Mittelangeln : Meister der Mundstücke

Nicht schlecht staunen Klarinettistin Sabine Benz und Kreismusikschulleiter Mittelangeln Ulrich Matthaei (l.) über die vielen Mundstücke, die Henk Rensink in seinen Koffern mitführt.
Nicht schlecht staunen Klarinettistin Sabine Benz und Kreismusikschulleiter Mittelangeln Ulrich Matthaei (l.) über die vielen Mundstücke, die Henk Rensink in seinen Koffern mitführt.

Henk Rensink reist durch die Weltgeschichte und verhilft Blasmusikern zum perfekten Ton.

shz.de von
18. August 2018, 12:15 Uhr

Mittelangeln | Henk Rensink ist 72 Jahre alt, reist mit seiner Frau Martine durch Europa und wenn es gewünscht wird, auch um die halbe Welt, um Musikern die passenden Mundstücke für ihre Blasinstrumente zu empfehlen. Sein Motto ist: „Saubere Blasmusik durch passende Mundstücke.“

Rensinks Großvater war Blumenhändler, der, wenn er Zeit hatte, die Kinder mit seiner Tuba musikalisch unterhielt. Wenn Opa die Tuba blies, schaute Enkel Henk mit großen Augen hin und hörte mit gespitzten Ohren zu. Irgendwann stand für den kleinen Henk fest: „Das will ich auch machen.“ Während viele Kinder über Klavierstunden zur Musik kommen, bekam Henk mit seinem Bruder Jan Posaunenunterricht und studierte seiner Leidenschaft folgend später Instrumentenbau.

Der junge Musiker Rensink gab sich nicht mit dem Musikmachen zufrieden, er wollte stattdessen ganz genau wissen, wie die Töne entstehen und wie sich die Musik entwickelt hat. In seinem Studium wuchs in ihm die Erkenntnis, dass Musik auf Blasinstrumenten erst durch das passende Mundstück zu einem Hörgenuss wird – denn „jeder Mensch unterscheidet sich“, so Rensink.

Seine Erkenntnisse hat er in Fachbüchern über Geschichte und Entwicklung der Tonbildung festgehalten.
Seit 1972 geht der musikbegeisterte Holländer der Frage nach, wie unterschiedliche Mundstücke die Tonbildung bei Blech- und Holzblasinstrumenten beeinflussen. Und er fand heraus, dass schon bei den alten Ägyptern die Beschaffenheit von Mundstücken ein Thema war. So kam es, dass Rensink, die 5000-jährige Entwicklungsgeschichte der Mundstücke wissenschaftlich erforscht hat.

Für die Tonbildung seien viele körperliche Eigenschaften maßgebend, erläutert der Holländer, darunter Lippen, Gebiss, Luftvolumen und vieles mehr. Mancher „Patient“, der Henk Rensink aufsucht, hat im ersten Moment das Gefühl, bei einem Kieferspezialisten in Behandlung zu sein. „Nein“, sagt der Meister der Mundstücke, „ich schaue mir nur ganz genau an, wie der Ton erzeugt wird.“ Die meisten Blasinstrumente seien mit einem Einheitsmundstück ausgerüstet. Dass dann beim Spielen nicht jeder Ton stimmt, verwundert Rensink nicht.

Bevor Rensink – er unterhält in seiner holländischen Heimat Apeldoorn eine Praxis und nicht etwa eine Werkstatt, wie er betont –, sich seinem Patienten widmet, muss dieser zunächst einen Fragebogen ausfüllen, in dem er Auskunft gibt über Probleme beim Spiel, Wünsche, den Klang des Instrumentes und vieles mehr. Dadurch erhält der Spezialist erste Eindrücke, das folgende Gespräch gibt dann zusätzliche Eindrücke. Es schließt sich eine Analyse der körperlichen Voraussetzungen an wie Lungenkapazität, Stand der Zähne, ein möglicherweise vorliegender Überbiss. Letzte Erkenntnisse gewinnt der Mundstückspezialist schließlich beim Spiel des Musikers auf seinem Instrument. Seine jahrelange Erfahrung ermöglicht es Rensink, nun schnell zu erkennen, wann und weshalb unsaubere Töne entstehen. Dann beginnt Henk Rensink, aus seiner Riesenauswahl an Mundstücken das Geeignete herauszufischen. Wenn er auf Reisen ist, staunt das Hotelpersonal angesichts der vielen Koffer, die seine Mundstücksammlung enthalten, meist nicht schlecht.

Klarinettistin Sabine Benz, die seit vier Jahren ihr Instrument spielt, ärgert sich über die von ihr erzeugten quietschenden Töne. Dazu findet sie das Spiel ermüdend. Sie ist deshalb froh, dass die Kreismusikschule in Satrup einen Termin bei Henk Rensink organisiert hat. Der „Meister des guten Tons“ findet schnell die Ursache der quietschenden Töne heraus und setzt ein Mundstück mit einer anderen Schnabelform auf. „Ein Riesenunterschied, zwei Welten“, staunt Sabine Benz und sieht mit Freude ihrem künftigen Klarinettenspiel entgegen.

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