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Flensburger Tageblatt

17. Dezember 2017 | 22:49 Uhr

Mekka der Segel-Klassiker

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Unter dem Dach der Robbe & Berking-Werft drängeln sich im Winter die klassischen Rennyachten / Großer Auftrieb zur Zwölfer-EM 2015

shz.de von
erstellt am 05.Aug.2014 | 19:06 Uhr

Sommerferien, und immer noch perfektes Urlaubswetter: Da rücken Hafen und Strände in den Blick der Flensburger und Feriengäste. Deshalb bringt das Tageblatt seine Sommerserie „An der Wasserkante“. Heute: Flensburg und die klassischen Rennyachten.

Die Halle ist bis auf den letzten Quadratmeter verplant. Im Winterlager 2014/2015 müssen in der Robbe & Berking-Werfthalle sechs Diven eng zusammenrücken. „Wir platzen aus allen Nähten“, seufzt Oliver Berking. Der Inhaber der Flensburger Silbermanufaktur gründete die Werft 2008 aus dem viel gelobten Sanierungs-Projekt der Marine-Yacht „Ostwind“ heraus – aus Liebhaberei. Um die unter ihrem Ursprungsnamen „Sphinx“ wieder in Fahrt gebrachte klassische Rennyacht aus dem Jahr 1938 ist inzwischen ein Zentrum entstanden, das immer mehr Berühmtheiten aus der Yachtgeschichte an die Förde lockt.

Dieses Jahr kommt die Legende schlechthin – „Vim“. Die 1939 für den US-Tycoon Harald S. Vanderbilt gebaute Yacht überwintert am Industriehafen, um im nächsten Jahr die auf der Förde stattfindende offene Europameisterschaft für die 12mR-Klasse zu segeln. „Vim“, die als schnellste 12mR-Yacht ihrer Zeit galt, teilt sich den Platz mit fünf weiteren Booten, die die Flensburger EM fest gebucht haben: „Anitra“, „Vanity“, „Thea“, „Sphinx“ und einem Schiff ohne Namen. Es ist der Entwurf Nummer 434 des norwegischen Konstrukteurs Johan Anker. Er zeichnete die Yacht, starb aber, bevor er sie bauen konnte. Berking sicherte sich die Originalpläne und baut das Schiff für einen Kunden aus Kopenhagen.

Im nächsten Juli – passend zum 125. Jubiläum des Flensburger Segelclubs – werden die 20-Meter-Schönheiten wie schon 2008 und 2011 in Flensburg prächtige Bilder liefern. Berking ist optimistisch, dass auf der Förde dann mindestens zwölf Zwölfer segeln werden. Weitere Zusagen hat er aus Finnland („Blue Marlin“) und aus Italien (die „Nyala“ des italienischen Prada-Modezaren Bertelli). Das prominente Teilnehmerfeld unterstreicht die Anziehungskraft der Flensburger Förde für die klassischen Rennyachten.

Die Initialzündung lieferte zweifellos die zwei Jahre dauernde Sanierung der „Ostwind“, die 2008 in der Gründung der Werft mündete. Seither ist ein Netzwerk entstanden, in dem mit dem in Kopenhagen lebenden Patrick Howaldt ein sehr wichtiger Knotenpunkt besetzt ist. Der Spross der Kieler Howaldt-Dynastie brachte beispielsweise „Vim“ aus dem Mittelmeer an die Ostsee. Die Yacht wurde für eine Eignergemeinschaft gekauft, die mit dem Boot sportlich unterwegs sein möchte. Im Juli 2015 beispielsweise, auf der Förde. Das Familientreffen der majestätischen Yachten ist stets auch eine Verbeugung vor ihrer Geschichte. Die meisten wurden für einen America’s Cup gebaut, den es nie gab, weil die Deutschen den Zweiten Weltkrieg vom Zaun brachen. Erst 1958 wurde wieder regattiert. In der Qualifikation unterlag übrigens die damals schon 19 Jahre alte Vorkriegs-Vim nur knapp der späteren Titelverteidigerin „Columbia“.

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