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Wohnungen für Asylsuchende : „Mietwucher gibt es bei uns nicht“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ausländerbehörde rechnet mit mehr Asylsuchenden in Flensburg und ist auf der Suche nach neuen Quartieren

shz.de von
erstellt am 09.Jan.2014 | 07:46 Uhr

Die Flut der Asylsuchenden reißt nicht ab – auch in Flensburg nicht. Weit über 200 Menschen leben hier mit einem ungesicherten Aufenthaltsstatus. „Jede Woche kommen etwa drei bis vier Asylbewerber zu uns“, sagt Kirsten Jessen, Leiterin der Ausländerbehörde.

Auch wenn die Lage an der Förde sich nicht dramatisch zuspitzt wie in anderen Städten, so gibt es doch, wie Kirsten Jessen einräumt, ein Kapazitätsproblem. „Wo“, fragt sie, „sollen wir all die Menschen unterbringen?“ Es sei nicht immer einfach, genügend Wohnraum bereitzustellen. Denn der Zustrom ist ungebrochen – und ein Ende nicht in Sicht. Angesichts der Krisenherde in der Welt sei „eine Entspannung der Lage kaum abzusehen“.

Deshalb hat die Stadt zu den bestehenden sieben Unterkünften zwei weitere Wohnobjekte ins Visier genommen. „Die Verhandlungen laufen derzeit über die Kommunalen Immobilien“, erläutert Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Die genauen Standorte will er nicht preisgeben. „Es gibt auch hier ein Recht auf die Intimsphäre.“ Nur so viel: Es sind Häuser für maximal 20 Personen („sonst ist die Betreuung nicht sichergestellt“); die Verwaltung setzt auf dezentrale Unterbringung statt auf Gemeinschaftsunterkünfte.

Dass Vermieter die Notlage ausnutzen, wie andernorts bekannt geworden ist, sei in Flensburg noch nicht vorgekommen. „Mietwucher konnten wir bis jetzt verhindern.“ Die Tatsache, dass die Kommunalen Immobilien mit ihren profunden Kenntnissen des Wohnungsmarktes eingebunden sind, bürge dafür, dass sich die Grundmiete im ortsüblichen Rahmen bewege. Auch das Modell, dass sich Makler die Vermittlung und Betreuung notleidender Personen teuer bezahlen lassen und daraus Profit schlagen, wie es Clemens Teschendorf aus dem Speckmantel Hamburgs zu Ohren gekommen ist, sei hier undenkbar.

Ein Hostel dient als erste Anlaufstelle der Asylbewerber, die vorrangig aus Afghanistan und dem Irak kommen. Hier ist für diese Klientel ein Trakt von den Zimmern für Backpacker abgegrenzt. „Das garantiert Flexibilität, wir haben Spielraum für die weiteren Schritte und wenig Aufwand“, sagt Kirsten Jessen. Eine muttersprachliche Betreuung sei oft gewährleistet, weil das Netzwerk die Migrationsberatungsstellen der Diakonie und der Awo integriert. Dort können Dolmetscher organisiert werden, hier finden die Asylsuchenden Hilfe bei Schulfragen, Behördengängen und anderen Problemen. „Auch untereinander gibt es viel Unterstützung“, betont Kirsten Jessen. „Diejenigen, die schon länger in Flensburg leben, helfen den neu Hinzugekommenen.“

Ein Problem stellen offenbar die Ankömmlinge aus Serbien und Mazedonien dar, deren Anträge in aller Regel zügig abgelehnt werden. Doch es gibt eine Anweisung aus Kiel, sie über die Wintermonate hier zu beherbergen. „Sie bleiben ein halbes Jahr“, so Kirsten Jessen, „dann gehen sie wieder.“

Ansonsten, versichert Kirsten Jessen, habe die Ausländerbehörde mit ihren Kooperationspartnern die Situation gut im Griff. „Man kann aus dem Ministerium nicht nur wohlwollend, sondern sogar erfreut nach Flensburg blicken“, sagt Pressesprecher Clemens Teschendorf.

 

 

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