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Aus Wrack mach neu : Millionenprojekt für Klassiker-Werft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vom Grund des Lake Pitt in Vancouver Island zum Flensburger Industriehafen: eine alte Yacht-Lady kommt dort wieder zu Ehren. Robbe & Berking-Werft will 74 Jahre alte britische Rennyacht Jennetta wieder aufbauen

Johan Ankers „Unvollendete“ geht mit 74 Jahren Verspätung ihrer Vollendung entgegen, und „Jenetta“ schlägt die Stunde. Die Robbe & Berking-Yachtwerft am Industriehafen hat ein neues Projekt in Angriff genommen. Zum bereits zu 50 Prozent fertig gestellten Entwurf des norwegischen Yachtkonstrukteurs gesellt sich ein Meister aus Schottland: Alfred Mylne ist für die 1939 entstandene 12mR-Yacht Jenetta verantwortlich, die in den kommenden zwei Jahren am Flensburger Industriehafen für Beschäftigung sorgen wird. Kosten der Schiffsrettung: gut 1,5 Millionen Euro.

Zwei Jahre lang lag ihr Bleikiel wie ein gestrandeter Wal auf dem Gelände der Robbe & Berking-Yachtwerft am Industriehafen. Und gestrandet war sie in der Tat auch irgendwie. Berking hatte die Yacht in Kanada ausfindig gemacht. Nach einem bewegten, strapaziösen Yachtleben mit am Ende sehr nachlässigen Eignern war Jenetta am Morgen des 1. Weihnachtstages 2008 an ihrem Bootssteg am Lake Pitt sang- und klanglos gesunken, so als habe sie einfach keine Lust mehr auf dieses lausige Leben einer ehemaligen Luxusyacht.

Aber so leicht wollte der Klassik-Liebhaber und Werftbesitzer Oliver Berking Jenetta nicht davon kommen lassen. In einer Ko-Produktion mit dem Flensburger Logistik-Unternehmen Transit Transport wurden die wichtigsten Teile Jenettas trauriger Reste geborgen und im Überseecontainer nach Flensburg gebracht. Das war im Januar 2010, und ursprünglich wollte Berking unverzüglich mit dem Neubau des mit längsten je gebauten „Zwölfers“ (12 ist eine Vermessungszahl der Meterklasse-Formel und gibt nicht die tatsächliche Länge an) beginnen. Aber es kam so einiges dazwischen. Werftleiter Sönke Stich: „Wir hatten keinen Käufer für Jenetta, wohl aber eine ganze Reihe von konkreten Bauaufträgen, die Vorrang hatten.“

Vor allem die Baunummer Anker 434 forderte die Kapazitäten der Werft. Im Auftrag eines Kunden aus Kopenhagen entsteht ein Zwölfer, den der norwegische Meister der Linien wohl zeichnete, aber nicht mehr bauen konnte. Anker starb 1940 – Robbe & Berking sicherte sich aber die Konstruktionspläne und will das yachthistorisch bedeutsame Schiff im Sommer 2014 übergeben. Mittlerweile ist Anker 434 komplett aufgeplankt.

Für Stich war es wichtig, die positiven Effekte aus dem Bau des Schiffes auf die Jenetta zu übertragen. Zur Zeit werden bereits ihre Spanten aus Niro-Stahl gebogen. Bis auf den Bleikiel, so Stich, lässt sich aber nichts mehr für den Bau verwenden. Das Projekt läuft auf einen Neubau hinaus – und der Zeitpunkt ist einfach günstig. „Die Anker-Yacht ist zu mehr als 50 Prozent fertig. Wenn wir jetzt daneben Jenetta auf Kiel legen, schaffen wir Synergie-Effekte und können sehr kompakt bauen.“

Die schöne Britin – sie war in ihrer Jugend für den „Herrensegler“ und „Zuckerkönig“ Sir William Burton unterwegs – gilt als eine der schnellsten 12mR-Yachten ihrer Zeit. Oliver Berking hatte und hat regelmäßig Anfragen Jenetta betreffend. Eine Langzeit-Charter für die Yacht wäre nach ihrer Fertigstellung – voraussichtliche Bauzeit zwei Jahre – sehr wahrscheinlich, am liebsten aber würde der Flensburger das Schiff natürlich verkaufen. „Das Interesse ist zweifellos vorhanden, der Markt auch“, sagt Berking. Er ist sicher, wenn er jetzt mit dem Bau beginnt, wird Jenetta in zwei Jahren einen Liebhaber finden.

 

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erstellt am 02.Jan.2014 | 09:30 Uhr

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