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20-Jähriger in Flensburg getötet : Messerattacke in Klues: „Ich werde dich abstechen, du Hurensohn“

vom

Emre* aus Klues wurde am Sonntagmorgen im Eingang seines Elternhauses niedergestochen. Ein Verdächtiger sitzt in U-Haft.

shz.de von
erstellt am 18.Apr.2017 | 06:47 Uhr

Flensburg | „Schatz, es is alles gut, keine Panik“ – das sind die letzten Worte ihres Freundes, die Leyla in Erinnerung behält. Er wollte sie beruhigen nach einer Messerattacke, habe sein T-Shirt angehoben, um die Stichverletzungen zu zeigen. Leyla* beschreibt bedacht, wie Emre* (*Namen von der Redaktion geändert) in den Morgenstunden des Ostersonntags in Klues vor ihren Augen getötet wurde.

Der 20-Jährige habe den Geburtstag eines Freundes im „Kings“, einer Bar an der Schiffbrücke, gefeiert. Sie selbst sei auf einer anderen Geburtstagsfeier gewesen und erst gegen ein Uhr am Sonntag in das Lokal dazugestoßen. Dort hätten sie anderthalb Stunden verbracht, bis es zum Streit zwischen dem Tatverdächtigen und Emre gekommen sei. Ein Freund, der die Party früher verlassen wollte, hatte zuvor seine Cousine in die Obhut des 20-Jährigen übergeben. „Emre sollte auf sie aufpassen“, berichtet Leyla. „Der Täter hat das Mädchen aber unsittlich berührt.“ Ihr Freund habe den Mann zur Rede stellen wollen. „Sie sind rausgegangen, nur um zu reden“, betont die 19-Jährige.

Als ihr Freund und der Tatverdächtige nach einigen Minuten nicht in die Bar zurückkehrten, sei sie ebenfalls nach draußen gegangen, um nachzusehen, was los war. Außerhalb des Geländes standen sich zwei Parteien gegenüber, es gab „verbale Attacken“, sagt Leyla. Sie wollte mit ihrem Freund nach Hause, der habe noch versucht, sich um das Mädchen zu kümmern, um das er sich kümmern sollte. Sie schickten die Freundin zum Auto. „Ich habe sie noch ein paar Mal angerufen“, sagt die junge Frau aus Hamburg, die in einem Jahr in Flensburg ihr Studium an der Hochschule aufnehmen will. Ihrem Freund Emre habe der Täter hinterhergerufen: „Ich werde dich abstechen, du Hurensohn.“ Doch das, so erinnert sich Leyla, habe das Paar für eine „leere Drohung“ gehalten. Leylas Freundin Deniz*, die Emre von Kindesbeinen an kennt, erinnert sich an einen Vorfall vor drei Wochen. Da seien der Tatverdächtige und Emre schon einmal aneinander geraten. „Er war ein unfassbar lieber Mensch“, betont Deniz, „überhaupt nicht gewaltbereit.“ Konflikte habe Emre stets mit sich selbst ausgetragen.

Zurück zum Sonntagmorgen: Das Opfer und Leyla seien mit dem Auto auf Umwegen zu Emres Haus nach Klues gefahren. „Wir sind um das Kings herum gefahren, um zu sehen, was passiert“, erklärt die Hamburgerin. Im Elternhaus hätten sich beide schließlich schlafen gelegt. Nach einer Viertelstunde, so schätzt Leyla, habe es an der Tür geklingelt, „ganz kurz“. Ihr Freund sei hingegangen, um zu öffnen, sie hinterher.

Emre habe sich zu ihr umgedreht, das T-Shirt gehoben und „keine Panik“ gesagt, berichtet die 19-Jährige langsam und gefasst, findet keine Worte für die eigentliche Tat. Während sie den Notruf absetzte, kümmerte sich die Familie um den niedergestochenen 20-Jährigen. „Ich hatte Augenkontakt zum Täter“, sagt sie, er sei geflohen. Einen zweiten Tatverdächtigen habe sie nicht gesehen, schließt aber nicht aus, dass ein Begleiter draußen gewartet haben könnte. Ihr Freund konnte die zweite Eingangstür schließen, bevor er ins Haus hineinging und zusammenbrach. „Traurig ist, dass die Polizei vor dem Rettungswagen da war“, sagt Leyla leise. Sie fuhr mit der Polizei ins Krankenhaus. Den Seelsorger habe sie mehrere Male gefragt, ob Emre lebt.

Nach Angaben der Leitstelle nahm die Mordkommission der Bezirkskriminalinspektion Flensburg am frühen Sonntagmorgen die Ermittlungen auf und noch im Lauf des Vormittags zwei 20-jährige Flensburger in polizeilichen Gewahrsam. Wie die Polizei am Montag mitteilte, verdichtete sich der Tatverdacht gegen einen der beiden Männer. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Flensburg wurde er dem Amtsgericht vorgeführt; dieses erließ „Untersuchungshaftbefehl wegen Verdacht des Totschlags“.

Hunderte kondolieren und trauern offen im sozialen Netzwerk. Der junge Flensburger Fußballer war überaus beliebt, galt als höflich und nett. Gerade habe er in Dänemark einen Job angetreten, sagt Leyla. Die Verlobung der beiden, die seit drei Jahren zusammen waren, stand bevor. „Jetzt, da ich weiß, dass er hier begraben wird, werde ich trotz allem hier studieren“, sagt sie.

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