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Tag der Arbeit : Metaller gegen dänisches Lohndumping im Grenzland

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Gut besuchte 1. Mai-Kundgebung gestern auf dem Südermarkt. Erinnerung an Ereignisse von 1933.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 07:38 Uhr

Flensburg | Das Wetter meinte es gut mit den Werktätigen und den Gewerkschaften am gestrigen Tag der Arbeit. Unter strahlend blauem Himmel trafen sich mehrere hundert Menschen auf dem Südermarkt, um den kämpferischen Reden der Gewerkschafter und den nicht minder kämpferischen Songs des irischen Sängers Mick Finnigan zu lauschen. Viele Parteien und Wählergemeinschaften nutzten die Gelegenheit, sich und ihre Programme den Wählern gut drei Wochen vor der Kommunalwahl zu präsentieren und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Heute vor 80 Jahren begann die Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten. Beim so genannten "Tag der Volksgemeinschaft" wurde das damalige Gewerkschaftshaus in der Schlossstraße von der SA gestürmt und besetzt. Bedauert wird, dass es bei den heutigen Eigentümern des Hauses keinen Konsens über die Anbringung einer Gedenktafel gibt. Bei einem stadthistorischen Rundgang nach der Kundgebung, an dem rund 60 Personen teilnahmen, gab es an vier Erinnerungsorten Informationen zu den Ereignissen am 2. Mai 1933.

Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall in Flensburg, Michael Schmidt, wandte sich in seiner Rede gegen Lohndumping im Grenzland. Es gebe Unternehmen in Dänemark, die Betriebe nördlich der Grenze schließen, um sie südlich davon wieder zu öffnen - nur zu deutlich schlechteren Lohnbedingungen als in Dänemark. "Wir sagen Nein zu dieser Politik!", rief Schmidt. "Es kann nicht sein, dass Deutschland ein Lohndumping-Land wird."

Das bekräftigte auch die dänische Gewerkschafterin Lejla Heldt, die bei Danfoss in Gravenstein arbeitet. "Tarifverträge müssen auf beiden Seiten der Grenze gelten - auchi n Flensburg bei Danfoss Silicon Power", sagte sie bei ihrem kurzen Gastauftritt.

Schmidt untermauerte die Forderung nach 5,5 Prozent mehr Lohn in der aktuellen Tarifauseinandersetzung der Metall- und Elektro-Industrie. Das Angebot der Arbeitgeber von 2,3 Prozent für 15 Monate - darunter zwei Null-Monate - liege in Wahrheit bei 1,9 Prozent und damit unterhalb der Inflationsrate. "Das lehnen wir rigoros ab", so Schmidt. Für kommenden Freitag kündigte er die ersten Warnstreiks im Norden an. "Wir müssen selbstbewusst für unsere Forderungen auf die Straße gehen."

Ein Schwerpunkt werde der Einsatz im Kfz-Handwerk sein, ergänzte der Flensburger Chef-Metaller. Der Tarifvertrag gelte für 25 Betriebe im Norden, "wir wollen aber auch an die nicht tarifgebundenen Betriebe herantreten."

Für die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) erinnerte danach Joachim Sopha an die harten Arbeitsbedingungen im Bäcker-Handwerk und wies deutlich den Wunsch der Arbeitgeber nach einem tag weniger Urlaub zurück. "Die Bäcker sollen ihre Lohnerhöhung selbst bezahlen, das machen wir nicht mit!" Zum Teil liege der Lohn "nur einen Cent über der Sittenwidrigkeit", wetterte Sopha.

Nicht zu akzeptieren sei die Situation vieler 400-Euro-Kräfte - "da drüben, in der Flensburg-Galerie. Die bekommen keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall! Ordentliche Arbeit muss ordentlich bezahlt werde!"

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