Hafen in der Diskussion : Minister kritisiert Flensburg

Industriedenkmäler im Verfall: Das Hafen-Ostufer mit den Speichern und Silos steht vor einem grundlegenden Umbau.
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Industriedenkmäler im Verfall: Das Hafen-Ostufer mit den Speichern und Silos steht vor einem grundlegenden Umbau.

FDP-Mann Bernd Buchholz warnt die Stadt vor der geplanten Bebauung von Hafenflächen auf der Ostseite der Förde

shz.de von
15. März 2018, 08:22 Uhr

Der schleswig-holsteinische Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Buchholz hat deutliche Kritik an den Plänen zum Bau von Wohnhäusern auf dem Gelände des Flensburger Wirtschaftshafens geübt. „Wenn man auf die Idee kommt, auf der Ostuferseite der Flensburger Innenförde eine Wohnbebauung anzugehen, dann verliert man diese Hafenflächen dauerhaft – und in Wahrheit hat man dann nicht nur einen Teil des Hafens aufgegeben, sondern den ganzen Hafen“, sagte FDP-Politiker Buchholz gestern nach einem Gespräch mit Vertretern der schleswig-holsteinischen Hafenwirtschaft in Berlin. Denn wenn erst einmal die ersten Bewohner in die Häuser einzögen, werde schon allein aus Lärmschutzgründen auch auf dem restlichen Hafengelände kein Betrieb mehr möglich sein.

Buchholz befürchtet sogar Nachteile für die am gegenüberliegenden Fördeufer beheimatete Werft FSG und die Fahrzeugbaugesellschaft FFG: „Das sind Lärm emittierende Industrieunternehmen – und wenn auf der anderen Fördeseite erst mal Wohnbebauung steht, dann kann mir keiner erzählen, dass nicht Beschwerden kommen nach dem Motto: Jetzt dürft ihr aber am Wochenende nicht auch noch Krach machen.“

Der Minister hält einen Rückbau des Hafens nicht zuletzt aus Umweltgründen für falsch. So kritisierte er den Vorschlag, dass etwa Kies statt über den Flensburger Hafen künftig mit Lastwagen aus der dänischen Hafenstadt Apenrade angeliefert werden könne. „Wir wollen Transporte von der Straße auf die Schiene oder das Wasser verlagern“, sagte Buchholz. „Und da haben wir in Flensburg manche Chance, die wir nicht vergeigen dürfen.“ Allerdings müsse die Stadt ihren Hafen wohl „erst wieder richtig entdecken“. Dass Flensburg vor nicht allzu langer Zeit noch „Fördermittel eingesackt“ habe, um den Hafen auszubauen, spiele offenbar schon keine Rolle mehr.

Auch der Gesamtverband schleswig-holsteinischer Häfen kritisierte gestern die Baupläne im Hafen. „Wir beobachten mit großer Sorge, was da in Flensburg geplant ist“, sagte Verbandschef Sebastian Jürgens. „Es kann nicht sein, dass man notwendige und sinnvolle Hafenflächen, die ja auch gefördert worden sind, in Frage stellt.“ Auch den Einwand, dass der Umsatz im Hafen über die letzten Jahrzehnte rückläufig war und sich auf niedrigem Niveau befindet, ließ er nicht gelten: „Hafenentwicklung ist ein langfristiges Geschäft“, sagte Jürgens. „Wenn man da mal ins Tal geraten ist, dann muss man sich eben wieder ’rauskämpfen.“

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