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Flensburger Tageblatt

22. September 2017 | 13:54 Uhr

Millionen-Gewinn für Stadtwerke

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Überschuss von knapp neun Millionen Euro / Hoher Stromabsatz dank externen Kunden / Kessel 12 arbeitet reibungslos

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2016 | 12:25 Uhr

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen schließen die Stadtwerke Flensburg das Jahr 2015 mit einem Überschuss von 8,8 Millionen Euro nach Steuern ab. Der Umsatz im Konzern stieg auf die Rekordsumme von 395 Millionen Euro, wie der zufriedene Stadtwerke-Chef Maik Render gestern erläuterte. Den Großteil des Geldes habe man mit Stromkunden außerhalb des eigentlichen Verbreitungsgebietes verdient, so Render. Mittlerweile habe der Anteil externer Stromkunden die Marke von 80 Prozent überschritten.

„Das war 1998 die richtige Entscheidung, auf den überregionalen Markt zu gehen“, sagte Rolf Helgert, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Stadtwerke. Insgesamt haben die Stadtwerke im abgelaufenen Jahr 1479 Gigawattstunden Strom verkauft. Mit dem neuen Erdgas-Kessel, der erst vor wenigen Wochen eingeweiht worden ist, können die Stadtwerke deutlich flexibler auf die Anforderungen eines schwer zu berechnenden Strommarkts reagieren, auf dem sich die Preise mehrere Male pro Tag ändern. Dabei rutschen sie hin und wieder ins Minus, so Render, so dass man Geld bekommt, wenn man Strom abnimmt. Das bedeutet in der Praxis, dass der Gaskessel morgens hochgefahren wird und spätestens vormittags, wenn massenhaft Wind- und Solarstrom produziert wird, wodurch die Preise in den Keller gehen, wieder runterfährt. Abends wird er dann ein zweites Mal hochgefahren. „Wir gehen von 500 Starts im Jahr aus“, so Render. Ein mit Kohle befeuerter Kessel hat dabei erheblich längere Anlaufzeiten.

Ein zweiter Grund für die gute Stimmung an der Batteriestraße liegt fast 50 Jahre zurück: Die Entscheidung für den Aufbau der Fernwärme in den 70er Jahren. „Wer heute nur Strom produziert“, so Render, „ist extrem unter Druck.“ Das gelte für eine Reihe von Stadtwerken in Deutschland, vor allem in Nordrhein-Westfalen. So müssten die Stadtwerke Duisburg mit 160 Millionen Euro von der Stadt gestützt werden.

Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) hingegen, wie in Flensburg seit Jahrzehnten praktiziert, wird staatlich gefördert – in Zukunft allerdings nur noch auf Erdgas-Basis. Flensburg werde, verteilt auf rund 20 Jahre, im schlechtesten Fall 47 Millionen Euro Förderung für die modernisierte KWK bekommen; der Kessel 12 hat 128 Millionen gekostet.

Mit der neuen Turbine laufe alles prima, freute sich der Stadtwerke-Chef: „Wir sind glücklich.“ Man sei im Zeit- und im Finanzplan geblieben, auf Knopfdruck fahre die Anlage hoch und könne bis zu 50 Prozent der Gesamtlast des Kraftwerks tragen.

Schade nur, dass es im Winter immer so warm ist – findet Render. Mit 914 Gigawattstunden lag der Absatz erneut unter der 1000er Grenze und lag nur etwas über dem Jahr 2014, als es, so Render, „brutal warm“ war. Mit Wehmut denkt er an 2010 zurück, als er nach Flensburg kam und der Schnee sechs Monate liegen blieb. Da lag der Fernwärme-Absatz deutlich über 1000 Gigawattstunden.

In der Zukunft will der Energieversorger von der Förde sein Geschäftsfeld erweitern. Das Glasfasernetz, das seinen ersten Ausbau in den Jahren 1995 bis 2000 durch die damalige KomTel erlebt hatte, soll weiter wachsen. „Hier werden wir im Herbst eine wichtige strategische Entscheidung fällen“, kündigte Helgert an. Es gehe um die flächendeckende Versorgung der Stadt, um Hausanschlüsse und sogar Produktangebote. Auch werde man in den Gasmarkt für Privat- und Geschäftskunden einsteigen, allerdings nur bundesweit und nicht in Flensburg, wo es kein Gasnetz gibt.

Der Absatz von Trinkwasser liegt relativ konstant bei knapp unter fünf Millionen Kubikmeter. „Die große Zeit des Wassersparens ist erst einmal vorbei“, bilanzierte Render.

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