung erstochen aufgefunden worden. Wiederbelebungsversuche – erfolglos. Bereits die Auswertung erster Spuren ergab einen Tatverdacht gegen den 18-Jährigen. Er wurde von der Polizei vorläufig festgenommen.

Abgelehnter Asylbewerber

Am Mittwoch bestätigte die Staatsanwaltschaft offiziell, dass es sich bei dem Tatverdächtigen um einen afghanischen Flüchtling handelt, der seit 2015 in Deutschland lebte. Der Antrag des Asylbewerbers, sagte Ulrike Stahlmann-Liebelt, sei bereits abgelehnt worden. Damit drohte ihm die Abschiebung in sein Heimatland. Doch die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Es handele sich, so hieß es, um ein laufendes Verfahren.

Bestätigt wurde auch, dass es der Bekannte der jungen Frau gewesen sei, der selbst die Rettungskräfte alarmiert hatte. Die Vernehmung bei der Haftvorführung sei bislang ohne Ergebnis geblieben. „Der Mann“, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, „machte keine Angaben.“

Unterdessen ist eine Obduktion des Opfers von Rechtsmedizinern der Kieler Christian-Albrechts-Universität durchgeführt worden. Diese hat laut Kriminalpolizei ergeben, dass die schweren Verletzungen einer Fremdeinwirkung zuzuordnen sind. In der Wohnung waren bereits am Montag umfangreiche Spuren gesichert worden. So konnte eine Stichwaffe sichergestellt werden, die als Tatwaffe infrage kommt. Die Mordkommission ermittelt weiter. Rosen vor dem Hauseingang künden von großer Anteilnahme der Flensburger.

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