zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

24. August 2017 | 10:57 Uhr

Urban Gardening : Mini-Gärten mit Lerneffekt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Gärtnern in der Stadt“: Menschen mit „grünem Daumen“ bauen eigenes Gemüse an. Auf den öffentlichen Flächen sind Vandalismus und die Wasserversorgung ein großes Problem.

Flensburg | Gärten sind nicht nur ein Ort der Entspannung, sondern dienen auch zur Selbstversorgung. In den Städten wächst das Obst und Gemüse aber nicht im eigenen Garten, sondern kommt hauptsächlich aus dem Supermarkt. In Flensburg gibt es eine Reihe Initiativen, die ein gemeinsames Ziel haben: die Fördestadt zu einer „essbaren Stadt“ machen.

„Urban gardening“ heißt dieser Trend, bei dem jeder, der möchte, ein kleines Beet bepflanzen und sich selbst mit gesundem Essen versorgen kann. Kirsten Krienke-Tönnsen, die Initiatorin von „Gärtnern in der Stadt“, hat vor zweieinhalb Jahren die ersten Beete in der Flensburger Neustadt eingerichtet – auf der Dicker-Willis-Koppel. Vor drei Jahren habe sie einen Artikel über die Transition-Town-Bewegung („Stadt im Wandel“) gelesen, zu der auch das „Urban Gardening“ gehört. „So etwas wollte ich in Flensburg machen“, erzählt Krienke-Tönnsen. Sie trat an die Stadtvertreter heran, die der Idee zunächst positiv gegenüber standen. „Sie hatten aber Bedenken, dass die Aktion nach einem Jahr aufhören würde“, erzählt die ehemalige Kindergarten-Leiterin, die seit 30 Jahren Vegetarierin und Selbstversorgerin ist. Krienke-Tönnsen konnte sie jedoch überzeugen und bekam im ersten Jahr Geld vom Stadtteilfonds, um ihr Projekt zu finanzieren. Neben der Dicker-Willis-Koppel gibt es im Lutherpark, im Arnkielpark in Weiche und in Engelsby an der Max-Reger-Straße Beete, die von Gartenfreunden und Schulen bepflanzt werden. Die kleinen Gärten befinden sich auf öffentlichen Flächen, und alle Aktivitäten sind laut Krienke-Tönnsen mit dem Technischen Betriebszentrum und der Stadt abgestimmt.

An der Dicker-Willis-Koppel wurden acht Beete angelegt, die von Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren angefertigt wurden. Sie nehmen am Projekt „Zapp“ der Bequa in Flensburg teil, das jungen Leuten die Integration in Ausbildung, Arbeit, weiterführende Schulen oder andere, sich anschließende qualifizierende und berufsvorbereitende Bildungsangebote erleichtert.

Zwei der kleinen Gärten auf der Grünfläche an der Meisenstraße werden von der Kindertagesstätte Sol-Lie, zwei von der Schule Ramsharde und vier von Privatpersonen mit einem mehr oder weniger ausgeprägten „grünen Daumen“ betreut. Sie alle kommen regelmäßig zu ihren Beeten, um das Gemüse und die Kräuter zu gießen, zu ernten oder um Unkraut zu jäten. Die Kinder der Kita-Sol-Lie haben kleine Tomaten, Zucchini, Erdbeeren und Kapuzinerkresse gesät. „Die Kinder haben alle mit angepackt, als gepflanzt wurde“, erzählt Krienke-Tönnsen. „Als die Erdbeeren reif waren, haben sie sie mit großer Freude geerntet.“ Nicht nur die Kleinen, sondern auch die Erwachsenen profitieren vom Mini-Garten und lernen viel dazu. Wie man zum Beispiel richtig Gemüse anbaut.

Die Kosten für ein Beet halten sich in Grenzen. „Die Gärtner zahlen lediglich die Samen“, erzählt Krienke-Tönnsen. Die Beete, die aus einem Holzrahmen mit Erde bestehen, kosten pro Stück rund 40 Euro und werden durch Spenden finanziert. Deshalb sei es umso ärgerlicher, wenn Menschen jene zerstören. Die ehemalige Kindergarten-Leiterin zeigt ein Foto von einem Fußabdruck in einem Beet, auf einem anderen Bild sind herausgerissene Pflanzen zu sehen. Probleme gibt es auch mit der Wasserversorgung, denn nicht an jeder Stelle gibt es eine Quelle. An der Dicker-Willis-Koppel bekommt Krienke-Tönnsen Wasser von der Kirchengemeinde St. Petri an der Bauer Landstraße, an anderen Plätzen ist die Versorgung schwieriger. „Einmal hat uns sogar die Feuerwehr ausnahmsweise ausgeholfen“, so die langjährige Vegetarierin.

Wer sich an der Initiative beteiligen möchte und einen „grünen Daumen“ hat, kann sich bei Krienke-Tönnsen melden. „Jeder kann mitmachen“, sagt sie. Das gelte auch für die Flüchtlinge, die sich zurzeit in Flensburg aufhalten. Und wer die selbst angebauten Gemüsesorten probieren möchte, kann das tun, denn Naschen ist erlaubt.

 

zur Startseite

von
erstellt am 09.Sep.2015 | 14:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen