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Spendenaktion : Milch, Eier, Nudeln: Sterne als Spenden für Bedürftige

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit einem Jahr versorgen Kunden eines Lebensmittelmarkts in der Neustadt Menschen mit dem Nötigsten.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2014 | 08:00 Uhr

Sami Senol ist kein Dampfplauderer. Und keiner, der große Töne spuckt. Der 49-jährige Mitinhaber des Edeka-Marktes in der Neustadt wirkt nachdenklich. Er wählt seine Worte mit Bedacht. „Zahlreiche unserer Kunden zählen zu der einkommensschwächeren Schicht.“ Und schlimmer noch: „Viele aus dem Stadtteil können sich bestimmte Grundnahrungsmittel überhaupt nicht leisten.“

Daher hat der selbstständige Einzelhändler zusammen mit Co-Inhaber Sven Hartwig vor einem Jahr eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Die Idee dazu habe er sich zwei Monate zuvor bei einem Urlaub in der Türkei abgeguckt. „Ich habe diese Art der Spende bei einem Bäcker gesehen und dachte mir: Das machen wir auch bei uns.“

Gesagt, getan: Im Kassenbereich des Edeka-Marktes gibt es kleine gelbe Sterne, die je eines von 20 Nahrungsmitteln repräsentieren, etwa Milch, Eier, Brot oder Nudeln. Die Sterne gleichen Gutscheinen, von denen jeder Kunde beliebig viele kaufen kann – und bekommt sieben Prozent Rabatt. „Die Mehrwertsteuer übernehmen nämlich wir“, berichtet Senol.

Statt der Ware bekommen die Kunden dann pro Stern einen Magneten, den sie an eine Pinnwand beim Leergutautomaten im Eingangsbereich des Supermarktes hängen. „Jeder Bedürftige darf sich Magneten von der Pinnwand nehmen und damit das darauf abgebildete Produkt an der Kasse bezahlen.“

Und die Aktion kommt an: „Vor einem Jahr haben wir die Aktion begonnen und bislang wurden rund 1200 Lebensmittel auf diese Art gespendet“, sagt Senol. Doch das reicht dem 49-Jährigen nicht. „Die Beteiligung könnte höher sein.“

Denn die Zahl der Bedürftigen übersteige die der Spender deutlich. „Die Magneten sind immer schnell vergriffen.“ Aber: Eine Bedürftigkeitsprüfung gebe es nicht. Senol vertraut daher auf die Ehrlichkeit seiner Kunden. Realistisch genug ist er dennoch, um zu wissen, dass sich „das ein oder andere schwarze Schaf darunter versteckt.“

Das ist ihm die Sache wert. Dazu tragen auch „die vielen positiven Rückmeldungen“ bei, von denen der Marktleiter Cüneyt Gündogdu berichtet. „Die stammen von den Spendern, die meisten Bedürftigen schämen sich dafür, auf Hilfe angewiesen zu sein.“

Auf Unterstützung hatte Senol zum Start der Aktion auch gehofft. „Wir haben leider vergeblich nach einem Sponsor gesucht.“ Und so investierten die beiden Inhaber rund 3000 Euro in die Sterne, Magnete und Tafel.

Das hält Hartwig und Senol jedoch nicht davon ab, laut über eine Ausweitung der Spendenaktion nachzudenken. „Vielleicht gibt es sie irgendwann auch in unserem Markt in Langballig“, sagt Senol ruhig, ohne einen Anflug von Enthusiasmus. Nicht einmal ein zufriedenes Lächeln huscht in sein Gesicht. Zufrieden wäre er erst, wenn er sich mit seiner Spendenaktion überflüssig gemacht hat.

 

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