Flensburger Stadtwerke : Millionen-Schleuder KWK Plus?

 Walter Baar in 135 Metern Höhe - damals war er Betriebsleiter des Kraftwerks und freiberuflicher Berater.  Foto: Staudt
Walter Baar in 135 Metern Höhe - damals war er Betriebsleiter des Kraftwerks und freiberuflicher Berater. Foto: Staudt

Neun Millionen in vier Jahren: Stadtwerke-Gesellschafter diskutieren nach WiF-Präsentation Beratertätigkeit beim Kraftwerksumbau

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04. Mai 2011, 06:48 Uhr

Flensburg | Der überraschend schnelle Abgang von Stadtwerke-Chef Matthias Wolfskeil war nur ein Indiz: Im Hintergrund des kommunalen Unternehmens ist einiges in Bewegung geraten. Es geht um strategische Entscheidungen für die Zukunft des Flensburger Energieversorgers - aber auch um die Aufarbeitung der Vergangenheit. Und da steht unter anderem im Moment eine Personalie auf der Tagesordnung, die zeitweilig im Unternehmen selbst für Kopfschütteln sorgte.

Das geht aus dem Protokoll einer Gesellschafterversammlung hervor, das unserer Redaktion vorliegt. Am 1. Februar beschäftigte man sich dort intensiv mit einem Mitarbeiter, der mit den Stadtwerken zeitweilig gute Geschäfte machte - Walter Baar. Mit seiner Firma Baar-Consulting aus Öber-Mörlen war er in erheblichem Maße am Umbau der Stadtwerke nach dem KWK plus-Konzept beteiligt. Christian Dewanger (WiF) bezifferte den finanziell wirksamen Anteil der freien Mitarbeit zwischen 2004 und 2008 auf rund 4 Millionen von insgesamt 8,9 Millionen Euro, die die Stadtwerke seinerzeit allein in Berater-Dienstleistungen investierten.

Eine Summe, die einige im Gremium tief durchatmen ließ: Bürgermeister Henning Brüggemann fragte nach, ob den Mitgliedern des Aufsichtsrates die vorgestellten Beratungsleistungen so bekannt gewesen seien, Aufsichtsratsvorsitzender Rolf Helgert bestätigte, dass ihn die Größenordnung im Nachhinein schon überrascht habe.

Es ist aber nicht nur die Höhe der finanziellen Vergütungen - es ist auch die doppelte Bindung Baars an das Unternehmen, die für Stirnrunzeln sorgt. Zum einen war er über seine Gesellschaft freiberuflicher Berater, zum anderen stand Baar zwischenzeitlich aber auch - gut dotiert - auf der Liste der versicherungspflichtig Beschäftigten. Als technischer Betriebsleiter des Kraftwerks sowie später auch als Geschäftsführer der MEISH - eine Verflechtung, die in der Mitarbeiterschaft zu Diskussionen geführt habe, wie Stadtwerke-Mitarbeiter und Aufsichtsrat Edgar Möller berichtete.

Diese stark defizitäre Stadtwerke-Tochter ist für die Aufbereitung der Ersatzbrennstoffe für die Stadtwerke-Kessel zuständig. Ausweislich des Dewanger-Berichtes leistet sich Baar-Consult im prognostischen Teil des MEISH-Wirtschaftsplanes fatale Ungenauigkeiten: Für 2010 seien 670 000 Euro Verlust in Aussicht gestellt worden. Tatsächlich aber habe die Stadtwerke-Tochter bereits nach einem Dreivierteljahr einen Verlust von 1,14 Millionen Euro eingefahren. Die Qualität der Beratungsleistungen, so Dewanger, sei fraglich. "Es wurden Millionen verschwendet, mit zweifelhaftem Resultat!"

Beratungsleistungen beschäftigen seit anderthalb Jahren auch die Staatsanwaltschaft in Kiel. Die hatte im Juni vorletzten Jahres die Ermittlungen aufgenommen und Hausdurchsuchungen in Baars Firma sowie bei den Stadtwerken angeordnet. Die Ermittler verdächtigen Baar, sechsstellige Zuwendungen auswärtiger Unternehmen entgegengenommen zu haben. Offiziell sei eine Beratertätigkeit bezahlt worden, tatsächlich aber, vermutet die Staatsanwaltschaft, ging es um die Pflege guter Beziehungen.

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